Sonntag, 22. Juni 2008

Spindelfieber

Angeblich soll man ja, bevor man ans Spinnrad geht, erst mal spindeln. Um Auszug und Drall zu üben. Bei mir ist's umgekehrt gelaufen: Ich begann am Spinnrad, bevor ich je eine Handspindel in der Hand gehabt hatte. Eigentlich wollte ich auch gar nicht spindeln. Nur eine von den Eigenbau-Spindeln von TrashQueen aus dem Spinnforum wollte ich unbedingt. Mehr so als Deko fürs Wohnzimmer.
Nun hat mir TrashQueen diese wunderschöne Fallspindel geschickt.



Und zwar in zerlegtem Zustand, weil ich Banause bis zuletzt nicht wusste, ob ich eine Kopf- oder eine Fußspindel haben wollte. Da Fußspindeln angeblich für Anfänger leichter zu händeln sind, setzte ich mir das Ganze erst mal mit der Spinnwirtel abwärts zusammen. Ich versuchte auch zu spindeln, mit sehr mäßigem Erfolg ...
Aber dann hat meine Tochter mit mir geschimpft - man sieht die Schäfchen ja gar nicht richtig! Entweder zeigten sie nach unten oder wurden durch die aufgewickelte Wolle nach und nach verdeckt. Nicht dass es viel Wolle aufzuwickeln gegeben hätte. Ich wollte ja eigentlich auch gar nicht spindeln, nur mal so ungefähr wissen, wie es geht ...
Für die Optik steckte ich dann also die Spinnwirtel nach oben und schraubte das Häkchen rein, so wie es im Bild zu sehen ist. Und siehe da, auf einmal spindelte das Teil super. Wenn ich gut drauf bin, kann ich mit einer einzigen Drehung die Spindel aus dem Stand auf den Boden sinken lassen. Und ich spinne richtig blasiges, fluffiges, lebendiges Garn. Es geht nicht schnell, aber man spinnt ja nicht, damit es schnell geht; wer schnelles Garn will, geht zu Rödel. Ich will einen sichtbar handgemachten, lebendigen wilden Faden. Und das, was entstanden ist, nenne ich "Wildes Schaf".



Ich kann auch schon dünn und gleichmäßig spindeln, aber die Unregelmäßigkeiten sind Absicht! Es soll eine Mütze werden, für größere Projekte taugt die Handspindelei ohnehin nichts, man bräuchte Ewigkeiten, aber für Mützen und Stulpen ist es eine tolle Methode. Ich habe ein fertig kardiertes Wollvlies von Astrids Schaf Joan benutzt, das noch ungefärbt war; zusammen mit ein paar Fusseln von den Vogelsberger Alpakas - aus den Riesensäcken, die unsere Spinngruppe geschenkt bekommen hat. (Das wird auch noch was geben mit der Alpaka ... ich berichte demnächst!)

Aber zurück zur Spindel: TrashQueen hat die Teile für ihre Spindel für ein paar Groschen im Baumarkt erstanden. Klar, dass ich stehenden Fußes zu Obi stiefelte, um mich nach einem entsprechenden Kit umzusehen. Leider konnte man mir dort nicht wirklich weiterhelfen. Im Bastelladen konnte ich immerhin anschließend folgendes zusammenstoppeln:



Wirklich gut ist diese Spindel nicht. Sie lässt sich zwar super in der Tasche verstauen, aber sie dreht nicht lange genug nach. Ein wenig habe ich darauf gesponnen, es geht auch, aber rein spinntechnisch kein Vergleich mit TrashQueens Schäfchen. Die schneckige Bemalung durch meine Tochter ist allerdings der Hit. Übrigens sind solche Bemalungen kein reiner Selbstzweck. Sie helfen vielmehr dabei, die Richtung einzuhalten. Ich spindele immer in die Richtung, in die die Schnecke kriecht bzw. TrashQueens Schäfchen springen.

