Samstag, 1. Oktober 2011

Hoppelpoppel!

Meine jüngere Tochter (21) wünscht sich fetzige Beinstulpen, die sowohl zu Converse-Tretern als auch zu ihren neuen Stiefelchen passen sollen. Das erste Paar war schnell gestrickt: Ein gut abgehangenes Knäuel Regia Handdyed in der Farbe Azurit wanderte in die Maschine und binnen zwei Tagen waren die Stulpen fertig. 3:1 Rippen, 100 Maschen Anschlag und von Hand zusammengenäht. Damit die Stulpen nicht runterrutschen, wurde oben noch ein Gumiband eingezogen und zur Verzierung gab es selbstgefilzte blaue Wollbällchen.



Hoppelpoppel Nr. 2 ist auch schon in Arbeit. Diesmal etwas elaborierter:



Diese Wolle ist handgesponnen. Tochter wünschte sich ein farbneutrales Garn, aber eines, das man nicht zu kaufen bekommt. Naturgraue Merino, 2fach gezwirnt, ist die Grundlage. In einen der beiden Fäden wurden bunte Böbbel aus einem Rest Corriedale-Kammzug eingesponnen, und zwar jeweils eine Faserlänge (was ganz schön lang ist!). Nach dem Einspinnen habe ich in die bunte Partie jeweils einen Knoten gemacht. (In Pluckyfluffs "Intertwined"-Buch ist diese Technik als "Knotty Little Slubs" beschrieben.) Ich war überrascht, wie schön die bunten Nöppchen beim Stricken herauskommen. Bisher gibt es nur eine Maschenprobe, aber die sieht toll aus. Ich glaube, für mich brauch ich auch mal so eine Wolle, obwohl ich keine Beinstulpen trage.


Das Wollschaf will wissen:

Hast Du schon mal einen Strickauftrag bekommen – von wem auch immer? Wie lief Dein erster Auftrag ab?


Vielen Dank an
Angela für die heutige Frage!

In den Achtzigern, als die Handstrickerei so heftig boomte, habe ich ein paarmal für ein Wollgeschäft in Gießen (wo ich damals wohnte) gestrickt. Es gab pro Strickauftrag - immer Pullover - 100 Mark, was eine ganze Menge Geld war. Einen dieser Strickaufträge habe ich zurückgegeben. Es war ein Fledermauspulli in einem Zopf-Flechtmuster aus reiner Seide, und ich musste in jeder Hinreihe eine Unmenge von Zopf-Verkreuzungen stricken. Als der Pulli knapp zur Hälfte fertig war, bin ich in den Laden gegangen, habe der Inhaberin das Strickzeug gezeigt und kundgetan, dass ich nicht innerhalb der vereinbarten Frist (immer 4 Wochen Strickzeit) fertig werden würde, und wenn ich noch so fleißig strickte. Es war einfach unmöglich: Für eine einzige Reihe brauchte ich eine Dreiviertelstunde, obwohl ich eine flotte Strickerin bin! Die Inhaberin hat zu meiner großen Erleichterung das Ganze wieder an sich genommen. Wegen der Bezahlung haben wir uns irgendwie geeinigt; ich weiß nicht mehr wie. Überhaupt bin ich mit diesen Strickaufträgen sehr gut zurechtgekommen. Der Laden existiert heute leider nicht mehr.

Später habe ich noch ein paar private Aufträge angenommen - für eine Kollegin und vor ein paar Jahren für eine entfernte Verwandte. Heute stricke ich nicht mehr gegen Bezahlung, sondern nur noch im Tausch gegen etwas anderes. Solche Tauschgeschäfte kommen übers Spinnforum hin und wieder zustande und ich war unterm Strick immer sehr zufrieden. Einmal habe ich einen wunderschönen handgefärbten Kammzug für ein paar Stricksocken bekommen, einmal zwei Designerketten für ein "In The Pink"-Tuch - und demnächst läuft wieder ein "Swap" mit Socken gegen Kammzug, zu dem ich mich wieder angemeldet habe.

Donnerstag, 15. September 2011

Die verstrickte Dienstagsfrage

Kurze und prägnante Frage vom Wollschaf:

Wurde schon jemandem von euch das Stricken verboten?

