Donnerstag, 23. August 2007

Fleißig im Urlaub ...



Mein Urlaubs-Strickprojekt war das Capelet aus "Victorian Lace Today" auf Seite 112. Dort ist es in Weiß gestrickt. Mir ist es nicht gegeben, so lieblich auszusehen; ich habe Uruwolle in der Farbe Perla Roja genommen und, um der Maschenprobe gerecht zu werden, diesmal die Nadelstärke 4,5. Das "Cape Center" habe ich auch tatsächlich in Frankreich komplett gestrickt, aber dann hatte ich für die Randborte nicht die passende Nadel dabei, deshalb wurde das schicke Teilchen im Urlaub nicht fertig. Aber nun kann es sich nur noch um wenige Tage handeln. Ich bin mächtig gespannt auf den Sitz. Das Capelet müsste geblockt eine Kreisform ergeben. Wenn ich es mir probeweise um die Schulter drapiere, sieht es schon ganz vernünftig aus.



In Emis letztem Spinnpäckchen war u.a. dieser Abschnitt Uru-Roving in der Farbe Magnolia, um die 80 Gramm. Das sollte nun mein erstes einfädig verstrickbares Garn werden. Ich hatte mir so schön ausgerechnet, dass ich es vor dem Urlaub schnell spinnen könnte und dann nach dem Urlaub abhaspeln.
Tja, ganz so wie gedacht wurde es dann doch nicht, es hat eine astronomische Lauflänge von über 800 Metern, umgerechnet auf 100 Gramm über 900 Meter. Und gerissen ist es auch beim Abhaspeln - vier Mal! Trotzdem werde ich probieren, es einfädig zu stricken. Ich übe ja noch. Wenn es nicht klappt, habe ich jedenfalls wieder was zugelernt. Und wenn doch, dann werde ich einen schönen kleinen Schal machen - ohne Randborte, damit der Farbverlauf schön herauskommt, nach einer Vorlage von Eugene Beugler.
Ich nenne das Garn "Tannhäuser". Einen großen Teil habe ich nämlich gesponnen, während ich mir eine Aufzeichnung von den Opernfestspielen in Salzburg anschaute - na ja, ich bin keine große Wagner-Liebhaberin, aber es war doch schön.



Hier das versprochene Bild von der französischen Spinnwolle. Gekauft in einer Filaterie in Niaux für neun Euro fünfzig. Es ist etwas über ein Pfund. Mehr passte leider nicht in den Koffer, sonst hätte ich bestimmt ein Kilo genommen. Mit meinem armseligen Französisch war ich nahe dran, den Inhaber der Filaterie nach dem "nom de mouton" zu fragen. Was er dann wohl geantwortet hätte? Jeanette, Pascal, Ugolin, Clementine? Gott sei Dank fiel mir noch rechtzeitig das Wort "race" ein. Das Schaf nennt sich "mouton tarasconais". Tarascon ist ja in der Literatur bekannt durch sein Untier und den tapferen Tartarin.



Apropos Untier: Das ist ein Mitbringsel aus dem Wald Brocéliande in der Bretagne, wo der Ritter Lancelot aufwuchs und der sagenhafte Merlin begraben liegt. Ich habe Merlins Grab besucht. Es war mit Zettelchen vielfach geschmückt, auf denen zum Beispiel zu lesen stand: "Lieber Merlin! Bitte mach, dass ich 14.000 Euro im Lotto gewinne. Es geht um Leben und Tod. Danke!"
Hoffen wir, dass der Wunsch in Erfüllung ging. Ich habe mir für zwei Euro dieses Spinnmaskottchen gegönnt, das eine Portion Magie aus Brocéliande mitbringt und deshalb Célie heißt.

Und nun heißt es ranklotzen, denn 1. ist das Capelet fertigzustellen, 2. ist die Regenbogenjacke auch noch nicht fertig, 3. ist die grüne Jacke aus meiner allerersten selbstgesponnenen Wolle auch noch nicht fertig, 3. möchte ich das Tannhäusergarn verstricken, 4. liegt da das Untier aus Tarascon und 5. noch eine Menge anderer Spinnwolle. Und so weiter und so fort, ich könnte bis 50. weitermachen. Kennt man ja. Geht ja allen so, die spinnen und / oder stricken.

Dienstag, 21. August 2007

Der Schmollfisch war im Seidenmuseum

und hat nebenan ein paar Eindrücke geschildert und bebildert.