Wer aus alledem nun schließt, dass mich der Spindelvirus erwischt hat, der liegt völlig richtig :-) . Meine Spinnräder haben Pause und ich drehe bei jeder Gelegenheit die Spindel. Es geht zwar nicht wirklich gut voran, aber die produzierten Garne sind herrlich kreativ und ich muss ja auch eigentlich nicht so richtig spinnen, da ich einen ganzen Stash zusammengesponnen habe, der erst mal verstrickt sein will. Bis dahin genieße ich das mobile Spinnen - für einen Unruhgeist wie mich ist es ein Genuss, beim Spinnen hin- und hergehen zu können. Zwei weitere Spindeln habe ich schon geordert, erst mal bei Jürgen Schönwolff, dem Wissenschaftler unter den Spinnerten. Bin gespannt, wie ich damit zurechtkomme.

Freitag, 6. Juni 2008

Von der Frau, die keine Tücher mehr stricken wollte

Seit Tagen steht Wollwäsche an. Das Vlies Leine-Schaf, das ich im Januar von meinem Autorenfreund Nikolaus bekommen habe, ist komplett gewaschen und zum Teil auch schon kardiert. Und die Wolle hat tatsächlich den feinen rosigen Ton, der mir in der Beschreibung des Leineschafs im Internet versprochen wurde. Diese Wolle werde ich färben, und zwar mit Luvotex, das mir Emi diese Woche geschickt hat.

Trommelwirbel:



Das habe ich letzte Woche GESCHENKT bekommen, und zwar von der Kollegin einer Freundin, die das Spinnen aufgegeben hat. Es ist feinstes, weiches Babykamel, offenbar gewaschen (es sieht sauber aus) und fast ein ganzes Kilo! Und die Dame wollte nichts dafür haben! Obendrein bekam ich noch einen Sack dunkelbraune Schafwolle, ebenfalls gewaschen - von welcher Art Schaf, konnte ich nicht feststellen, möglicherweise Rhönschaf. Und obendrauf legte mir die nette Dame noch ihre Handspindel, die sie auch nicht mehr braucht.



Unglaublich. Ich war völlig platt über so viel Glück. Nun häuft sich bei mir der Wollvorrat aber derart, dass nichts mehr geht, zumal ich in ein bis zwei Wochen noch drei Kilo "buntes Schaf" erwarte. All das will ja gewaschen, kardiert, gefärbt und versponnen werden. Schweigen wir davon, dass mich die Wäscheberge, die staubigen Fenster und der verkrautete Garten hilfesuchend angucken ...


Und nun das Neueste von der Frau, die keine Lust mehr auf Tücher hat:

Darf ich vorstellen ... Zephyr:


Design: Myrna Stahman

Mein erstes Faroese-Tuch, und ich bin begeistert von dem Tragekomfort. Faroese-Tücher haben eine deutlich herausgestrickte Schulterlinie, die sich etwa so trägt wie eine geschrägte Schulter bei Jacken. Daher übrigens auch die merkwürdig geschweifte Form in den Schemazeichnungen, die ich mir bisher nie so richtig erklären konnte. Die Schulterlinie im Detail:



Gestrickt aus ca. 160 Gramm Blue Faced Leicester, im Kammzug handgefärbt von der lieben Emi. Farblich entspräche das Tuch genau meinen beiden Clematissträuchern vor dem Haus - bis auf das Gelb; man müsste sich also einen Löwenzahn zu Füßen der Clematis denken. Und da mir das zu umständlich ist, nenne ich das Tuch nicht "Clematis und Löwenzahn", sondern nach dem lieben Frühlingswind "Zephyr".
Während des Strickens habe ich mindestens drei Krimis gelesen und einen vierten mit der Randborte begonnen. Dieser vierte ist bemerkenswert, auch (aber nicht nur) weil ich Autor und Verleger persönlich kenne. Näheres dazu im Schmollfischblog, über den Button links (den mit dem Fisch) zu erreichen.
Sollte jemand tatsächlich bis hierher gelesen haben, so darf er oder vielmehr wahrscheinlich sie sich noch mein Mitbringsel vom Lago Maggiore angucken:



Gekauft habe ich das in einem kleinen Antiquitätenladen in der Nähe von Lugano. Eigentlich sind es Hutnadeln oder Nadeln zum Feststecken des Dutts, so man einen hat. Ich stecke damit meine Tücher zusammen und klemme eine Perle ans hintere Ende. Einstweilen eine blaue Holzperle, vielleicht findet sich bei Gelegenheit auch was Passenderes.