Vielen Dank an
Michaela für die heutige Frage!

Kurz und prägnant: Nein. Akzeptieren würde ich ein solches Verbot höchstens vom Arzt. Hin und wieder tauchen solche Statements im Strickforum auf, dass der Arzt das Stricken verboten hätte. Ich hoffe, soweit kommt es bei mir nie.
Es gibt einen Krimi von Ruth Rendell, der ein Strickverbot zum Thema hat. Eine Krankenschwester, die ihrer unterschwelligen aggressiven Tendenzen gegen die Patienten kaum Herr wird, beruhigt sich in ihrer Freizeit mit Stricken. Klappt auch gut. Das Unheil fängt an, als ihr spät geheirateter Ehemann (Pensionär und ehemaliger Patient) sich von ihrem Stricken total angenervt fühlt. Am Ende wird ein richtiger Krimi daraus.
Meine Familie findet es gut, dass ich gern und viel stricke. Verboten ist bei uns nur Rauchen, aber das hab ich mir eh abgewöhnt.

Mittwoch, 7. September 2011

Lehrreich ...

Vor ein paar Wochen habe ich mir bei der Kleinsassener Kunstwoche - wo unsere Schreibgruppe eine Lesestunde gegeben hat - eine Filztasche gekauft: aus Walkfilz, in einem unwahrscheinlich starken Blau und mit Perlen verziert. Die Tasche hat ungefähr DIN A4-Format, einen Reißverschluss oben und hat 34 Euro gekostet. Obwohl ich ja jetzt selbst Walkfilz herstellen kann, habe ich das Teil gekauft, weil mir der Preis sehr mäßig erschien - noch an der Verkaufsbude habe ich meiner Tochter gesagt, dass ich mich dafür mindestens zwei Stunden hinstellen und walken müsste, und obwohl die Verkäuferin wahrscheinlich schneller ist als ich, kann sie nicht viel schneller gewesen sein, weil Walkfilz nun mal seine Zeit braucht. Schließlich kann auch der Sternekoch Kartoffeln nicht schneller kochen als der Lehrling - die brauchen nun mal so lange, wie sie brauchen.

Ich hatte die Tasche zum allerersten Mal in Gebrauch, als die erste Reihe Perlen absprang, obwohl ich weder damit hängen geblieben war noch daran herumgezippelt hatte. Als wenige Tage später die zweite Reihe aufging (diesmal konnte ich immerhin die Perlen retten), habe ich mir die Arbeit genauer angesehen. Die Filzerin hat einfach die Perlen auf ein Stück stabilen Faden gefädelt, verknotet und die jeweils erste und letzte Perle der Reihe in den Stoff eingefilzt. Dass das nicht lange hält, ist klar. Die Perlen sind glitschig und rutschen irgendwann aus dem Stoff, der ja im Tragen bewegt wird.

Da mir die Tasche aber ans Herz gewachsen ist, habe ich mich vorhin hingesetzt, sämtliche Perlenstränge aus dem FIlz gezogen, neu aufgefädelt und diesmal kräftig im Stoff verknotet.

So sah mein Arbeitsplatz aus:



Und hier ein Bild von der fertigen Tasche:



Man beachte die kleine Handytasche am Träger. Auch diese ist mit Perlen verziert und mit einem Druckknopf verschließbar.
Dass ich den Namen der Filzerin hier nicht nenne, hat seinen Grund: Obwohl die Arbeit sich als nicht alltagstauglich erwiesen hat, habe ich große Hochachtung vor der Dame und möchte sie hier nicht ausgerechnet mit einem nicht ganz gelungenen Stück in Verbindung bringen. Tatsache ist: ich habe an die zwei Stunden lang gefädelt und verknotet, was sie vermutlich auch nicht viel schneller geleistet haben kann, so dass an die vier Stunden Arbeit in dieser Tasche stecken, nicht gerechnet das Material, den Entwurf und das Know-how. Die Tasche hat keine einzige Naht, auch die Handytasche ist quasi organisch mit der großen Tasche verbunden. Diese vier Stunden Arbeit zuzüglich Material und kreative Leistung habe ich mit 34 Euro bezahlt. Da wundert man sich doch über gar nix mehr. Was wäre überhaupt die angemessene Bezahlung für eine solche Tasche? Jedenfalls ein Betrag, den niemand zu bezahlen bereit wäre (auch ich wahrscheinlich nicht). Eine professionelle Filzerin, Spinnerin, Strickerin wird aus mir niemals werden. Ehe ich mich einer solchen Preisgestaltung unterwerfe, verschenke ich mein Zeug!


