Dienstag, 3. Dezember 2013

Ein paar Nachträge

Als Nachtrag zum letzten Eintrag hier zunächst die Hirni-Stulpen, fertig gestrickt mit dem Muster am rechten Platz, nämlich einem vollständigen Muster vorne und einem vollständigen Muster hinten:




And now to something completely different ...


... nämlich zu einem mehrfach begonnenen, verworfenen oder umgestellten Projekt. Angefangen hat es mit einer Wolle, die ich in der mittlerweile leider geschlossenen Filzwerkstatt in Bodenheim gekauft habe. Versponnen sah sie so aus:



Die Wolle ist navajogezwirnt, ich hatte ungefähr 600 Gramm davon, alles so überschlägig für Nadelstärke 4 oder 4,5. Ich hatte zunächst vor, mir eine Jacke im Modularstrick zu machen nach einer Vorlage von Drops. Ein großes Quadrat war gestrickt, dann verlor ich die Lust, außerdem kam mir just zu dieser Zeit die Herbst-Knitty in den Weg mit dem Modell Agata von Leah Chapman, das speziell für Farbverlaufswolle konzipiert ist. Das Prinzip, wie diese Jacke zusammengesetzt ist, sprach mich sofort an und ich ribbelte mein Drops-Quadrat auf und strickte statt dessen ein Agata-Mittelpanel. Allerdings musste ich den Entwurf ein wenig ändern. Ich bin nun mal eher klein und auch nicht mehr die Schlankste, wahrscheinlich würde ich mit einem Teil in ausgeprägtem Boxy-Schnitt wie ein Karton mit Beinen aussehen. Ich habe also kurzerhand an das Mittelpanel nicht, wie vorgesehen, zwei weitere breite Panels angestrickt, sondern jeweils ein schmales mit Godets aus verkürzten Reihen. Das ist übrigens auf dem Mittelstricker geschehen. Daher ging die Arbeit an dieser Weste recht flott voran.



Auf dem Bild ist (im rechten Teil) gut zu sehen, dass beidseitig des Armausschnitts je ein Keil eingestrickt ist. Die Ärmel habe ich weggelassen, da ich ohnehin mehr Westen als Jacken trage, und stattdessen an der Unterkante noch eine breite Blende angestrickt, damit das Ganze besser fällt.


Design: Leah Chapman

Tragebild habe ich leider keines (kommt vielleicht noch), aber die Weste passt ausgezeichnet und steht mir sogar. Die Vorderkante war wegen der Kraus-rechts-Blende ein wenig labberig ausgefallen, deshalb habe ich noch eine Reihe Krebsmaschen angestrickt. Ursprünglich waren drei Knopflöcher vorgesehen, aber da das oberste gerade an der umfangreichsten Stelle der Brust saß und ich einen entsprechenden Knopf ohnehin nie geschlossen hätte, habe ich es nachträglich zugenäht. Die beiden Perlmuttknöpfe sind dafür riesengroß und farblich genau passend.


Und das ungeliebte Urlaubsprojekt ...


Wieder mal war ich im Oktober mit dem Wohnmobil in Kroatien und hatte mir diesmal zum Stricken mal wieder eine Sockenvorlage mitgenommen, und zwar aus dem Buch "Twist-Socken stricken" (nein, ich verlinke kein Amazon, mach ich net und fertig!). Die Socken, die ich zu stricken plante, haben den Namen "Auf den Wellen" und sind als relativ einfach bezeichnet. Dass ich trotzdem meine liebe Not hatte, lag bestimmt nicht nur an der Anleitung; mir sind die verkürzten Reihen einfach noch nicht so vertraut und die dauernden Richtungswechsel auf einem Nadelspiel können auch recht verwirrend sein - aber so richtig prickelnd ist die Anleitung auch nicht gerade geschrieben. Ich habe mehrfach ribbeln müssen, weil ich einfach nicht verstand, was gemeint war. Jetzt sind die Socken fertig, sehen auch toll aus, aber dass sie für Größe 38/39 passend sein sollen, kann ich nicht bestätigen. Ich trage Größe 39 und obwohl ich bewusst fest gestrickt habe, sind die Socken eher weit ausgefallen.


