Das Loop-Rezept

Die Strickarbeiten für den Kunsthandwerkermarkt sind abgeschlossen, Gott sei Dank. Ich habe zehn Loops gestrickt. Fotografiert habe ich erst neun, da der zehnte noch zum Trocknen im Keller liegt. Das dauert immer sehr lange, weil da sehr viel Wolle aufeinanderliegt: Zwei Schichten Gestrick mit Spannfäden - also praktisch vier Schichten Wolle aufeinander. Hier "der Blubb":



Ich bin sehr gespannt, ob die Teile verkauft werden. Für den Fall, dass die Kundschaft sich drum reißt und ich noch mehr stricken muss, notiere ich hier für alle Fälle noch einmal genau das Rezept für diese maschinengestrickten Loops.

Das Material ist Sockenwolle. Etwa 200 Gramm sollte man haben, Farbverteilung richtet sich nach dem gewählten Muster, das bei mir mit 24er Lochkarte gestrickt wird.
168 Maschen (7 Rapporte) in Arbeitsstellung. Offener Anschlag mit Kontrastgarn über den großen Anschlagkamm. Gewichte einhängen, mehrere Reihen stricken, dann eine Trennreihe mit Baumwollfaden (mein Nylonfaden ist unauffindbar, ich nehme Filethäkelgarn).

Strickgarn (natürlich gespult und paraffiniert) einfädeln.
Reihenzähler auf Null.
Lochkarte einsetzen, Transport auf Stop.
Maschenweite 8.
Mindestens eine Reihe einfarbig stricken. Das erleichtert das spätere Zusammennähen der Enden. (Ein genau mustergemäßes Zusammennähen ist rein mathematisch nicht möglich, so dass es ohnehin vernünftiger ist, eine kleine Borte einzufügen oder die Unterbrechung anderweitig zu betonen.)
Die erste Maschenvorwahl für das Muster kann entweder schon vor dieser ersten unifarbenen Reihe oder später eingestellt werden. Dafür den Schlitten wie bekannt auf KC.
Ist die erste Reihe vorgewählt, den zweiten Faden einfädeln. Maschenweite auf 10, Lochkarte auf Transport, mittlere Mustertaste am Schlitten gedrückt, Drehschalter bleibt auf KC. Diese vier Einstellungen immer überprüfen, wenn die Arbeit unterbrochen wurde! Das muss hinein in den Kopf!! UN.PE.TINKT!!!! Neue Überprüfung ist auch angesagt, wenn musterbedingt zwischendurch unifarbene Reihen gestrickt werden. (Bei allen unifarbenen Reihen muss auch die Maschenweite umgestellt werden!)

Muster stricken wie man mag. Neue Fäden können ggf. mit einem kleinen Wickelanschlag an der Seite verwahrt werden. Wenn zwischendurch der Faden ausgeht, ruhig ein langes Ende an der Seite hängen lassen - kann man später zum Zusammennähen nutzen.

Der Loop sollte am Schluss etwa 210 bis 220 Reihen lang sein, je nach Muster. Die letzte Reihe wieder unifarben in Maschenweite 8 stricken. Ein langes Fadenende hängen lassen. Kontrast ist am oberen Ende nicht unbedingt nötig, man kann gleich auf die Nadel übertragen, aber sehr dünn und lang sollte sie sein. Anschlagskamm entfernen, die erste Reihe nach der Trennreihe ebenfalls auf eine lange Nadel nehmen, Trennreihe und Kontrast entfernen.

Anfang und Ende von Hand mit Maschenstich aneinandernähen. Das ist furchtbar langwierig, aber entschieden die sauberste und ansehnlichste Methode. Dann den Schal längs falten und die beiden Kanten im Matratzenstich aneinandernähen. Applikationen, Knöpfe usw. sollten vor Abschluss der Naht angenäht bzw. eingeknotet werden, damit sie nur auf einer Seite sichtbar sind (denkbar wären auch Applikationen mit Gegenknopf, aber das stört möglicherweise nachher beim Tragen!).

Den Loop sorgfältig waschen, so falten, dass die Naht in der Unterkante liegt, und liegend trocknen. Während des Trocknens ein paarmal wenden, dann geht es schneller.

