Donnerstag, 16. Oktober 2014

Swap und Swap

Gerade liegt ein Päckchen bei mir, das ich nicht vor dem 1. November öffnen darf, mag die Neugier noch so groß sein. Es ist mein Päckchen aus dem Handschuhswap in der Ravelry-Tauschgruppe. Wo ein Handschuhtausch angeboten wird, bin ich natürlich sofort dabei. Die Handschuhe, die ich für mein Wichtelkind gestrickt habe, darf ich hier natürlich noch nicht zeigen; ich glaube zwar nicht, dass mein Wichtelkind hier liest, aber Querverbindungen sind immer möglich. Dafür kann ich aber zeigen, was ich zwischenzeitlich aus dem Kreativ-Wanderpaket gezogen habe:



Wie immer war das Paket mit tollen Sachen voll gestopft. Ich hätte vieles gern genommen, aber natürlich darf ich nicht mehr rausnehmen, als ich reintue. Zuallererst habe ich bei Teeroses Schmuck zugelangt und mir gleich zwei Colliers unter den Nagel gerissen, die mir unheimlich gut gefallen; wie alles, was Teerose an Schmuck macht. Auch der schöne Einzugshaken ist von Teerose. Ich habe bisher zwei Einzugshaken für meine vier Spinnräder, und beide sind ganz schlicht mit Holzgriff. Da darf es auch mal was Besonderes sein.
Die schönen grünen Rolags wollten auch unbedingt bei mir bleiben - ich werde bei Gelegenheit noch ein besseres Foto machen, das Grün ist einfach der Hammer - und für meine Tochter habe ich mir noch das kleine "gewickelte" Schmuckset gegriffen. Das ist mir schon ins Auge gestochen, als das Wanderpaket letztes Mal bei mir war; dass es jetzt immer noch drin war, habe ich mal als Signal betrachtet, dass es zu mir bzw. meiner Tochter will.
Ich danke allen Creativas für die tollen Sachen. Bei der nächsten Runde (es ist schon die sechzehnte) werde ich aussetzen, weil ich so schnell keine neuen Sachen für das Paket machen kann, aber im nächsten Jahr will ich gleich wieder dabei sein.


Und nun something completely different, hier ist die Mini-Ulla fürs Täschchen:


Design: Yarn Artists

Die Vorlage heißt "Owl Key Chain Pattern" und ist hier umsonst bei Ravelry erhältlich. Das kleine Ding ist in einer halben Stunde genadelt; die längste Zeit hat es in Anspruch genommen, zwei genau zusammenpassende Knöpfchen aus der Dose zu kramen. Die Eule hängt an meiner Handtasche, und als ich letzte Woche bei meiner Tochter in Leipzig war, hat mich in einem Möbelladen (wo wir eine Deckenleuchte gekauft haben) eine Verkäuferin darauf angesprochen. Wir haben eine ganze Weile übers Häkeln geredet; sie hatte es wohl gerade erst gelernt. Nun ja, leider funktionierte eine von den Glühbirnen, die uns die Dame verkauft hat, nicht, was wir aber erst spät am Abend merkten, als der Laden geschlossen hatte, und der nächste Tag war ein Sonntag und wir mussten nach Fulda zurück. Ich habe dann von hier aus mit der Dame telefoniert und mich sehr gefreut, dass sie sich sofort an die Kundin mit der Eule erinnerte ... Nächste Woche sind wir wieder in Leipzig und werden die Lampe bei der Gelegenheit umtauschen, und vielleicht bringe ich der netten Verkäuferin eine solche Eule mit. Die Häkelei ist ja flott fertig.

Wolle habe ich hier, glaube ich, schon eine ganze Weile nicht mehr gezeigt. Hier also meine erste fertige Wolle vom Leipziger Wollefest: Merino, Flachs und Seide von dibadu, gesponnen auf dem Minstrel und zum Teil auch auf meiner alten Schwedin.



Die Wolle ist schon verstrickt, aber ich habe noch kein schönes Foto von dem fertigen Teil. Nächstes Mal also.

Samstag, 4. Oktober 2014

Wie man ein Bett anzieht

Gerade ist meine ältere Tochter endgültig ausgezogen und hat - da der Platz noch sehr begrenzt ist - meinen Strickmaschinentisch mitgenommen, der sich vom Normmaß von 140 x 80 cm auf 80 x 80 cm verkleinern lässt. Ich habe stattdessen einen Eichentisch aus dem Keller nach oben getragen, der 120 x 80 cm groß ist, also etwas kleiner als der alte Strickmaschinentisch. Ich werde bei dieser Gelegenheit einiges um- und ausräumen, weil das Strickzimmer für Näh- UND Strickarbeiten entschieden zu klein wird.