Design: Ulrike Brüggemann

Interessant ist auch der Wollverbrauch. Das Knäuel blaue Wolle ist beinahe alle, und wenn ich Socken für mich stricke, bleibt normal eigentlich immer ein größerer Rest. Aber ich will nicht meckern. Die Socken sind wirklich nett.


Und zum Thema Anleitungen noch ...


... die "Allure" aus der Verena Herbst 2013. Overkneestrümpfe, die ich meiner jüngeren Tochter schenken wollte. Das ist nun eine krass danebengegangene Anleitung, die man allenfalls damit entschuldigen könnte, dass Strickerinnen im Besitz eines Hirns dieses vor dem Stricken einschalten und während des Durchlesens der Anleitung eingeschaltet lassen sollten. Die Strümpfe sehen an der Außenseite des Beins jeweils einen Lochmusterstreifen vor, außerdem sind an der Wade Abnahmen zu stricken, damit das Ganze sich gut ums Bein schließt.



Wer sein Hirn betriebsbereit hat, weiß natürlich, dass man bei einem solchen Design nicht beide Strümpfe gleich zu stricken hat, sondern gegengleich. Sonst ist bei einem Strumpf entweder die Lochmusterreihe innen am Bein, oder die Abnahmen für den Zwickel sind vorne statt hinten. Die Strickerin mit dem Hirn auf Sparflamme richtet sich nach der Anleitung, in der trocken steht "einen zweiten Strumpf ebenso stricken" und strickt zwei gleiche Strümpfe, bis sie am Knöchel angelangt ist und langsam merkt, dass da etwas nicht so ganz stimmt. Dann flucht die Strickerin kräftig, ribbelt bis zu den Abnahmen und machts noch einmal, und diesmal richtig. Leider gibt es auch zu den Strümpfen kein richtiges Tragefoto. Die Empfängerin ist nicht mehr so oft zu Hause, aber die Strümpfe werden jedenfalls getragen.

Mittwoch, 13. November 2013

Handwärmerchen

Petra aus dem Strickforum hat dankenswerterweise bei Ravelry eine Anleitung für maschinengestrickte Handgelenkwärmer umsonst zur Verfügung gestellt, siehe hier. Die Anleitung ist klar und verständlich geschrieben und völlig unkompliziert. Als Material empfiehlt sie Sockenwolle, wovon ja die Maschinenstrickerin reichlich herumliegen hat, weil es nun mal das Lieblingsfutter des Feinstrickers ist. Ich habe sofort mit Handstulpen für meine Tochter begonnen, passend zu ihrer neuen Mütze, dazu später. Hier die Stulpen:


Design: Ineedyarn bei Ravelry

Laut Anleitung strickt man zuerst ein flaches gemustertes Teil, anschließend separat den Daumen und hängt ihn dann für die letzten Reihen mit dem Hauptteil zusammen. Danach sind nur zwei kurze Nähte an der Innenkante der Hand zu schließen. Das Muster gehört zu den Standard-Lochkarten von Brother. Selbst bei einem so kleinen Teil hat die Maschinenstrickerin noch genug Gelegenheit, ihre Mattscheibe unter Beweis zu stellen: Ich hatte zunächst, als ich nach dem Stricken des Daumens das Hauptteil dazuhängte, dieses mit dem Bündchen nach oben gedreht. Hätte ich das Teil so beendet, hätte der fertige Daumen nach unten gezeigt, Richtung Handgelenk. Eine Handstulpe für Außerirdische sozusagen. Gott sei Dank bemerkte ich den Fehler nach wenigen Reihen. Ansonsten waren die Stulpen flott fertig. Rechnet man das Gefummel mit der Lochkarte und dem Einfädeln zweier Fäden ab, geht es genauso schnell wie Socken.