Morgen ist Spinntreff!

Mittwoch, 7. Mai 2008

Viel Spreu mit etwas Wolle drumrum

Das letzte Wochenende stand komplett im Spinnzeichen, falls es so was gibt ... Nach dem wunderschönen Spinntreff auf meiner Terrasse - acht Räder waren in Betrieb - stand letzten Sonntag ein Besuch beim Schäfer in Nidda an. Ein Vlies schwarze Merino war vereinbart ... Wir brauchten eine Weile, das richtige Kuhdorf oder vielmehr Schafdorf zu finden; eine entscheidende Hilfe war eine große Schafherde, die hinter Gedern "nackig" an der Straße stand. Geschorene Schafe, das musste richtig sein! Ich lehnte mich aus dem Fenster und fragte den Schäfer, ob er zufällig mit mir verabredet sei. Ganz richtig war es dann nicht, denn der Schäfer war nicht mein Schäfer, sondern ein Verwandter, aber die Schafe waren jedenfalls meine Schafe und irgendwo dazwischen stand bestimmt auch mein schwarzes Merino. Genaues ließ sich nicht feststellen, denn über all dem Mäh und Böh kam ich kaum zu Wort. Am Hof angekommen wurde mir jedenfalls mein Vlies ausgehändigt und die Dame, die es mir gab - ich glaube, es war die Mutter des Schäfers -, freute sich, dass wahrhaftig jemand mit der Wolle spinnen will.



Na ja - mit der Freude an der Wolle ging es erst mal rapide bergab, als ich die Tüte auspackte. Die Wolle war farblich schön und (soweit ich das beurteilen kann) nicht übermäßig fettig und verdreckt, aber dafür eingefüttert bis zum Gehtnichtmehr! Die erste Hälfte war so schön gleichmäßig mit Spreu durchsetzt, dass ich schon fürchtete, ich muss alles wegwerfen.
Die gewaschene Wolle:



Natürlich kam beim Kardieren noch einiges an Dreck raus, aber die kardierten Vliese sahen immer noch mehr nach Heuboden aus als nach kuschelweichem Pullover. Aber ehe frau sich beschwert, setzt sie sich hin und spinnt. Und dann kam die Erleichterung: Der ganze Dreck verabschiedete sich beim Spinnen. Was sich an meinen Hosenbeinen und zwischen den Füßen der Delfina ansammelte, spottet jeder Beschreibung, aber der Faden ist sauber, schön und superweich.



Das habe ich mit ein wenig übrig gebliebener Wolle von Astrids Schaf Joan, gefärbt mit Rote-Bete-Saft, gemischt und mit einem roten Wollfaden von der Kone gezwirnt. Der Faden ist schön weich. Es wird also. Die Lauflänge liegt bei ca. 330 Meter pro 100 Gramm ... wenn ich den Faden mit sich selbst zwirne, wird er sicher zu dick. Aber ich werde es trotzdem ausprobieren. Material ist ja genug da, das halbe schwarze Merino liegt noch in einem Kissenbezug auf dem Balkon.

Und hier zwischen all der Rohwolle noch was Anspruchsvolles, nämlich ein Lacegarn aus gefärbtem Kammzug von der Wollwaschfee. Meine Geburtstagswolle von meinen Töchtern. Es ist immer noch ein Rest Kammzug da, wie man sieht, aber auf die Spule ging absolut nix mehr. Der Strang wiegt 180 Gramm und bringt es auf etwas über 1000 Meter. Ich weiß schon, was ich damit mache, aber erst mal probieren. Das Farbenspiel ist einfach phantastisch!