In letzter Zeit habe ich mehr genäht als gestrickt. Aus dem Nachlass meiner Mutter habe ich zum Beispiel einiges an Bettwäsche gebunkert, vor allem schöne alte Leinenlaken, die ich schon lange zum Nähen nehmen wollte. Kürzlich habe ich zum ersten Mal versucht, aus so einem alten Leinenlaken ein Kleidungsstück zuzuschneiden, nämlich eine Tunika aus der aktuellen Ottobre. Das war schon recht interessant. So ein Leinenlaken ist zwar ganz schön groß, aber wenn es schon mehreren Generationen als Schlafunterlage gedient hat, ist es in der Mitte um einiges dünner als an den Seiten. Ich habe meinen Papierschnitt um die Kanten herum angeordnet und sogar den Hohlsaum als "falsche" Knopfleiste mitbenutzt. Und das ist dabei herausgekommen:



Die Knopfleiste ist, wie gesagt, "falsch". Bis auf einen kleinen Schlitz oben ist sie zugenäht und hat auch keine Knopflöcher. Ich wollte unbedingt die schönen Kokosknöpfe verwenden, die ich auf der Seychelleninsel Mahé gekauft habe. Sie stammen von der endemischen Coco de Mer und sind zertifiziert, denn Fabrikate von dieser Palme dürfen nur begrenzt ausgeführt werden. Ich habe ca. 25 Knöpfe verschiedener Größe auf einer Karte gekauft. Der größte Knopf ist der obere, der in der Form des riesigen Samens der Coco de Mer geschnitzt ist - diese Form ist quasi emblematisch für das ganze Seychellengebiet. Ein Knopfloch, das groß genug gewesen wäre, diesen Knopf durchzulassen, hätte nicht auf die Knopfleiste gepasst und ist auch überflüssig, denn der Halsausschnitt ist auch so groß genug. Hier sind die Knöpfe nochmal größer zu sehen. Jeder Knopf hat ein anderes Muster.



Auf die Ärmel habe ich ein Stück alte Klöppelspitze gesetzt. Die Tunika ist sehr schön geworden, ich bin richtig stolz darauf. Deshalb habe ich sie auch gleich ein zweites Mal nachgenäht, diesmal aus einem alten Bettbezug, den ich zuvor rot gefärbt habe. Davon habe ich leider kein Foto, aber auch dieses Stück trage ich gern.

Demnächst ist der Schnitt noch ein drittes Mal fällig - ich habe mir nämlich von Mahé auch noch einen Pareo mitgebracht, weiß mit grünen Hibiskusblüten, der sich prima für diesen Schnitt eignet. Wahrscheinlich werde ich auf die Knopfleiste dann verzichten, da ich sie sowieso nicht brauche und das Muster ohne Unterbrechung schöner zur Geltung kommt.

Donnerstag, 18. September 2014

Tauschpaketprojekte

Die Blogpause war lang - ich war fast die ganzen Sommerferien abwesend und auch unmittelbar davor nicht sonderlich aktiv. Aber nun ist dafür richtig viel nachzutragen. Vor allem steht wieder mal das Tauschpaket ins Haus. Letztes Mal habe ich vor allem Handschuhe und Stulpen hineingesteckt - es dürften vier oder fünf Paar gewesen sein. Aber schon nach drei Stationen waren alle weg. Da ich daraus wohl schließen darf, dass meine Tauschpartnerinnen gern Handschuhe und Stulpen mögen, habe ich einen kleinen Vorrat gestrickt, der nun darauf wartet, ins Tauschpaket zu wandern.

Diese hier heißen kurz und knapp "30°", weil ich sie dicht am Äquator begonnen habe. Die Vorlage gibt's umsonst bei Ravelry und heißt "Hiya Hiya Blossom Fingerless Mitts".


Design: Qianer Huang

Das Material war ein Restknäuel aus einem Wollreste-Tauschpaket. Die Stulpen sind schön "lacig" und daher keine ausgesprochenen Winterstulpen. Sie passen schon, wenn man im Herbst mal etwas kalte Händchen hat. Begonnen habe ich sie aber, wie gesagt, bei mindestens dreißig Grad auf La Digue, das ist eine Seychelleninsel.