Mithin wurde sofort die nächste Stulpe in Arbeit genommen. Diesmal mit einer selbstgestanzten Lochkarte, denn ich wollte unbedingt das Muster "Härkeberga Blumenranke" aus dem Buch "Himmlische Strickideen" ausprobieren.
Selbstredend lässt die Maschinenstrickerin diese zweite Gelegenheit, ihre Mattscheibe zum EInsatz zu bringen, nicht ungenutzt verstreichen. Wie gewohnt schlug ich die benötigten 62 Maschen in der Mitte der Maschine an. Was bedeutet, dass die Maschine, intelligent wie sie ist, das Muster in der Mitte des Strickstücks anordnet. So will man das i.d.R. ja auch haben. Aber wenn man ein schmales Strickstück plant, dann möchte man doch lieber zwei vollständige Muster links und rechts als eines in der Mitte und zwei halbe an den Seiten.



Wurscht! Die Farbkombination gefiel mir ohnehin nicht. Hier der zweite Versuch. Diesmal, wie es sich gehört, ein Muster vollständig in der Mitte der Maschine und ein zweites Muster rechts daneben. Und so soll es aussehen:



Inzwischen sind auch diese Stulpen fertig. Foto folgt morgen, ich habe sie heute abend beim Fernsehen zusammengenäht. Und jetzt liefere ich noch die Mütze nach, die ich meiner Großen passend zu den Stulpen gestrickt habe. Die Mütze heißt Torsion und stammt von der Designerin Julie Knits, die die Anleitung ebenfalls umsonst bei Ravelry anbietet. Das Design ist ein Geschenk für Maschinenstrickerinnen, denn eigentlich besteht die Mütze nur aus einem langen glatt rechts gestrickten Schlauch. Man wendet den Schlauch nach links, verdreht ihn in der Mitte kunstfertig wie ein Bonbonpapier, fixiert die Drehung mit einem Stück Faden und stülpt dann die beiden offenen Enden übereinander. Zumn Abschluss ein elastischer "Icord-bind-off" und fertig ist die schicke Mütze, die überdies zwei "schöne" Seiten hat. Meine Mütze ist innen einfarbig grün, außen mit einem Musterrand in Weiß versehen - ein Muster aus Hebemaschen, das ich vor Jahren schon mal in einem Pullover eingesetzt habe.


Design: Julie Knits

Auch dieser Designerin einen herzlichen Dank für die schöne Idee.

Neben Mütze und Stulpen habe ich den letzten Tagen ein Paar Socken mit verkürzten Reihen fertig gestellt - ja, manchmal stricke ich Socken von Hand - und endlich, endlich meine Weste aus komplett selbstgesponnener Wolle, die richtig toll geworden ist. Dazu demnächst.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Riesenaufwand ...

Das Buch "Knöpfe selber machen" von Beate Schmitz zeigt eine ganze Fülle selbstgemachter Knopfprojekte. Ein Knopf ist schöner als der andere und viele sind einfach zu schön zum Gebrauch. Mein eigenes Knopfprojekt demonstriert das eindrucksvoll:

Hier der Knopf in Arbeit. Es handelt sich um einen Knopf aus Perlenhäkelei. Dazu wird zunächst eine Anzahl Rocailles nach einem festen Schema auf Häkelgarn, in meinem Fall Liana30, aufgezogen. Anschließend häkelt man nach dem bewährten Topflappenprinzip eine Spirale (oder auch eine andere Form, bei mir war es halt eine Spirale) und verhäkelt dabei in jeder festen Masche eine Perle.





Ich trau mich kaum zu beschreiben, wieviel Arbeit das war. Beim Fädeln musste ich mehrmals von vorn beginnen, aber das lag an meiner eigenen Dämlichkeit, weil ich das Schema nicht vorher genau gelesen habe (um genau zu sein, ich habe einige kleine Zahlen glatt übersehen).

Dann ging es los: Einen Ring aus fünf Luftmaschen häkeln und in diesen dann die festen Maschen mit den Perlen. Ogottogott, war das ein Gefummel! Dass ich kleinere Rocailles genommen hatte als in der Anleitung angegeben und auch einen entsprechend dünneren Faden, machte es nicht leichter. Aber ich denke, mit den vorgeschlagenen 4 mm-Rocailles und Liana10 wäre es nicht wesentlich weniger fummelig geworden.
Kurz und ungut, ich fing gefühlte zwanzig Mal von vorne an, bis ich endlich einen zufriedenstellenden Ring beisammen hatte, in den ich weiter einhäkeln konnte. Das ist es nämlich: Den Ring zu bilden und mit der ersten Runde festen Maschen zu behäkeln, ging noch, darin habe ich ja auch Übung. Aber dann in diesen ersten festen Maschen die richtige Stelle zum Einhäkeln der darüber liegenden Reihe zu finden, das hat es in sich!