Mittwoch, 30. April 2008

Farbenrausch

Ein wenig Uru-Roving und einen Strang Kauniwolle hatte ich bei Emi bestellt. Und das kam heute an:



Nicht nur die bestellte Wolle - und die ist wie immer phantastisch, ein wahres Feuerwerk an Farben in Form kuschelweicher Fasern -, sondern auch ein ganzer Armvoll Faserproben für unsere Spinngruppe, zum Anschauen, Fühlen, Probespinnen! Ist das nicht wie Ostern und Weihnachten auf einmal? Die Vogelsberger Spinnerinnen, die am Samstag mit ihren Rädern zu mir kommen, werden diese wunderschönen Kammzüge bestimmt genauso lieben wie ich!


Der wahre Reichtum

Bei der Gelegenheit habe ich mir übrigens mal wieder vor Augen geführt, wie viele Tücher ich schon habe. Hier liegen alle - bis auf das Peacock-Tuch, das konnte nicht mit aufs Foto, weil meine Tochter es heute in der Schule trug. Hier sind alle anderen, zehn Stück habe ich gezählt!



Was von oben herabhängt, ist selbstgesponnen - aus Blue Faced Leicester, von Emi handgefärbt. Und was ganz unten liegt, ist mein Alpakatuch, das schon über 30 Jahre auf dem Buckel hat. Das leuchtend Gelbe ist ebenfalls selbstgesponnen, aus Uru-Roving. Alles andere aus Uruwolle gestrickt, einschließlich des Peacock-Tuchs, das nicht mit aufs Bild durfte.

So langsam ist nun aber Schluss mit den Tüchern. Ich habe noch ein ganz buntes Färö-Tuch aus Selbstgesponnener in Arbeit, ein Pfauenmustertuch ist noch geplant ... und dann, wenn mir nicht gerade das ultimative Muster über den Weg läuft, fällt erst mal die Klappe für Lacetücher. Frau kann auch mal was anderes anziehen!

Dienstag, 22. April 2008

Ein wenig Luxus!

Von meinem Preisgeld aus dem Krimiwettbewerb des Odenwaldkreises will ich mir ein paar besondere Kleinigkeiten gönnen. Hier auch schon die erste Kleinigkeit: Ein edles Knitpicks-Harmony-Nadelset.



Das übliche "große" Set, das bis Stärke 8 reicht, habe ich nicht genommen, weil ich dicke Nadeln fast nie benutze. Ein einziges Mal habe ich mit Stärke 7 gestrickt - einen Winterschal aus Chenille, der so dick ist, dass ich ihn nur zweimal getragen habe!
Statt dessen habe ich mich für das Einsteigerset entschieden, das die Nadelstärken 4, 5 und 6 enthält, und zusätzlich Nadelspitzen Stärke 3,5 sowie eine 3er-Rundnadel. Damit ist fast alles, was ich brauche, abgedeckt. Später kann ich noch Sockennadeln und Nadelspitzen Stärke 4,5 dazukaufen - damit wäre ich dann komplett.
Und jetzt bin ich sehr gespannt, ob das wirklich so Wunderdinger sind, wie in den Foren behauptet wird.

Fertig geworden ist das Japanese Feather & Fan-Tuch, das bei mir "Seraphin" heißt:



Ganz fehlerlos ist das Gestrick nicht. Die Strickschrift lag als Excel-Dokument mit etwas eigenwilligen Symbolen vor. Daran gewöhnt frau sich zwar schnell, aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, das mit der Strickschrift etwas nicht stimmt. Gegen Ende passten die Rapporte überhaupt nicht aufeinander, nicht nur in meinem Gestrick nicht, sondern auch in der Strickschrift nicht. Bei Ravelry habe ich indessen keine Beschwerden gefunden. Also nehme ich mal an, der Fehler liegt nicht in der Anleitung, sondern sitzt davor ...
Wie auch immer, das Teil ist fertig geworden und hat die Form einer angeschnittenen Torte. Die Breite (also der Radius der Torte) beträgt ca. 60 cm. Material ist wieder Uruwolle, 120 Gramm, gestrickt mit Nadelstärke 4. Übrigens habe ich zwei Rapporte mehr gestrickt als in der Anleitung angegeben, sonst hätte ich nicht mal ganz 100 Gramm gebraucht.