Hier:
Le musée de la soie à St Hippolyte du Fort

Sonntag, 19. August 2007

Seit heute früh um fünf

bin ich zurück.
Ich habe ein gutes Pfund Spinnwolle mitgebracht - in einer kleinen Wollkämmerei in Niaux erstanden. Der Besitzer war sehr angetan von meinen Uruwoll-Tüchern, die ich ihm zeigte (ich hatte zufällig zwei im Kofferraum, für alle Fälle). Er hat mir ein Stück Vlies vom "mouton tarasconais" überlassen. Mehr passte leider nicht in meinen Koffer.
Auch dieses Pfund Vlies habe ich so zusammenquetschen müssen, dass es ziemlich müffelt. Aber der Griff ist schon mal vielversprechend: weich und flauschig. Es liegt jetzt zum Lüften auf der Terrassenbank.
Demnächst mehr!

Montag, 30. Juli 2007

Ich nehme schon mal meinen Abschied ...

... in Urlaub, übermorgen geht es los.
Da ich die Regenbogenwolle inzwischen nicht mehr sehen kann, habe ich in den letzten Tagen einen Kammzug aus Emis Spinnpaket auf die Delfina genommen. Uru-Roving, Farbe "Magnolia", in den Farben Oliv, Dunkelgrün, Hellgrün und Aubergine, Pink, Rosa. Mein Hintergedanke ist, dass sich das Gesponnene in den nächsten drei Wochen auf der Spule gründlich ausruhen kann, so dass ich es im September dann als Single-Garn verstricken könnte. Das wären für mich schon die höheren Spinnweihen.
Man wird sehen, ob es geht.
Auf jeden Fall spinnt sich die Faser wie geschmiert, es sind (nach zwei Abenden mit Opern-Videos, meine jüngere Tochter steht neuerdings auf Opern) nur noch ein paar Zentimeter übrig. Den Farbverlauf habe ich vom Kammzug 1:1 ins Garn übertragen. Das sollte ein feines Strickstück werden, sofern der Faden nicht reißt.
In der letzten Augustwoche melde ich mich wieder; mein Strickprojekt für den Urlaub wird das Capelet aus "Victorian Lace Today"in Uruwolle Perla Roja.
Bis bald!

Sonntag, 22. Juli 2007

Frost Flowers And Leaves

Da haben wir's. Gestern gegen Mitternacht habe ich das fertige Stück aufgenadelt. Groß daran gezogen habe ich nicht, um die Plastizität des Musters zu erhalten. Trotzdem ist das Tuch groß: Die lange Kante ist 220 cm lang, die Höhe beträgt 110 cm. Das "edging" ist mustergemäß sehr locker, obwohl ich dort schon eine kleinere Nadel eingesetzt habe als angegeben. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich das Tuch auch pfeilspitzenförmig aufnadeln können. Aber im Tragen wird sich zeigen, welche Form es letztlich annimmt.


Design: Eugen Beugler

Wer die Vorlage des Designers Eugen Beugler aus "A Gathering Of Lace" kennt, weiß, dass diese Stola eigentlich viereckig in Runden gestrickt werden soll. Mit dem Tuch, das ich jetzt gestrickt habe, wäre das gar nicht möglich gewesen; das Muster ist zu plastisch und zu knuffig. Vermutlich hätte ich eine größere Nadel nehmen müssen, denn auch meine Maschenprobe ist kleiner als vorgesehen. Aber ich wollte ohnehin nur ein dreieckiges Tuch. Das hat das Stricken ziemlich erschwert, weil ich hin- und hergehend strickte und folglich das Muster, das in jeder Reihe zu lochen ist, in den Rückreihen spiegelverkehrt umdenken musste. Aber nachdem ich in Schwung war, ging das viel einfacher als vermutet.
Eugen Beugler sieht, wenn ich richtig gelesen habe, eine Höhe von 8 Mustersätzen vor. Ich habe 10 gestrickt.



An Uruwolle habe ich GENAU 200 Gramm verbraucht. Das heißt, FAST genau. Ich habe ein Bällchen Wolle von erklecklichen 5 Gramm Gewicht über, das so groß ist wie ein Tischtennisball. Übrigens dachte ich bis zur Hälfte des Edging, dass es tatsächlich nicht reicht, und habe schon die gute Emi narrisch gemacht mit aufgeregten Mails, dass sie nachbestellen solle. Sorry Emi :-)

Der Rest



Am Rande - für alle, die mit Uruwolle stricken wollen: Mein Verbrauch von 200 Gramm für ein Tuch dieser Größe ist eher überdurchschnittlich hoch. Das hängt, wie gesagt, mit der Plastizität des Musters zusammen, das viel Wolle frisst. Normal reichen 120 bis 150 Gramm aus und auch ein einziger 100-Gramm-Strang gibt schon einen schönen Schal. Ich erwähne das, weil hier immer wieder Besucher mit dem Suchwort Uruwolle herkommen.