Hier ist jedenfalls der fertige Knopf:



Und das ist die Knopfrückseite. Daneben liegt das "Inlay": ein einfacher Ösenknopf aus der Knopfdose.



Der fertige Knopf ist schön, unbestreitbar. Aber er passt weder auf mein Strickprojekt (eine Jacke), noch kann ich mir überhaupt ein Strickprojekt vorstellen, auf das ein solcher Knopf passt. Denkbar wären allenfalls Knopfhandschuhe oder eine Tasche, für alles andere ist der Knopf viel zu aufwendig. Ich lege ihn mal auf die Seite und mache bei Gelegenheit noch einen zweiten, vielleicht geht der dann auch schneller und leichter. Eine interessante Erfahrung war es auf alle Fälle.

Dienstag, 3. September 2013

Gesundschrumpfung :o)

Die im letzten Eintrag gezeigte Wolle ist inzwischen verzwirnt und ich habe noch einen zweiten Strang dazugesponnen:



Daraus sollte nun wieder was für den Hals werden (zu mehr hätte es auch nicht gereicht, es waren nur etwas über 200 Gramm). Leider habe ich zunächst mal eine krasse Fehlkalkulation gemacht, bzw. ziemlich unüberlegt drauflosgestrickt.
Geplant war ein Schal nach der Vorlage "Anthurium" von Belinda Boaden, die in der deutschen Ausgabe des "Knitter" erschienen ist. Wenn ich es richtig notiert habe, war es das Heft 5/2011. "Anthurium" ist ein Schal in einem Muster aus verkürzten Reihen.

Zunächst wurde mein Schal viel zu breit, nämlich 40 cm. Der Schal in der Vorlage ist mit 100 cm schon recht kurz. Auf den Fotos erscheint er immer mit einem Schmuckband vor der Brust zusammengehalten, also als Schluppe.
Abgesehen davon, dass diese Trageweise nichts für mich ist - ich bin nicht schlank genug, um so eine Masse an zusammengedrängtem Material vor der Brust tragen zu können - wäre mein Schal wohl noch kürzer geworden. Mit 40 cm Breite hatte er jedoch, fand ich, ein ganz angenehmes Maß für einen halben Cowl. Also habe ich wieder geribbelt und den Musterrapport zweimal hintereinander gestrickt, einmal wie in der Anleitung gegeben und einmal gegengleich gespiegelt.
Nach einigen Zentimetern Höhe habe ich zur Runde geschlossen und damit einen Cowl gestrickt.



Sieht nett aus, war aber nix. Immer noch zu weit und vor allem zu locker gestrickt. Der fertige Cowl machte das, was lockere und weite Cowls immer tun: er rutschte auf den Schultern zu einer Wurst zusammen, statt den Hals zu bedecken. Als Schal wäre es nett geworden ...

Womit gibt man lockerem Gestrick etwas mehr Stand? Man macht es nass und schmeißt es in den Trockner. Ich habe alle fünf Minuten nachgesehen. Nach zwanzig Minuten hatte mein Cowl die richtige Fasson erreicht.
Damit er um den Hals schön schließt, habe ich noch einen Knopf mit Schlinge angebracht, und nun ist das Werk fertig:



Es ist sogar noch Wolle übrig. Ich denke über eine passende Mütze nach - natürlich auch angefilzt. Dafür werde ich natürlich wieder nachspinnen müssen, aber das ist ja kein Problem.