Lehrreich Nummer zwei, ein eher trübes Kapitel:


Manchmal muss frau eine solche Erfahrung machen, damit ihr das eine oder andere schlagartig klar wird. Dazu gehört (obwohl es eigentlich nicht hierher gehört, irgendwie dann aber doch) meine Erkenntnis, warum Kartoffelchips soviel Kalorien haben! Als nämlich die Leicht-Chips auf den Markt kamen, die mit angeblich 30 Prozent weniger Fett zubereitet sind, habe ich mich anhaltend gewundert, warum die nicht auch 30 Prozent weniger Kalorien haben. Die Kartoffel selbst ist schließlich kein DIckmacher. Warum machen die Leicht-Chips dann immer noch so dick? Des Rätsels Lösung stieß mir mit durchschlagender Wirkung auf, als ich mich entschlossen habe, meine eigenen Chips zu machen! Auch das eine sehr lehrreiche Erfahrung! Meine selbstgemachten Chips waren völlig fettlos, weil im Ofen getrocknet, nach einem schönen bunten Rezept aus dem Internet. Wenn sie gut geschmeckt hätten (was sie nicht taten, aber das ist ein anderes Kapitel), wären sie die Ideallösung für Chips-Süchtige wie mich gewesen. Chips OHNE Fett! Das sollte doch, denkt sich frau und lockert sorgenvoll den Gürtel, die Ideallösung sein! Denkste. Aus einem Pfund Kartoffeln werden nach gründlicher Bearbeitung im Ofen so ungefähr knapp hundert Gramm Chips - über vierhundert Kalorien also; eine Bilanz, die sich von der einer Tüte Leicht-Chips kaum unterscheidet. Ade Chipsglück. Aber wenigstens habe ich es jetzt begriffen. Und hätte es bis heute nicht begriffen, wenn ich es nicht selbst probiert hätte.
Probiert's aus, Leute. Dann wisst ihr Bescheid.

Dienstag, 16. August 2011

Traumwolle


Die verstrickte Dienstagsfrage


Das Wollschaf fragt:
Habt ihr eigentlich eine "Traumwolle", die ihr mal gerne verstricken wuerdet (oder auch schon verstrickt habt)? Warum ist sie eure Traumwolle? Wegen der Qualitaet, der Farben, des Strickgefuehls? Und was wuerdet ihr daraus stricken oder habt ihr daraus gestrickt? (Bilder waeren nett!)
Vielen Dank an Connie für die heutige Frage!

Ich kaufe nur sehr selten gezielt Wolle ein, außer Spinnwolle. Die fertige Wolle, die in meinem Stash landet, ist meistens nichts Besonderes. Sonderangebote, die mir im Vorbeigehen aufgefallen sind.
Ich habe einen Sack Wollmeisen gekauft, als ich zur Kurbegleitung in Bayern war - das ist das einzige, was ich nennen könnte.
Die Frage bringt mich aber zu einem Grundproblem, das ich bei jeder Handarbeit habe - auch beim Nähen zum Beispiel. Für mich ist das fertige Stück niemals so schön wie das Rohmaterial. Ich habe darüber schon viel nachgedacht, ohne mir dieses Gefühl erklären zu können. Schön gefärbte, weiche Spinnbatts sind ein Traum. Das daraus gesponnene Wollknäuel ist irgendwie schon ein Abstieg. Das fertige Strickstück noch mal ein weiterer. Genauso geht es mir mit der vom Ballen gerollten Stoffbahn.
Meine absolute Traumwolle, wenn ich denn eine hätte, würde ich deshalb wahrscheinlich gar nicht verstricken. Ich würde sie zum Angucken liegen lassen und davon träumen, was ich daraus Tolles machen könnte.