Dieses Tuch ist mein siebtes oder achtes aus Uruwolle - genau weiß ich das nicht, weil ich mehrere verschenkt habe - und, was das Stricken angeht, das bisher aufregendste. Vor allem dieses zugleich filigrane und "wolkige" Muster hat mich ungemein stimuliert. Ich neige nicht zu melodramatischen Gesten beim Stricken, aber im Endstadium habe ich mir ein paar Mal das Ganze mitsamt den Nadeln um den Hals gelegt und bin minutenlang richtig darin versunken. Eunny Jang hat dieses Tuch im Original (also viereckig) nachgestrickt und bemerkt in ihrem Weblog: "... wearing this shawl is like standing in a deep, still pool of color with mysterious activity under the surface." Sie hat wohl ein glatteres Garn verwendet als ich bzw. lockerer gestrickt; mir kam es immer so vor, als lege sich eine lockere, weiche Schutzschicht um mich, die zugleich wärmend und erfrischend wirkt - wie eine Wolke aus weicher Wolle.

Nachtrag

Was ich auch noch nachholen wollte: Hier ist endlich ein anständiges Bild vom Peacock Feathers Shawl.


Design: Dorothy Siemens / Fiddlesticks Knitting

Und nebenher ...
Abgesehen vom Anfang und vom Schluss konnte ich während des Strickens ganz gut lesen - irgendwie ging mir das Muster ins Bewegungsgedächtnis. Gelesen habe ich "Der Fall Maurizius" von Jakob Wassermann (zum zweiten Mal), außerdem Maupassant, Frank Norris und einen Krimi von Ruth Rendell. Außerdem habe ich versucht, mir ein Hörbuch anzutun, aber das war irgendwie nicht das Gelbe vom Ei. Vielleicht mache ich beim Spinnen noch einmal einen Anlauf mit dem Hörbuch. Denn nun will ich ENDLICH wieder spinnen!!! Tagelang habe ich um die Delfina einen Bogen geschlagen, obwohl hier das allerschönste Spinnfutter liegt. Der Grund: Ich habe so viel zu tun (wie unten bereits berichtet), dass ich eisern beschlossen habe, wenigstens beim Stricken vom Multi-tasking abzugehen und eins nach dem anderen fertigzustellen. Das Eisblumentuch, das ich in den Urlaub mitnehmen will, war die Nummer eins; als Nummer zwei wird die Regenbogenjacke folgen und danach die grüne Jacke aus Selbstgesponnenem für meine Tochter - und dann sehen wir weiter. Genäht habe ich auch zwischendurch: Hose, Rock, Top für den bevorstehenden Urlaub.

Freitag, 20. Juli 2007

Für meine Tochter ...

... die 130 km entfernt im Studiheim weilt, dieses Wochenende nicht nach Hause kommen kann und gerne mein Eisblumentuch sehen möchte.

Bilder Upload

Es ist noch ein Stück vom Edging zu stricken. Mittlerweile bin ich ziemlich sicher, dass das Garn reichen wird, nachdem ich gestern mit hysterischen Mails noch die liebe Emi ins Rotieren gebracht habe. Entwarnung, Emi, Du brauchst nicht Richtung Montevideo nach Nachschub zu rufen!
Das Stück wird prächtig - das ist schon zu sehen. Ich werde beim Blocken nur leicht anspannen, damit das Muster plastisch bleibt.

Mittwoch, 18. Juli 2007

!!!



Das muss sofort ins Blog.
Wird man mir glauben, wenn ich behaupte, dass ich beim Öffnen des Umschlags eine Gänsehaut bekam? Echt wahr! Meine Tochter kann's bezeugen.
Kammzug aus Blue Faced Leicester-Wolle, extra weich, von Hand gefärbt in brillanten Luvotex-Farben - das Foto kann da nur eine schwache Vorstellung geben. Emi heißt die Künstlerin und Woll-Lieferantin meines Vertrauens.
An die Verarbeitung werde ich erst gehen, wenn ich ein stabiles Singlegarn spinnen kann. Hoffentlich bin ich dem Anspruch gewachsen, den so prachtvolles Material stellt ...