Donnerstag, 1. August 2013

Sari-Recycling

Ich habe ja vor langer Zeit schon mal Sariseiden-Abschnitte gekauft, bzw. mich an einer entsprechenden Sammelbestellung beteiligt. Es ist auch noch davon übrig, trotzdem habe ich nun wieder an einer Sammelbestellung übers Spinnforum teilgenommen und es nicht eine Minute bereut. Sonja hat mich - für 15 Euro - mit einem Riesenberg Seide beliefert. Noch einmal auf diesem Weg tausend Dank, Sonja!

Das ist die Ausbeute - erst mal ein großer Haufen ungeordnete Einzelfäden:



Weiterhin ein Haufen Stränge, wie sie vom Webstuhl abgeschnitten werden. Da sind richtig lange verwertbare Fäden dabei und man kann die Leuchtkraft der Farben gut bestaunen:



Hier noch besser zu erkennen - es handelt sich wohl um die vom Webstuhl abgeschnittene Kette, das Angewebte hängt noch dran:



Und schließlich hier ein Foto der beiden ersten Spulen. Da sieht man noch nicht viel. Ich habe die Seide "bröckchenweise" in Merino eingesponnen und werde beides noch heute abend zusammenzwirnen. Es wird, da bin ich sicher, ein toller Faden werden und ich habe auch schon einen Plan, was ich damit mache - wenn nur der Faden dick genug ist.




Prd!

Fertig ist nun auch das Tuch mit den vielen Namen! Hier habe ich bereits erklärt, dass und warum dieses Tuch "Prd" heißen sollte - aber weil "Prd" nun mal auf kroatisch Furz heißt, nenne ich das Tuch nun doch anders. Auf Ravelry habe ich es zeitweise "Fliesenlegen" getauft. Nun heißt es "sea journey", weil ich es nämlich auf einer Schiffsreise beendet habe. Und Gott sei Dank war es Entrelac! Ich habe es nämlich fertiggebracht, auf dem Schiff eine der Knotpicks-Nadeln abzubrechen. Da für Entrelac eine lange und eine kurze Nadel ausreichen, konnte ich trotzdem zu Ende stricken.


Design: Jane Araujo

Ich bin stolz auf dieses Teil, es erregt Aufsehen - jedenfalls bei Ravelry und in der Familie. (Bisher habe ich es kaum getragen, zu heiß hier ...) Danke an die Designerin Jane Araujo, die die Vorlage unter dem Namen Dianna kostenlos bei Ravelry anbietet. Ich habe mir das Design gleich, als ich bei Ravelry Mitglied wurde, in die Warteschlange gelegt, aber bisher nie gestrickt. Nun, da ich die Wolle hier herumliegen hatte - Jawoll Magic Dégradé, eigentlich für ein anderes Projekt gedacht, dass ich dann doch nicht gestrickt habe - war es an der Zeit, endlich mal Entrelac zu lernen.
Übrigens habe ich Jane Araujos Anleitung am Schluss etwas abgewandelt. Sie sieht nämlich, wenn ich das richtig verstanden habe, vor, dass die abschließenden Dreiecke an der Oberkante (das Tuch wird an der Spitze begonnen und von unten nach oben gestrickt) glatt rechts gestrickt werden sollen. Bei mir sah das nicht gut aus, die Dreiecke rollen sich ein, wie Glatt-Rechts-Gestrick das immer tut. Ich habe die Dreiecke deshalb im Perlmuster gestrickt.
Vielleicht stricke ich das Design noch einmal in Form eines Tops.

Sonntag, 30. Juni 2013

Die Landschaft in der Lochkarte, xter Teil

Immer wieder, wenn ich ein Muster nach Iris Bishop gestrickt habe, frage ich mich, warum ich das nicht jeden Tag mache. Ein gutes Händchen bei der Farbwahl ist natürlich kein Hindernis - und da muss ich mir auf die Schulter klopfen, hier habe ich den richtigen Griff getan.