Das Original dieses Tuchs (der Link steht zwei Beiträge weiter unten) ist weiß und wesentlich klarer im Muster. Wahrscheinlich wäre eine einfache Farbe besser dafür gewesen. Aber was solls, ich habe es halt so gemacht ...
Im Augenblick habe ich keine Lust auf weitere Tücher. Nach meiner Rechnung ist dieser Schal mein siebter oder achter aus Uruwolle; weitere vier habe ich aus selbstgesponnenem Garn gestrickt. Sollte ich allerdings noch mal ein Tuch stricken, wird es sicher auch wieder diese Tortenform haben. Sie passt sich der Körperform am besten an, rutscht nicht so wie ein Dreieck und krumpelt nicht so am Hals wie ein viereckiges Tuch, sondern lässt sich ganz zwanglos "umwerfen".


Warum dieses Tuch "Seraphin" heißt ...

Ich habe während des Strickens eine Menge gelesen: Noch im Urlaub "Dickicht" von Scott Smith, einen ziemlich splattrigen Thriller. Es hätte nahe gelegen, den Schal "Dickicht" zu nennen (wegen der Farbe), aber das Buch war mir schlicht zu schundig, um den schönen Schal danach zu taufen. Nach dem Urlaub habe ich eines meiner Lieblingsbücher wiedergelesen: "Die Geschwister von Neapel" von Franz Werfel. Ein bezauberndes Buch, das eine satte Namenauswahl für mein Tuch geboten hätte: Annunziata, Grazia, Iride, Lauro, Placido, Ruggiero. Aber gewonnen hat dann schließlich das dritte Buch, das ich ebenso wie den Schal gestern beendet habe: "Das ermordete Haus" von Pierre Magnan. Ein Krimi, der kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in der Provence spielt, und ein unglaubliches Buch - viel mehr als "nur" ein Krimi. Seraphin ist der Name der Hauptperson: ein junger Mann, der als kleines Kind ein Massaker an seiner Familie, später den Dienst an der Front überlebt und danach für sein Heimatdorf - passend zu seinem Engelsnamen - zum rächenden wie auch zum rettenden Engel wird.

Sonntag, 13. April 2008

Ich bin ein erfolgreiches Schaf!

Mein Schafskrimi "Mäh!" wurde im Krimiwettbewerb des Odenwaldkreises mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Hier ein paar Eindrücke von der Preisverleihung gestern in Michelstadt.
Und hier ein Lesepröbchen. Klicken und Mäh! schreien.

MÄÄÄÄÄH!!!!

Dienstag, 8. April 2008

Abends im Santana-Hüttchen genadelt ...

... und übrigens auf dem Rückflug fortgesetzt, denn es stimmt nicht, dass man auf Flugreisen keine Stricknadeln im Handgepäck haben darf. Da ich in einem Forum gelesen habe, es sei so, hatte ich auf dem Hinflug mein geliebtes Strickzeug brav in den Koffer getan. Ich wurde grün vor Neid, als eine junge Portugiesin in der gegenüberliegenden Sitzreihe Wolle und Nadel (es dürfte mindestens eine 8 mm-Nadel gewesen sein) hervorkramte und losstrickte! Da wir mit der gleichen Fluggesellschaft zurückflogen, nämlich der TAP, hatte ich heimwärts mein Strickzeug bereit. Es ist der Japanese Feather Fan Shawl von Izzyknits. Die Designerin stellt dieses wunderschöne Design zum Runterladen zur Verfügung. Das fertige Tuch ist fast kreisförmig. Ich stricke es aus Uruwolle in Grün-Gelb.