Vielen Dank an alle,

die mir ihren Zuspruch übermittelt haben ... das war sehr lieb ...

Und nun ein Zwischenstand vom Eisblumentuch, ehe ich es abschließe: Die derzeitige Fasson, die eigentlich gar keine ist, verdient festgehalten zu werden. EIn Klumpen aus ca. 160 Gramm eisblauer Uruwolle. Über 800 Maschen sind auf der Rundnadel, 6 Reihen sind noch zu stricken und dann das "edging".



Da man auf diesem Bild sowieso weiter nichts erkennen kann, verzichte ich auf Details. Die folgen später, wenn ich das fertige Teil zeigen kann. Mit etwas Glück in den nächsten Tagen.
Übrigens habe ich noch eine weitere tolle Eigenschaft dieser herrlichen Wolle entdeckt: Trotz der extremen Hitze der letzten Tage konnte ich weiterstricken, ohne schweißige Hände zu kriegen! Die Wolle fühlt sich immer "trocken" an und müffelt nicht. Ich glaube langsam, ich habe einen richtigen Klaps weg mit dieser Uruwolle, es gibt einfach nichts Besseres.

Noch ein paar Dachbodenfunde:

Ein sehr kleidsames Capelet, gedacht wahrscheinlich für ein Kind. Gestrickt aus dunkelgrüner Boucléwolle und mit schwarzem Glanzgarn verziert. Keine Ahnung, ob man das waschen kann, ich versuche es demnächst einfach mal. Schlimmstenfalls wird's ein noch größerer Filz als es jetzt schon ist.



Zwei alte Wollstickereien, vermutlich von meiner Mutter. Die Kantenverarbeitung ist nicht so ganz mein Geschmack, aber das hat man vermutlich damals halt so gemacht. Ich glaube, die beiden Deckchen freuen sich, wieder mal aufgelegt zu werden. Verdient haben sie es bestimmt.



Samstag, 14. Juli 2007

Dachbodenfund

Wie schon im Schmollfischblog berichtet, kommt der Schmollfisch leider kaum noch zum Bloggen: Wir räumen gerade in aller Eile das Haus meiner verstorbenen Eltern aus. Viel Arbeit und weiß Gott eine recht traurige. Manchmal passiert dabei aber auch etwas, was Laune macht. Beim Zerlegen eines uralten massiven Kleiderschranks, der auf dem Speicher stand, fand ich vier Nachthemden, die schon Generationen alt sein müssen. Alle vier sind unterschiedlich mit feinster Filethäkelei verziert.
Das apricotfarbene passt mir ganz genau. Ich habe sogar einen Moment überlegt, ob ich es als langes Sommerkleid tragen könnte; es endet kurz über den Knöcheln. Aber nun habe ich mich doch entschieden, es abzuschneiden und als Top zu tragen. Die superfeine Häkelarbeit an Ausschnitt und Schultern ist einfach wunderschön. Ich habe selbst schon Häkelarbeiten mit Garn der Stärke 30 und Nadel Nr. 1,75 gemacht; für diese Arbeit muss die Nadel noch dünner gewesen sein.



Die anderen drei Hemden sind hellblau und wesentlich weiter. Zwei davon sind in der Taille gerafft. Die zu tragbaren Blusen oder Tops zu machen, wird nicht so einfach. Aber eines hat den gleichen geraden Schnitt wie das rosa Hemd oben. Ich muss es ein wenig enger machen, aber da bei diesem Hemd die Häkelei auf den Ausschnitt beschränkt ist, kann das kein großes Problem sein.



Für unsere heutige Zeit wäre es kaum vorstellbar, dass an schlichte Nachtwäsche solch aufwendige handgemachte Verzierungen gefügt werden ... Ich höre immer wieder, dass wir nie zuvor so viel Freizeit hatten wie jetzt - trotzdem scheint die Zeit, mit der wir wirklich etwas anfangen können, immer weniger zu werden. Wobei die Ansichten darüber, was "etwas mit der Zeit anfangen" heißt, wohl auch ziemlich auseinandergehen ... Hier gehört jedenfalls ein Augenroll-Smilie hin ...

Die Räumarbeit wird noch mehrere Wochen dauern, deshalb kann ich zur Zeit nicht so fleißig bloggen. Einmal aus Zeitmangel (noch ein Augenroll-Smilie), vor allem aber auch deshalb, weil die Arbeit sehr ans Gemüt geht.
Immerhin scheint heute die Sonne. Das ist schon viel wert in diesen Zeiten.

Wohnsitze





annarinnschad [at] gmx [dot] de

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