Donnerstag, 11. August 2011

Rolling Nautie

In den letzten Tagen habe ich in aller Eile ein neues Nautie stricken dürfen, und zwar in den Farben weiß/beige/braun, weil es zu unserem neuen Familienmitglied passen soll. Da es (also das Nautie) am Schlüssel hängen wird, habe ich es etwas gestaucht, damit es klein ausfällt. Hier das neue Nautie:



Und hier an diesem neuen Prachtstück darf es baumeln:



Das ist der neue Retro-Roller meiner jüngeren Tochter, eine echte Vespa LXV 50. Was da auf dem Sitz liegt, gehört auch noch dazu. Der Roller (wir diskutieren noch über den passenden Namen; ich hätte am liebsten "Rollando", meine andere Tochter plädiert für "Toni Makkaroni") ist nämlich ein Zweitakter, was bedeutet, dass er mit einer Mischung aus Benzin und Öl fährt. Als ich den Verkäufer fragte, in welchem Verhältnis Benzin und Öl zu tanken seien, gab er zur Antwort: "Einfach die beiden Tanks vollmachen, der mischt sich das schon selbst!"
Dazu haben wir ihm dann dieses Gerät geschenkt. Damit er beim Mischen auch ein wenig Komfort hat.



(Ich hätte das Gerät übrigens auch dem Verkäufer schenken können, der einen sehr eigentümlichen Mix aus Schwäbisch und Fuldisch sprach.)
Nee, ist natürlich ein Gag. Den Quirl habe ich in einem Supermarkt in Frankreich sehr preiswert gefunden und gleich mitgenommen. Ich finde solche Geräte sehr praktisch und benutze sie, soweit möglich, viel lieber als elektrische.

Und nun noch rasch meine neue alte Jacke. Wie hier im Foto zu sehen, hatte die Jacke (aus selbstgesponnener Wolle) ursprünglich eine Randborte aus gekaufter Wolle. So richtig hat mir diese Lösung nie gefallen, vor allem weil die angestrickte Borte zu schmal war. Die farbliche Unterteilung war auch nicht das Gelbe vom Ei: Solche Querteilungen stehen mir überhaupt nicht; da ich keine Taille mehr habe, brauche ich streckende und nicht stauchende Schnitte. Jetzt habe ich noch eine Portion Wolle in passendem Lila dazugesponnen und mit großer Nadelstärke (4,5) eine breitere Borte angestrickt, und zwar in einem so luftigen Lochmuster, dass sie wesentlich weiter fällt als die alte Borte.



Die Jacke, die früher meistens im Schrank hing, ist in den letzten Wochen richtig viel getragen worden. Leider ist sie in der Weite ziemlich knapp geschnitten. Ich bin ja, Gott sei Dank, im Juli ein wenig dünner geworden, aber so zwei bis zweiundzwanzig Zentimeter Bauchumfang dürften noch runter, damit sie besser passt.

Sonntag, 24. Juli 2011

Mit Energie gestrickt

So, da ist sie nun, meine fertige Spitzentunika, die ich hier schon angekündigt habe. Gestrickt aus knapp 200 Gramm Häkelbaumwolle, wie sie zum Filethäkeln verkauft wird. Von solchem Garn habe ich aus der Zeit, als ich noch Spitzendecken und -gardinen gestrickt habe, noch eine Menge liegen. Die Tunika reicht, wenn ich Jeans trage, bis ans untere Ende der Po-Taschen. Länger wird sie auch nicht mehr werden, da ich sie wohlweislich, als die Leibteile (sie ist rundgestrickt) etwa 45 cm Höhe hatten, erst mal ins heiße Wasser getaucht habe.



Ich habe schon mal versucht, mir aus blauer Häkelbaumwolle ein Oberteil zu stricken, und zwar mit einer Lochkarte auf dem Feinstricker. Das Ergebnis war leider nicht so recht tragbar. Häkelbaumwolle ist sehr fest gedreht und hat sehr viel Energie; zum Teil kommt der Faden schon beim Stricken verdrillert in die Hand wie ein einfädig gesponnenes Garn. Kurz und ungut, mein auf der Strickmaschine gearbeitetes blaues Top hatte so viel Energie, dass es sich um Tragen um meinen Rumpf herumschraubte wie eine Fusili-Nudel. Natürlich könnte man, wenn man wollte, diesen Effekt als Designelement ausgeben und das Schraubengewinde mit Stolz tragen. Aber wohl gefühlt habe ich mich nie in dem Teil - sondern immer irgendwie schief.