Viel sieht man da noch nicht, obwohl ich schon im letzten Mustersatz bin, aber wahrscheinlich stricke ich einen mehr, da ich bisher nicht mal 100 Gramm verbraucht habe. Ein bisserl mehr darf schon sein.
Beim Stricken habe ich wieder viel gelesen, und zwar vorwiegend einen Thriller, den ich mir am Frankfurter Flughafen gekauft habe: "Dickicht" von Scott Smith. Mit sicherem Griff habe ich genau das herausgesucht, was optimal geeignet ist, der dschungelartigen Botanik in Madeira mit Misstrauen zu begegnen. Das Buch ist superspannend und das Gegenteil von guter Literatur. Obendrein splatterig und stellenweise fäkalbetont, um es ganz vornehm auszudrücken. Nach mir hat es meine große Tochter übernommen und war in zwei Tagen fertig. Ich habe es mit großem Vergnügen gelesen, empfehle es aber nicht; es haben nicht alle einen so schlechten Geschmack wie ich.

Fertig geworden ist die Swanlake-Stola. Das Garn ist selbstgesponnen aus Uru-Roving in der Farbe Wild Daisies. Am schönsten wirkt die Stola auf schwarzem Untergrund. Ich trage sie schon recht gerne, obwohl sie mir schon fast zu auffallend ist; noch lieber trägt sie meine Tochter.


Design: Melanie Gibbons

Mit meinem selbstgesponnenen, von Emi handgefärbten Blue Faced Leicester hatte ich bisher allerdings kein Glück. Auch das hatte ich in Urlaub mitgenommen, zusammen mit der Kopie einer Strickschrift aus "Victorian Lace Today". Ich möchte diese neue Stola gern dreiteilig machen, mit einem quer gestrickten Mittelteil, um die Farbverläufe zu betonen, aber das bisher gestrickte Stück gefällt mir nicht. Ich muss mir ein schlichteres Muster aussuchen. Wahrscheinlich werde ich das Garn nun doch an die Maschine hängen.




Occhi wieder mal



Damit habe ich diesmal Glück. Schon oft habe ich den Spaß am Occhi nach ein paar Mustersätzen verloren, aber dies hier flutscht und es macht unheimlich Spaß, die Handarbeit in einem winzigen Blechdöschen mitnehmen zu können. Letzten Sonntag war ich auf einem Familienfest, da haben alle gestaunt. Sogar meine 18jährige Nichte, die für Handarbeiten normal nur Verachtung übrig hat, fand die Kringel hübsch.



Mein Urlaubs-Souvenir zeige ich demnächst: ein wunderschönes Stück aus madeirensischer Wolle. Nein, keine Stickerei, die sind unbezahlbar - ich habe eine Tischdecke für 4.000 Euro gesehen, vermutlich die Arbeit eines ganzen Jahres (und wenn es meine Arbeit gewesen wäre, hätte ich sie nicht um diesen Preis verkauft). Die wollenen Stricksachen sind dagegen eigentlich viel zu billig. In den nächsten Tagen folgen Fotos davon.

Mittwoch, 19. März 2008

Ich kann kaum glauben,

das ich heute wirklich alles fertig gebracht habe, was ich vorhatte. Sogar vor elf Uhr abends.
Schlabberhose fertig genäht, endlich die Schwanensee-Stola fertig gestrickt und aufgenadelt, Tochter zum Klaviervorspiel begleitet, anderer Tochter bei einem unangenehmen Termin beigestanden, Kuchen für Tochtergeburtstag morgen; ich hab wirklich und wahrhaftig alles gebacken gekriegt. Nur kein Foto von der Schwanensee-Stola. Die Abkettreihe habe ich nämlich während der Einspielzeit auf dem Flur der Musikschule gestrickt. Nach Beendigung ging ich aufs Klo und legte mir die Stola um ... es wird, ich glaube es wird. Es wird wirklich eine Stola. Ich hatte schon mächtige Zweifel daran; nicht wegen des Designs, das ich nach wie vor toll finde, sondern wegen meines selbstgesponnenen Garns.
Und nun verabschiede ich mich für die nächsten zwei Wochen. Vielleicht bring ich ein paar Gedichte aus dem Urlaub mit; viel mehr wird's nicht sein.

Wohnsitze





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