Die zwei Fläschchen haben, bevor ich sie ausgetrunken habe, das seychellische Bier "Seybrew" enthalten. Es entsteht in Kooperation mit der Kulmbacher Brauerei und entspricht somit dem deutschen Reinheitsgebot. Das Flaschenbier wird auf der Hauptinsel Mahé gebraut, das Seybrew in Dosen kommt aus Dublin. So hat man es mir jedenfalls gesagt. Ich hab da ein wenig Zweifel; wahrscheinlich wird auch das Flaschenbier importiert. Aber wie auch immer - es hat jedenfalls gut geschmeckt.

Zurück zum Thema Tauschpaket! Hier ein zweites Stulpenpaar, nach eigenem Entwurf:



Diese Stulpen heißen "Invers" und sind aus Resten von Sockenwolle gestrickt. Für mich sind sie im Handtellerbereich etwas weit ausgefallen, aber da sie sich oben durch das Einstrickmuster wieder zusammenziehen, kann man ganz gut mit der Mehrweite leben.

Nummer drei und vier fürs Tauschpaket zeige ich hier nicht, aber dafür noch eines für mich. Jawohl, mich! Diese Stulpen sind nämlich echt voll krass, die gebe ich nicht her:


Design: Julia Müller


Die handgefärbte Wolle in grellem Pink stammt aus dem Haus Zitron, das Design ist von "Laris Designs" (Julia Müller, die die schönsten Handschuhe weit und breit entwirft) und heißt "Eisblume". Die Original-Eisblume ist ein Fingerhandschuh und sieht noch erheblich mehr Perlen vor. Ich wollte jedoch unbedingt Stulpen haben, und die knallige Farbe ließ nur eine Andeutung von Perlen zu. Vielleicht stricke ich bei Gelegenheit noch ein Paar Handschuhe nach dem Original.
Auch diese Stulpen sind etwas weit geworden, obwohl ich die Größe M gestrickt habe, die mir bei den Laris-Designs sonst immer passt. Ich vermute, es liegt an der Wolle, die etwas mehr "bauscht" als normal - mir kam das schon beim Stricken so vor. Übrigens habe ich für diese Stulpen das erste Mal mit Bambusnadeln gestrickt und fand sie sehr angenehm.


Spinnwebgestrick ...

Während meiner Blogpause habe ich noch erheblich mehr gestrickt und genäht - und natürlich auch gesponnen -, aber damit dieser Eintrag nicht ausufert, erstmal nur noch ein Teil. Dafür aber ein bildschönes! Ich habe im Tausch für diese Handschuhe ja einiges an schöner Wolle von Teerose bekommen - schon im Februar letztes Jahr, sehe ich gerade - ist das wirklich so lange her?? Oje ... Darunter war jedenfalls wieder ein Strang Cobwebwolle mit der Superlauflänge von 1200 m auf 100 Gramm. Wenn diese Wolle auch noch lebhaft gefärbt ist, gibt es eigentlich nur eine Strickart dafür: das Clustermuster. Ich habe eine ganze Anzahl Muster ausprobiert, bin aber für diese extrem feine Wolle immer wieder darauf zurückgekommen. Den Pullover "Fancy" in diesem Muster habe ich schon einmal gestrickt, auch mit Wolle von Teerose. Er ist im Gebrauch leider recht kurz geworden, aber ich trage ihn sehr gern. Mein neuer Fancy-Pullover ist nun um einiges länger. Auch die Ärmel sind länger. Ich habe ihn auf einer Fahrt durch Frankreich beendet und in dem kleinen Ort Uzès im Departement Gard zum ersten Mal getragen. Uzès hat einen wunderschönen mittelalterlichen Stadtkern; der Film "Cyrano de Bergerac" mit Gérard Depardieu und Vincent Perez wurde dort gedreht. Wir haben bei unserem Besuch ganz viele Schauplätze aus diesem Film wiedererkannt. Der Bogengang, in dem Roxane nach dem Brief ihes Geliebten sucht, ist unverkennbar.