Dieser heißt "Rosengarten", und ich werde ihn zum Verkauf anbieten, obwohl ich, wie man sieht, einen genau passenden Mantel habe (den ich allerdings fast nie mehr trage):



Der "Norweger" mit aufgenähten Sternknöpfen - dabei habe ich die Lochkarten vom Weihnachtsnorweger wiederverwendet, außerdem eine bei Pinterest gefundene Vorlage:



Und schließlich "der Jägermeister", der mir nicht hundertprozentig gefällt, aber ich will die Dinger ja verkaufen und vielleicht hat jemand Freude an derart augenschmerzenden Kontrasten:



Natürlich bleibt es nicht aus, dass sich eigene Wünsche auftun bei so viel Strickerei für den Verkauf. Meine jüngere Tochter, die zwar nichts wirklich Buntes trägt, aber eine Schwäche für Retromuster hat, wünscht sich einen Loop in Schwarz-Weiß im "Hahnentritt"-Muster. Den habe ich heute gestrickt und werde ihn, zusammen mit dem zehnten Markt-Loop, demnächst zeigen. Auch für mich habe ich einen in Planung und Herr Schmollfisch wird auch einen bekommen.
iGing - 27. Nov, 23:43

Ihre Loops sind die schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe!

schmollfisch - 28. Nov, 00:07

Danke! Es macht auch Freude, sie zu stricken!
Hummelbrummel (Gast) - 28. Nov, 08:15

Toll

Wow, die sind alle sehr geglückt.
Ich trage ja keine Loops, aber die Muster, Farben, Kombinationen sind ein Augenschmaus!
LG Hummelbrummel

schmollfisch - 28. Nov, 09:51

Danke Dir! Ich trage (bisher) übrigens auch keine Loops - aber diesmal werde ich mir einen machen. Er wird etwas aufwendiger gearbeitet sein als die für den Verkauf.
Michaela (Gast) - 28. Nov, 08:57

Danke für das Rezept!

Machst du Labels an die Loops? Waschanweisungen?
Wie ist es mit den Spannfäden: machen die den Loop wellig?

Mir gefallen alle deine knalligen Muster und die Zusammenstellungen.
Ich stricke auch gerade Loops, aber rund und mit Resteverbrauch.
Ich benötige für das Schließen der Naht im Maschenstich über eine Stunde, bald mehr, als zum Stricken.
Meine Schals gehen ganz unspektakulär an Obdachlose: Frauen und Männer.

schmollfisch - 28. Nov, 09:50

Die Maschenstich-Naht hält wirklich sehr lange auf, die Längsnaht im Matratzenstich geht wesentlich schneller.
Labels mache ich nicht dran - ich habe keine und leider war auch keine Zeit, welche zu besorgen. Auch keine Waschanweisung. Die Wolle ist ja filzfrei ausgerüstet, es kommt nur bei einigen Stücken noch Farbe heraus. Ich werde der Standinhaberin sagen, sie soll einfach an die Kunden weitergeben, dass die Loops von Hand gewaschen werden sollen. Einen Schal wäscht man ja auch nicht so oft wie Socken.
Mit den Spannfäden habe ich keine Probleme - die verschwinden innen drin. Genau deshalb habe ich mich für Loops entschieden statt für richtige Schals :o)
Michaela (Gast) - 28. Nov, 13:19

Spannfäden

Mit Spannfäden meinte ich was anderes: ich habe schon festgestellt, hauptsächlich bei glatteren Garnen, die Spannfäden ziehen sich nach dem Waschen zusammen und erzeugen Beulen.
Theoretisch müsste man das Strickstück nach dem Waschen bügeln.

Meine Cowls sind auch doppelt, ca. 32cm hoch zum Umklappen. Ich staune, was die für ein Gewicht haben, auch ohne Spannfäden.

schmollfisch - 28. Nov, 13:51

Ich wickle nach dem Waschen den Loop in ein Handtuch und drücke die Nässe heraus, dann stecke ich die Hände durch den Loop und lasse sie ein paarmal kräftig in alle Richtungen auseinander schnellen. Dadurch zieht sich das Gestrick schön glatt. Probleme mit Beulen habe ich nicht. Vielleicht sollte ich der Verkäuferin vorher sagen, dass sie das so an die Kunden weitergeben soll ...

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