Da nun aber meine aus ähnlichen Garnen gearbeiteten Spitzengardinen und -deckchen keine Tendenz zur Verschraubung zeigen, habe ich beschlossen, noch mal einen Versuch zu machen. MIt richtig großen Löchern, in denen sich die Energie des Garns ungehemmt austoben kann. Diesmal ist das Experiment geglückt. Meine neue Tunika schraubt nicht. Und die zweite ist schon in der Pipeline. Das obige Muster nennt sich Bärentatzenmuster oder "russisches Model", und mit Sicherheit gibt es noch eine Menge anderer Namen. In der Sommer-Verena war es zu einem Top verarbeitet; bei "The Knitter" tauchte es unlängst auf einem Titelbild auf. Ich habe es auch schon mal gestrickt, und zwar in Eugen Beuglers "Frost Flowers And Leaves"-Tuch. Seitdem mag ich es sehr gern.



Für mein nächstes Spitzenoberteil werde ich mir eine Vorlage aus dem japanischen Musterbuch aussuchen.

Ps. Gerade eben habe ich diesen Eintrag noch mal zur Kontrolle durchgelesen und probeweise die Links angeklickt, ob auch alles funktioniert. Da musste ich sehr grinsen über die Frisur des Mädchens auf dem Knitter-Titelbild. Meine ältere Tochter hat zur Zeit eine ganz ähnliche Frisur - nur an den Seiten ein wenig kürzer - und schimpft von morgens bis abends über die mangelnde Fasson. Ich sollte sie mal darauf hinweisen, dass andere junge Damen damit auf die Titelseiten internationaler Zeitschriften kommen.

PPs. Als ich eben noch mal meinen alten Eintrag über Eugen Beuglers Design nachlas, fiel mir auf, dass ich offenbar früher immer angegeben habe, was ich beim Stricken gelesen habe - warum auch immer. Jedenfalls hole ich nach: Auch bei diesem Design, bei dem sowohl in Hin- als auch in Rückreihen gemustert werden muss, war Lesen möglich, wenn auch nur sehr langsam. Ich habe einen Roman von Kerstin Ekman gelesen, "Geschehnisse am Wasser", der mich begeistert hat - habe mir sofort ein zweites Buch von ihr übers Büchertauschforum bestellt.

Dienstag, 12. Juli 2011

Mangelnder Überblick

Schon mindestens zweimal ist es mir passiert, dass ich ein Strickprojekt mit Hängen und Würgen irgendwie abschließe und mir gratuliere, dass die Wolle "gerade eben so" gereicht hat ... und dann finde ich Wochen oder Monate später noch ein kleines Quantum der gleichen Wolle, für das ich beim damaligen Stricken dankbar gewesen wäre! So ähnlich war es, wenn ich mich richtig erinnere, bei meiner Fliederjacke. Selbstgesponnen aus Wolle von Sonatina, die leider ihren Shop schon lange geschlossen hat. Es waren bildschöne kleine Batts mit etwas Angelina. Und nachdem ich an die fertige Jacke ein kleines Schößchen aus gekaufter Wolle angestrickt habe, weil sie mir zu kurz war, habe ich nun noch ein Batt der gleichen Faser gefunden.

Da mir das Schößchen nie besonders gefallen hat, kommt es jetzt erbarmungslos ab. Es ist ohnehin nachträglich von oben nach unten drangestrickt, wird sich also ohne Verlust abtrennen lassen. Die nachgesponnene Wolle (knapp 600 Meter auf 100 Gramm) werde ich wahrscheinlich auch wieder in Form eines Schößchens anstricken. Das wird aber erheblich breiter werden als das alte, so dass die Jacke (hoffentlich) danach etwas tragbarer wird.