Und hier wurde mein zweiter Fancy-Pullover eingeweiht. Ja, das bin ich in Uzès:


Design: Erika Knight

Hier sieht man das Muster genauer:



Ich habe den Pullover nicht gewogen, aber mehr als 100 Gramm wiegt er bestimmt nicht. Und das Clustermuster ist auch keineswegs langwierig zu stricken. Die Höhe vom Saum bis zum Beginn des Armausschnitts beträgt zum Beispiel etwas über 120 Reihen, das finde ich nicht übermäßig viel. Natürlich ist so ein Stück nichts für alle Tage; man muss ein bisschen aufpassen, dass man nicht irgendwo hängenbleibt und Fäden aus dem lockeren Gestrick zieht.

Der kleine Schal, den ich auf dem unteren Bild trage, ist nun das letzte Stück, das ich hier vorstelle:


Design: Susan Ashcroft

Er heißt "Das kleine Finale", weil ich ihn am Tag des vorletzten Spiels in Brasilien begonnen habe. Nein, ich war nicht in Brasilien, sondern das Spiel, und zwar das um den dritten Platz. Ich hatte aus den uralten Zeiten, als die liebe Emi ihren Onlineshop auflöste, noch Recyclingseide liegen, die nun endlich mal weg sollte. Die Seide ist in den kleinen Rundschal gewandert. So richtig begeistert war ich nicht von dem Material. Ich spinne ja selbst mit Seidenabrissen, und meine gesponnenen Fäden sind gleichmäßiger, weicher und haltbarer als dieser fertige Faden. Aber was solls, ich habe nun ein quietschig buntes Teilchen um den Hals für jede Lebenslage.



Selfie vor dem Spiegel - und das war's für heute. Ein interessanter Selbstnäh-Challenge folgt demnächst.

Sonntag, 18. Mai 2014

Ewigkeiten ...

Meinem neuen Tuch gebührt der Name "Ewigkeitstuch". Ich habe eben mal probehalber nachgesehen, seit wann ich die Wolle dafür habe: Im Februar 2008 habe ich sie bei einem Onlineshop bestellt, wie in diesem Eintrag nachzulesen.
Dass es so lange dauerte, die Wolle zu verarbeiten, hat aber auch seinen Grund: Ich finde die Farbe, ein ziemlich grelles Rosa, zwar nach wie vor toll, wusste aber nicht recht, wie ich sie zur Geltung bringen sollte. Klar war, dass aus dieser Wolle nur ein Tuch werden kann. Aber welches Muster? Die meisten Tücher, die in der Musterung mehr oder weniger von Spitzendecken abgeleitet sind, waren mir zu "lieblich" für diese Farbe. Ich wollte etwas Unverspieltes, aber andererseits auch nichts Schlichtes, also kein krausgestricktes Tuch. Und vor allem hatte ich viel Wolle - zwei Stränge zu je 100 Gramm, die ich auch komplett aufbrauchen wollte, denn was soll ich mit rosa Resten.

Das richtige Muster fand ich in der Knitty. Es heißt Bauble und stammt von der Designerin Kathryn McNaughton. Im Original ist "fingering yarn", also Wolle in Sockenstärke, mit Nadel 3,5 verstrickt. Ich habe Lacestärke verwendet und eine Nadel 3.


Design: Kathryn MacNaughton

Das Tuch wird an der breiten Seite begonnen, und durch die Mittelzunahmen wächst es zur Spitze hin, die Reihen werden also immer länger. Ich habe gegen Ende immer wieder abgewogen, um wirklich alles bis auf die letzten Meter zu verstricken, und tatäschlich ist fast nichts übrig. Der Randabschluss ist etwas anders als im Originaldesign vorgesehen; dort sind mehrere Reihen Krausgestrick eingeplant, aber in dem dünnen Garn gefiel mir das nicht. Ich habe statt dessen Perlmuster gestrickt, um einen schönen flachen Rand zu erhalten.

Das Tuch ist mein größes bisher: die obere Breite misst über 2 m, die Höhe etwas über 1 m. Ich habe es überhaupt nicht gespannt, sondern ohne Spannung aufgenadelt und angefeuchtet, damit es im Tragen sein Volumen behält.

Begonnen habe ich das Tuch kurz nach Neujahr - fertig wurde es am 8. Mai spätabends, und ich konnte es nicht lassen, sofort ein Selfie vor dem Badezimmerspiegel zu machen. Ich zeige das Bild hier, weil die Farbe dort besser zu sehen ist; das Tuch hat keinen Lilastich wie auf dem Foto oben, sondern ist schlicht und einfach rosa. Hier ist das Tuch noch nicht angefeuchtet gewesen und erscheint deshalb etwas plissiert.