... und ein Tragefoto gibts auch:



Ist zwar kein besonders gutes Foto und ich bin kein gutes Model (was die Untertreibung des Jahres sein dürfte), aber die Jacke ist wirklich genauso geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe, und hat eine wunderschöne Farbskala. Abgesehen von dem Umstand, dass ich mit all meinen Mäkeln drinstecke, ist an der Jacke wirklich nichts auszusetzen.
Bis auf die Kleinigkeit, Notiz an mich: Seit ich Einstrickmuster mit Lochkarte aus Sockenwolle stricke, nehme ich grundsätzlich immer die höchste Maschenweite, ohne vorherige Proben. In diesem Fall war das wohl nicht die allerbeste Wahl. Ein oder zwei Punkte weniger hätten vielleicht ein schöneres Maschenbild ergeben; jedenfalls hätte ich mir die Mühe machen sollen. Beim nächsten Mal wird sorgfältiger geprüft.

Ich habe drei verschiedene Sockenwollen verwendet: Für den grauen Untergrund und für die roten Blüten und Blenden Regia Handdyed Effect nach Kaffe Fassett und für die Paisley-Motive und das "Laub" Lang Yarns Jawoll Magic. Letztere ist von der Textur her angenehmer zu stricken; die Regia Handdyed Effect hat die schöneren und satteren Farben, aber auch diesen blöden Trägerfaden, der mir schon bei der Regia Lace aufgestoßen ist. Den Trägerfaden gibt es wohl nur in Schwarz und Weiß - die graue Wolle hat den weißen, die rote Wolle den schwarzen Trägerfaden - und er ist etwas steifer als der Wollstrang und führt gern ein Eigenleben, mit anderen Worten, das Garn teilt sich gern. Ich würde diese Wolle nie im Leben zum Sockenstricken verwenden und wahrscheinlich auch nicht für Handschuhe. Aber in einem Strickteil wie dieser Jacke macht sie sich wegen der wunderschönen Farbverläufe gut.

Nun noch ein Nachtrag, hier kommt meine letzte selbstgesponnene Wolle, ein Leinen-Seiden-Wollgemisch von Regina, gefärbt mit Krapp und Rotholz, auch auf der Maschine verstrickt:



In den dunklen Streifen ist ebenfalls selbstgesponnene Wolle mit Seidenbeimischung verarbeitet. Die glatten Teile sind maschinengestrickt, die dunklen Streifen (es sind Fallmaschenstreifen) von Hand. Es macht zwar etwas Arbeit, das Strickteil jeweils abzunehmen und wieder anzuhängen, aber trotzdem ging das Ganze erheblich flotter, als wenn ich es komplett von Hand gestrickt hätte.
Ich bin nicht ganz zufrieden; die Tunika ist etwas zu weit. Wegen meines Altweiberbauchs tendiere ich automatisch immer wieder zur Sackform, obwohl mir das letztlich gar nicht besonders schmeichelt, weil ich einen im Vergleich zur Beinlänge eher kurzen Rumpf habe. Am besten, stelle ich immer wieder fest, steht mir eine angedeutete Empireform und eine Länge, die den Hosenreißverschluss noch sehen lässt. Aber da ich die Tunika so tragen möchte wie auf dem Foto, nämlich über sehr langen Blusen, ist die Länge noch in Ordnung.

Dienstag, 11. Juni 2013

Glück im Unglück

Gerade als ich mit den Abnahmen für die Armlöcher begonnen hatte, fiel mir - wohl wegen eines Einfädelfehlers - der ganze Rumpf von der Maschine.

Aber das hat zweifellos sein Gutes. Denn erstens sehe ich jetzt, da ich das Gestrick von vorne angucken kann, einen Designfehler, über den ich mich später mächtig geärgert hätte. Ich muss vor dem Paisley-Musterabschnitt eine durchgehende Reihe Rot stricken, sonst sieht es nix aus.



Und da ist auch eine Masche gefallen. Das wäre nun keine so große Sache gewesen, ich hätte es einfach unsichtbar vernäht. Aber so kommt die "Leiter" jetzt mit weg.



Auf ein Neues.

Das ist übrigens ein Design von Iris Bishop. Ich habe drei Lochkarten gestanzt.

Montag, 10. Juni 2013

Meine Schwedin

Kleine Wunder gibt es immer wieder mal. Ein solches ist mir passiert, und ich bin einfach nur selig darüber.