Das Thema "mangelnder Überblick" führt zwanglos zur heutigen Frage vom Wollschaf:

Ich sortiere gerade meine Strickbuchsammlung neu und finde kein wirklich logisches Ordnungssystem. Daher würde mich mal interessieren, wie andere ihre Strick-Fachliteratur organisieren.
Nach Autor? Nach Sachgebiet (Modellbücher, Mustersammlungen, Techniken)? Falls letzteres, was macht Ihr mit Büchern, die in mehrere Kategorien passen? Oder habt Ihr vielleicht ein ganz anderes System?
Vielen Dank an
Tina für die heutige Frage!

Tichiro, von der diese Frage stammt, gibt in ihrem Blog an, über 1000 Bücher und Hefte zu haben. Was die Hefte anbetrifft, habe ich auch kein Ordnungssystem anzubieten, außer dem sehr sinnvollen System, ab und zu mal eines wegzuschmeißen oder zu verschenken. Ich kaufe nicht mehr viele Hefte. Dem "Knitter" kann ich nicht widerstehen, wegen der reizenden Aufmachung, aber in der Verena oder Sabrina finde ich meistens nichts, was ich nachstricken möchte. Bei der Verena gefällt mir überdies die Art der Präsentation nicht.
Meine Strickbücher sind durchaus überschaubar. Sie nehmen nur zwei Regalböden in meinem Strickzimmer ein. Oben stehen die, die ich ständig brauche, unten die, die ich auf Flohmärkten hin und wieder kaufe und ab und zu durchblättere, aber nie benutze. Das ist die ganze Ordnung.

Zum Thema "Bücher ordnen" hier noch mal ein allgemeines Statement; vielleicht bin ich ja ein Sonderfall. Ich brauche keine Ordnung in meinen Büchern. Ein Beispiel:



Das ist ungefähr ein Sechstel unseres Bestands, wobei ich die Fachbücher meines Mannes und die Bücher meiner Töchter nicht mitrechne. Natürlich habe ich ein ganz grobes System. Die Taschenbuchkrimis und unsere kleine, aber feine Sammlung von Phantastika stehen der Wand, die hier zu sehen ist, gegenüber (das ist ungefähr noch mal so viel). Weitere Bücher sind überall im Haus verteilt, auf dem Speicher steht der geerbte Bestand meiner Eltern in Kartons und Regalen. Ich brauche kein Ordnungssystem. Ich weiß jederzeit ganz genau, wo jedes einzelne meiner Bücher ist - in dieser Beziehung habe ich ein Superhirn ... (in jeder anderen Beziehung dafür leider das Gegenteil). Manchmal gerät ein Buch auf Abwege, weil ich es angelesen und dann irgendwo im Haus liegengelassen habe, aber meistens findet es spätestens nach zwei, drei Wochen wieder den Weg auf seinen Platz zurück. Für Bücher, die ich nicht behalten mag, habe ich eine Kiste im Keller. Alles, was da drin ist, wandert nach und nach ins Tauschforum oder wird bei Gelegenheit verschenkt. Das Tauschforum (es gibt mehrere, ich bevorzuge dieses )ist überhaupt eine geniale Erfindung. Erst heute habe ich ein ganz neuwertiges Buch zugeschickt bekommen.

Sonntag, 3. Juli 2011

Grandioser Beutezug

Heute gibt es leider keine Fotos, weil die Kamera noch in Bayern liegt, genau gesagt in der Nähe von Bad Tölz. Von dort bin ich gestern zurückgekommen, von einem zweiwöchtigen Aufenthalt in einem Kurhotel. (Nein, mir fehlt nichts. Ich war Begleitung.)
Da ich in diesen zwei Wochen so gut wie nichts zu tun hatte und das Wetter auch nicht so war, dass ich von morgens bis abends radfahren wollte, hatte ich beschlossen - wenn es sich ergeben sollte - einen Ausflug nach Pfaffenhofen zu machen ... hm ... was in Pfaffenhofen ist, brauch ich unter uns Strickerinnen ja wohl nicht zu verkünden ... also, ich habe eine Riesentüte Meisen gekauft. Was die gekostet haben, da schweigt des Sängers Höflichkeit. Es sind über anderthalb Kilo Wolle. Das hat natürlich seinen Preis. Aber nicht mal mein Mann wagte noch einen WIderspruch, als er diese Farben sah. Fotos folgen nächste Woche.