Und hier noch ein Detailbild. Man muss in Hin- und Rückreihen mustern und zumindest am Anfang gut auf die Strickschrift achten. Erst in den letzten Reihen habe ich mich getraut, beim Stricken zu lesen - es ging schon irgendwie, aber ich bin froh, das Ganze von den Nadeln zu haben. Bisher habe ich das Tuch nicht getragen, aber im Sommerurlaub gibt es sicher jede Menge Gelegenheit dazu, wenn wir abends unterwegs sind. Ich bin stolz auf das Tuch und gratuliere der Designerin zu dem außergewöhnlichen Muster.
Nachtrag: hab ich doch glatt vergessen zu erwähnen, wie das Originaltuch heißt: "Bauble" ist der Name, was so viel bedeutet wie Spielerei, aber auch Christbaumkugel.

Sonntag, 27. April 2014

Nachlese zum Wollefest, Nachlese zum Wichtelpaket

Das Leipziger Wollefest ist ja nun schon eine ganze Weile vorbei - trotzdem hier noch ein Eintrag dazu; ich verstehe mein Blog ja auch als Gedächtnisstütze für mich selbst. Also, ich bin Mitte April zum Wollefest gefahren, und zwar deshalb, weil ich sowieso in Leipzig zu tun hatte: Meine große Tochter, die gerade ihre Diplomprüfung absolviert hat und nun eine Doktorandenstelle sucht, erwarb ein Sprachzertifikat (das man offenbar braucht, wenn man im Ausland eine solche Stellung antreten möchte) und machte dazu eine Englischprüfung in Leipzig. Da sie direkt danach Richtung Bayreuth weiterwollte, um sich dort vorzustellen, haben wir - also Herr Schmollfisch und ich - die Gelegenheit genutzt und sie mit dem Wohnmobil in Leipzig "aufgelesen". Als kleines Bonbon für mich lag am Rande der Besuch des Wollefestes.
Ob es wirklich klappt, blieb bis zuletzt unsicher; die Zeit war knapp, und deshalb habe ich mich bewusst mit niemandem direkt verabredet, aber doch ein paar Leutchen erkannt, und es gab eine Menge nette Gespräche. Und Wolle! Wolle über Wolle! Herr Schmollfisch erwies sich als ausgesprochen leidensfähig, verlor kein Wort über meine ausufernden Wollekäufe und trug bereitwillig alle Tüten. Und so verließ ich das Wollefest:



Was nun die einzelnen Beutestücke angeht, ist es mir merkwürdig gegangen. Ich war eigentlich fest entschlossen, keine Spinnwolle mehr zu kaufen. Davon habe ich wahre Berge liegen. Ich wollte das eine oder andere handgefärbte Schmankerl kaufen und vielleicht, falls ich was Passendes finde, Garn für einen kompletten Pullover. Und nun zeige ich mal, womit ich rauskam:



Das Weiße ist Alpaka mit Seide, das Hellblaue rechts Corriedale mit Regeneratfaser, beides vom gleichen Anbieter; leider weiß ich den Namen nicht mehr. Das Petrolfarbene zwischen den weißen Zöpfen ist BFL mit Seide. Die bunten Zöpfe unten links sind von dibadu, den einen habe ich schon versponnen: Merino, Seide und Flachs in bunter Mischung. Die einzige fertige Strickwolle, die ich gekauft habe, liegt unten rechts: Wolle und Lyocell in Lacestärke, ich habe die Stränge wegen der tollen Farbstellung mitgenommen.

Warum soviel Spinnwolle? Weil sie einfach am schönsten ist. Einen anderen Grund kann ich nicht finden. Ich wüsste gern, ob es anderen auch so geht. Hart ausgedrückt bin ich ein subjektiver Materialverhunzer. Am schönsten ist der Faserzopf. Die fertig gesponnene Wolle ist schon der erste Schritt vom Gipfel. In verstricktem Zustand empfinde ich das Material fast immer als "unter seinen Möglichkeiten geblieben". Letztlich ist die Wollverarbeitung eine Kette von Enttäuschungen. Bekanntlich wohnt jedem Anfang ein Zauber inne - der in sich schon den Keim des Absturzes hat.