Anfang Juni waren mein Mann und ich einige Tage - von Mittwoch bis Sonntag - mit dem Wohnmobil in Schweden. Wir sind an der Westküste hochgefahren bis zu dem Fischerstädtchen Smögen. Es waren wunderschöne Tage, vor allem weil wir einmalig schönes Wetter hatten, viel Sonne und wunderbar milde Nächte.
Bei einem Spaziergang durch Smögen sind wir nun an einem Trödelladen vorbeigekommen, der zwar geschlossen war, aber rundherum auf der Außentreppe und unter der Dachtraufe stand alles voll Krempel. Und daraus habe ich ein Spinnrad hervorgezogen, eine Ziege, mit Blumen bemalt und mit der Jahreszahl 1954.
Ich hätte nicht gerade jeden beliebigen Preis dafür bezahlt, aber wissen wollte ich den Preis doch ganz gern. Nur war die Inhaberin nicht da. Ich habe in dem Laden gegenüber gefragt, und nach einigem Hin und Her konnte ich die Ladenbesitzerin irgendwo in der Nähe ausmachen. Ich sprach sie einfach an. Sie verkaufte mir das Rad für umgerechnet 17 Euro auf der Kreuzung und meinte noch, es passe zu mir!
Viel Hoffnung, es zum Laufen zu bringen, hatte ich nicht. Immerhin ließ sich das Pedal treten. Im Prinzip kaufte ich das Rad zur Deko - obwohl ich wirklich keinen Dekokram brauche, aber das Rad war gar zu hübsch.



Es ist, gut im Wohnmobil festgeschnallt, mit uns heimgereist. Zu Hause habe ich es erst mal abgestaubt und mit die Mechanik gründlich angesehen. Der Spinnflügel war so gut wie unbeweglich. Ich hatte den Eindruck, dass er, statt in Lagern zu liegen, irgendwie mit unfachmännisch eingesetzten Holzkeilen befestigt war.



Ich war ein wenig im Zweifel, ob sich da überhaupt was machen ließe, zumal ich diese Holzkeile weder mit Zange noch mit roher Kraft herausziehen konnte. Aber ich streckte schon mal rundum die Fühler aus und hatte, dank der Hilfe einer Schreibfreundin, schon die Telefonnummer eines alten Drechslers, der sich für den Fall interessierte.

Heute nun hatte ich Gelegenheit, mich kurz mit Shorty aus dem Spinnforum auszutauschen, die ein ähnliches Rad besitzt. Nach ihrer Meinung waren die Dinger, die ich als unfachmännisch eingesetzte Holzkeile angesehen hatte, die regulären Lederlager! Vermutlich, meinte sie, total vertrocknet und deshalb so unbeweglich. Ich fasste noch mal neuen Mut und rückte dem Rad mit reichlich Fett und Beißzange zu Leibe. Vor allem schaffte ich es endlich, die ganze Flügeleinheit samt Lagern vom Rad zu trennen. Der Rest war eine Sache von Geduld und Spucke. Ich baute alles auseinander, bekam auch endlich die Lager heraus, putzte, fettete ein und baute wieder zusammen. Antriebsschnur drauf und hier und da noch ein wenig nachgezogen. Und dann kam der große Moment. Das Rad spinnt!

Und nicht nur das, es spinnt gut! Kein Knarzen und kein Klackern. Ein wenig muss man noch aufpassen, dass das Schwungrad nicht rückwärts läuft, aber das ist Übungssache. Es spinnt! Ich kann schon bald die erste Spule präsentieren!

Und hier mein Reisegestricksel, das ich für Fahrten im Wohnmobil dringend brauche. Nebenbei mein achtes Projekt in der "13 aus 13"-Gruppe. Stulpen mit dem Mistletoe-Muster aus der deutschen Knitter-Ausgabe. Ursprünglich eigentlich für Socken gedacht, aber ich hatte schon lange vor, das Muster für Stulpen oder Handschuhe einzusetzen.
Ich werde schnell kalt an den Armen, vor allem wenn die Klimaanlage läuft. Die Stulpen haben mir in Schweden schon gute Dienste geleistet.


Design: Jon Dunn-Ballam

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