Die verstrickte Dienstagsfrage


Das Wollschaf fragt:
Angenommen, Ihr könntet ein Jahr mit euren Liebsten in eine schöne aber abgeschiedene Gegend.
Ihr werdet rundum versorgt, aber es gibt kein Internet und keine Wollgeschäfte.
Welches Garn, welche Strick-Bücher bzw. welche Anleitungen würdet ihr für dieses Jahr mitnehmen?

Vielen Dank an Reni für die heutige Frage!

Hm, diese Frage erinnert mich an einen Urlaub vor einigen Jahren. Na gut, es sind mindestens zehn Jahre. Heute würde ich nämlich so etwas nicht mehr machen: Ich hatte "Das Hotel New Hampshire" von John Irving in den Koffer getan. Dieses Buch hatte ich schon zwei- oder dreimal angelesen und immer wieder aufgegeben. Da mir eben dieses Buch aber von links und rechts mit aufdringlicher Vehemenz empohlen wurde, dachte ich mir: Das kann doch nicht sein, dass das kein tolles Buch ist, es liegt nur an mir, ich muss mich eben zwingen! Und nahm listigerweise als einzigen Lesestoff dieses Buch mit. Na ja, es klappte natürlich nicht, ich wurde mit dem Buch nicht fertig und musste mir im Presseladen auf dem französischen Campingplatz ein Buch kaufen. Ich glaube, das führte dann zu meiner ersten Bekanntschaft mit Jean Christophe Grangé, der zwar hanebüchenen Unsinn schreibt, den ich aber mit Begeisterung bis heute lese. (Hach, im August kommt der Neue!!)
Um zur Dienstagsfrage zurückzukommen: Ich würde mir ein Strickzeug mitnehmen, von dem ich weiß, dass ich dazu nicht das Durchhaltevermögen habe, wenn ich von anderen Projekten abgelenkt werde. Eben das habe ich nämlich gerade in der zweiwöchigen Auszeit im Kurhotel getan: Ich habe begonnen, mir eine Spitzentunika aus Häkelbaumwolle in einem sehr aufwendigen Spitzenmuster zu stricken. Zu Hause hätte ich das Ding wahrscheinlich nach drei Reihen entnervt weggelegt, aber da ich nichts anderes hatte, strickte ich eben das und bin bis unter die Achseln gelangt. Da das Teil ärmellos werden soll, ist das auch schon beinahe alles. Für ein Jahr ist das natürlich auch kein Projekt, aber das ist jedenfalls das Prinzip, nach dem ich verfahren würde: Dünne Wolle in schönen Farben (zum Beispiel meine Lace-Meisen) und ein Musterheft mit richtig schön komplizierten Spitzenmustern ... und dann selbst was entwerfen.

Als Nachtrag noch zu John Irving: Ich habe ihn bis heute nicht gelesen, und wer das Buch haben möchte, dem schicke ich es gerne. Es ist leider zu vergilbt, um es noch ins Tauschforum zu stellen, sonst wäre es längst da gelandet ...
Mernschenskinder, was ich nicht alles gelesen habe im Lauf der Zeit, weil so viele das toll finden und ich dachte, ich muss auch. Andreas Franz. (Furchtbar, allerunterste Schublade. Ich schreibe besser, und das ist kein Eigenlob, weil JEDER besser schreibt.) Petra Hammesfahr. (Strohtrocken.) Henry James. (Kaugummi kommt besser.) Balzac. (Würde ich wirklich gern mögen, aber er lässt mich nicht.) Um so mehr schätze ich meine heimlichen Lieben, die sicher viel gelesen werden, aber nicht von Menschen, die ich kenne (und so hab ich sie doch irgendwie für mich alleine): Robert Aickman. H.C.Artmann. Algernon Blackwood. Sigrid Undset. Und noch viel mehr ...

Nächste Woche gibt es Bilder. Von meinen Meisen und von meinem Spitzentunikaprojekt.

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