Aber nun zu was Erfreulichem. Das Wichtelpaket! Nachlässig wie ich bin, habe ich von den Socken, die ich für mein Wichtelkind gestrickt habe, kein Bild gemacht. Auch nicht von dem gehäkelten Osterhasen, den ich dazu gelegt habe. Aber dafür habe ich hier ein Bild von dem Wichtelpaket, das ich in Empfang nehmen durfte, und bin immer noch überwältigt, wie reich ich beschenkt wurde.



Das Wichtigste ist der mit Indigo gefärbte Falkland-Kammzug, den ich (da formt sich bereits ein Bild im Kopf) zusammen mit etwas Rot zu einem in Modularstrick gearbeiteten Teil machen möchte. Das Grüne ist Kardband aus deutscher Merino. Dazu noch so viele nette Kleinigkeiten: die liebevoll geschriebene Karte, ein Filzwichtel, ein Filzblumentöpfchen, Schoki (die längst verfuttert ist) und ein Döschen mit Maschenmarkierern und Elfenohrringen, ich zeige das nochmal genau:



Vögelchen, die auf Perlen sitzen. Zu niedlich! Ich habe das Paket noch immer hier im Wohnzimmer stehen, mit komplettem Inhalt, um es ab und zu anzugucken. Das macht immer wieder Freude. Inzwischen weiß ich, dass Ronja Räubertochter aus dem Spinnforum meine Wichtelmama war. Noch einmal ganz herzlichen Dank für das schöne Paket!

Mittwoch, 2. April 2014

Wie der Reißverschluss in die Tasche kommt

In meiner dritten Tasche ist nur ein einziger Schlips verarbeitet, dafür aber ein besonders schöner. Den habe ich mal für mich selbst gekauft, aber nie getragen, jedenfalls nicht als Schlips. Nun trage ich ihn als Tasche.

Nach gefühlten siebenunddreißig Versuchen von "try and error" habe ich mich entschieden, die einzelnen Arbeitsschritte zu fotografieren, damit es das nächste Mal schneller geht. Vielleicht kann ich ja auch einer anderen Taschennäherin damit helfen.

Also, das ist der Taschenrohling, sozusagen. Der Oberstoff besteht aus einem Stück schwarzem Samt. Ich habe den Schlips schon appliziert (das schmale Ende wird später abgeschnitten - ich weiß noch nicht wie lang, deshalb habe ich es erst mal hängen gelassen). Der mit Vlieseline verstärkte Futterstoff ist in zwei Teilen am Oberstoff angenäht. Die beiden Reißverschlussbänder habe ich mitgefasst. Das ist schon der erste potentielle Stolperstein: Darauf achten, dass der Reißverschluss so zwischen den Stofflagen liegt, dass bei umgekrempelter Tasche die Zähnchen (gemeint ist die "rechte Seite" des Reißverschlusses) nach oben zeigen.



Der Zipper wird auf den Reißverschluss aufgeschoben. Dabei ist es nützlich, wenn man eine Reißverschlusshälfte einen Tacken länger gelassen hat als die andere. Ein Zentimeter reicht.



Den Reißverschluss ein Stückweit schließen (Achtung - nicht so weit, dass der Zipper vorne wieder herausflutscht!). Die Tasche zurückkrempeln und so falten, dass der Oberstoff rechts auf rechts liegt. Das Futter fortlaufend rechts auf rechts legen und feststecken. Die Nahtzugaben beider Stoffe und die Reißverschlussbänder - also alles, was im Weg ist - in den Oberstoff kippen. Etwas unterhalb des Reißverschlusses die Aufhängeschlaufe (an der später das Trageband hängen soll) gefaltet zwischen die beiden Lagen des Oberstoffs stecken. Darauf achten, dass die Schlaufe in die Tasche hineinzeigt, also bei umgekrempelter Tasche dann später nach außen. Wenn das ein bisschen viel Gefalte und Gestecke ist, kann man die Schlaufe auch vorab auf einer Seite des Oberstoffs provisorisch festnähen - dann muss man nicht so viele Sachen gleichzeitig im Blick haben ;o).

Das Weiße auf dem Foto ist die Vlieseline auf dem Futterstoff: Die linken Stoffseiten liegen oben, bei Oberstoff und bei Futter.



Die Seitennähte von Oberstoff und Futter fortlaufend schließen, dabei die Schlaufe mitfassen. Die Bodennaht der Futtertasche schließen. Nahtzugaben zurückschneiden. An den Taschenböden von Oberstoff und Futter in gleicher Weise die Ecken abnähen und zurückschneiden.



Die Tasche umkrempeln.
Achtung: Jetzt den Reißverschluss auf keinen Fall ganz zumachen. Wenn der Zipper nämlich abgezogen wird, bekommt man ihn nie sauber wieder drauf.
Den Reißverschluss fast komplett schließen, damit man die Stofflagen sauber aufeinander hat - wenn sich an dieser Stelle nämlich etwas verschiebt, geht der Reißverschluss später nicht ordentlich zu. Dann die Tasche wieder zurückkrempeln. Nun die Futtertasche an der noch offenen Seite zustecken, dabei die Nahtzugaben und das Reißverschlussband wieder in Richtung Oberstoff streichen. Den Oberstoff erst mal noch nicht zustecken, sondern von der Seite her reinfassen, so dass man an den Zipper kommt, und den Reißverschluss wieder öffnen. Jetzt kann auch der Oberstoff zugesteckt werden. Dabei wieder die Aufhängeschlaufe mitfassen wie gehabt.
Die Seitennaht schließen bis auf einen Durchgriff an der Seite der Futtertasche.
(Und jetzt wissen wir auch, warum der Reißverschluss dabei offen sein muss: Wenn er zu ist, kommen wir durch den Durchgriff nicht mehr an den Zipper ran, weil er zum Oberstoff hin zeigt!)

Die Tasche durch den Durchgriff hindurchziehen, die Futtertasche glatt streichen und den Durchgriff von rechts schließen. In Nähanleitungen wird meist empfohlen, das von Hand "überwendlich" zuzunähen. Ich steppe ganz normal ab, sogar mit kontrastierendem Garn - falls ich später noch mal etwas an der Tasche ändern will, kann ich die Naht dann leicht wieder öffnen. Man sieht sie ja nicht, wenn das Futter in die Tasche gekippt ist.



Das Futter in die Tasche drücken und mit den Fingerspitzen alle Ecken sorgfältig herausdrücken. Damit ist die Tasche fertig bis auf den Schulterriemen. Wenn ich noch ein ausreichendes Stück schwarzen Samt finde, nähe ich daraus das Trageband - wenn nicht, nehme ich wieder Gurtband und mache es mit Schlüsselringen an der Tasche fest.
Das Verschlussteil links ist übrigens ein Hosenträger-"Beißer". Ich benutze für meine Taschen nur Reste und Sachen, die ich ohnehin im Haus habe; wie zum Beispiel auch die alten Schlipse für meine vorherige Tasche. Die Hosenträgerschließe ist natürlich nur Dekoration. Sie ist an der Rückseite der Tasche befestigt. Bei geschlossener Tasche "beißt" sie in ein Stück Gurtband auf der Vorderseite.
Die Tasche ist 23 x 27 cm groß - also nett klein. Natürlich wäre ein separates Handytäschchen eine schöne Ergänzung dazu, vielleicht mache ich das noch, wenn ich passende Stoffreste finde.

Montag, 24. März 2014

Die coole Schlipstasche

Meine zweite selbstgenähte Tasche (oder dritte, wenn man den Duschbeutel mitzählt) hat handliche Größe: 28 cm breit und 25 cm hoch, gerade passend für Portemonnaie, Handy, ein Päckchen Tempos und ein Briefchen Laktasetabletten, die ich ja leider brauche. Und das ist sie:



Man sieht es vielleicht nicht gleich, aber die Grundlage für diese Tasche sind vier alte Schlipse! Ich habe einen kleinen Vorrat von diesen Dingern, den ich aus der Haushaltsauflösung meiner Eltern gerettet habe. Damals hatte ich schon den Plan, man etwas Nettes daraus zu machen, aber die zündende Idee fehlte und die Schlipse verschwanden für fünf Jahre in einem Karton im Keller. Jetzt sind vier davon zu neuen Ehren gekommen.

Wie die letzte Tasche besteht auch diese aus einer einfachen Tüte, oder vielmehr zwei Tüten, eine aus dem Oberstoff und eine Futtertüte. Auf den Oberstoff sind die vier Schlipse appliziert, und zwar mit den schmalen Enden auf der Vorderseite ...



... und den breiten Enden auf der Rückseite:



Da die Rückseite über die Vorderseite nach vorne geschlagen wird, erscheinen die breiten Enden der Schlips bei geschlossener Tasche vorne. An den Seiten werden die Aufhängeschlaufen mitgefasst und an der Oberkante und der Unterkante die Verschlussschlaufen. Gurtband anhängen und fertig. Für die Ausarbeitung dieser Tasche genügte ein Nachmittag. Ich habe sie schon ausgeführt und bin diesmal wirklich super zufrieden.

An alle, die hier mitlesen - wer noch alte, schön bunte Schlipse liegen hat, die nicht mehr gebraucht werden - ich nehm sie gerne! Bitte nicht wegwerfen! Ich mache übrigens auch gern mal eine Tasche auf Bestellung; im Tausch gegen schöne Wolle oder ein Buch von meiner Amazon-Wunschliste.

Freitag, 21. März 2014

Taschen-Upgrade

Irgendwann, im vorletzten Jahr oder so, habe ich mal den Vorsatz geäußert, an meinen selbstgemachten Sachen so lange nachzuarbeiten, bis ich wirklich ganz zufrieden bin. Ich mache ja eine Menge Zeug, jedenfalls mehr als ich wirklich brauche. Deshalb probiere ich jetzt mit jedem einzelnen so lange herum, bis ich genau das habe, was ich haben wollte.

So auch bei dieser Tasche, die ich hier beschrieben habe. Die Henkelaufhängung ist im Original (also im Nähheft) grob gesagt wie bei einem Bild; das Trageband ist einfach auf dem Taschenrücken festgenäht. Nachdem ich die Tasche ein paarmal benutzt habe, gefiel mir das nicht mehr. Es sieht besser aus und trägt sich besser, wenn der Gurt seitlich festgemacht ist, wie bei allen Umhängetaschen.

Um die Tasche entsprechend zu ändern, brauchte ich Ringe und Karabinerhaken. Die kann man für den Nähbedarf bestellen, aber ich vermute, im Baumarkt sind solche Sachen billiger. Jedenfalls habe ich mich im Baumarkt versorgt. Die Ringe, die ich dort bekommen habe, sind nicht groß genug, um den Gurt einfach durchzuziehen - deshalb habe ich sie mit einem schmalen Stoffstreifen hinter die Gurtenden genäht:



Für die Aufhängung am Taschenkörper musste ich die eine Seitennaht nochmal aufmachen und ein schmäleres Gurtbandende mit einem weiteren Ring zwischenfassen. Auf dem Foto sehen beide Gurtbänder gleich breit aus, aber das täuscht. Der Tragegurt ist wesentlich breiter (und zwar so breit, dass er auch durch den großen Ring nicht richtig passte - das wäre also keine Lösung gewesen).

Da das Trageband nun nicht mehr - wie im Original der Tasche - festsitzt, sondern loszuhaken geht, habe ich mir noch etwas zusätzlichen Komfort gegönnt und ein separates Handytäschchen genäht, das auf den Gurt geschoben werden kann. Das ist sehr praktisch, da die Tasche selbst kein separates Außenfach hat. So ist das Handy jedenfalls in Griffweite und muss, wenn es klingelt, nicht aus den Tiefen der Tasche gegraben werden.



Die Tasche ist maßgefertigt, das Handy passt genau hinein.
Und hier ist zu sehen, wie das Täschchen in den Gurt eingehängt wird:



Ich musste ja das Trageband wegen der zusätzlichen Länge durch die beiden Haken etwas kürzen; so konnte ich den abgeschnittenen Rest in zwei Stücke teilen, hinten auf das Handytäschchen aufsetzen und den Gurt dahinter durchschieben. So passt alles gut zusammen. Das Täschchen ist mit Klettband verschließbar.

Und so sieht die fertige Tasche aus. Richtig professionell (finde ich).



Das Filz-Windrädchen gehört eigentlich auf eine Weste, die ich im Februar genäht habe, aber auf der Tasche sieht es auch nett aus. Die Tasche ist natürlich gefüttert. Der Oberstoff ist mit Watteline unterlegt, der Futterstoff kräftig versteift - die Tasche bleibt aufrecht stehen, wenn man sie abstellt.
Die Oberflächengestaltung ist nicht besonders aufwendig; da geht noch viel mehr. Aber das ist bei dem Stoff, der changiert und "vom Ballen" bestickt und mit Samtblüten besetzt ist, nicht nötig. Die nächste Tasche wird etwas kreativer gestaltet sein. An dieser werde ich nun nichts mehr ändern.

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