Samstag, 15. September 2007

Krea-tief ...

Im Wollgeschäft hat man's leichter, da gibt es ein Dutzend verschiedene Qualitäten und man sucht halt aus.
Spinnt man selbst, steht man erst mal vor der Frage, wie gehe ich vor, um die Faser optimal zur Geltung zu bringen? Und zwar so, dass es sich nachher auch gut verstricken lässt, wobei man besser auch schon halbwegs wissen sollte, was man stricken will ...
Ich will jetzt also mal kein Tuch stricken, sondern Pulli oder Jacke. Und zwar aus einer Schoppeltüte, Farbverlauf in Blau- und Lilatönen.



Links im Bild mein erster Versuch im Navajozwirnen. Hat technisch schon gut geklappt, die Wolle sieht in Stärke und Drall wie Sockenwolle aus und der schöne Farbverlauf kommt bestens zur Geltung.
Rechts die archaische Version: andengezwirnt mit einem chaotischen Dick-und-Dünn vom Tarascon-Schaf.
Sieht sehr interessant aus, aber ich glaube, ich nehme doch die linke Version. Zumal mir für das Tarascon-Untier schon eine andere gute Idee in den Sinn gekommen ist.

Mein Spinnkörbchen
gesehen von Yannika! Emis bunter BFL-Kammzug liegt immer noch drin, wie man sieht. Aber sobald ich mit meinen beiden "Lace-Garnen" fertig geworden bin, muss er dran glauben.


Zeichnung: Yannika Schad

Donnerstag, 13. September 2007

Singlefäden



Mein erstes "Lacegarn" ... nicht gerade berauschend, aber es lässt sich verstricken, ohne zu reißen. Es wird noch dauern, bis ich einen vernünftigen SInglefaden hinbekomme. Aber wie gesagt, man kann damit stricken. Wenn auch nur sehr langsam, denn das Garn ist stellenweise kaum mehr als Zwirn.



Die Vorlage ist von Eugen Beugler, gesehen in "Shawls And Scarves", Seite 74. Den Rand habe ich etwas abgeändert, mit meinem Garn wurde er mir zu löchrig. "Ostrich Plume" heißt das Muster.

Und das ist mein zweites "Lacegarn":



Das Material ist Kardenband vom Bergschaf (siehe letzter Eintrag). Der Faden ist schon etwas besser, wenn auch immer noch nicht richtig fluffig, aber der fluffige Singlefaden zählt wohl schon zu den höheren Spinnweihen ... jedenfalls ist das Garn weich und hat eine vernünftige Lauflänge von 650 Metern pro 100 Gramm. Gesponnen habe ich bisher 75 Gramm. Meine Tochter wünscht sich den "Holly Berries"-Schal aus "Victorian Lace Today", Seite 96. Das ist ein kleines Teil und müsste schnell zu stricken sein. Allerdings reicht das Material wohl noch nicht ganz. Der Farbverlauf gefällt mir sehr gut. Es ist eine Menge Hellgrün in dem Garn, leider auf dem Bild kaum zu sehen, die grünen Partien liegen mehr innen im Strang.

Die Regenbogenwolle für meine Jacke ist übrigens fix und fertig gezwirnt, gebadet und gehaspelt und könnte auf die Strickmaschine, wenn ich nicht gerade jetzt im Hinterzimmer wieder mal die große Umräumerei hätte. Auf jeden Fall fange ich noch diese Woche damit an und werde wohl nur wenige Tage brauchen, da die Rechenarbeit - die größte Hürde beim Maschinenstricken - schon erledigt ist. Vielleicht kann ich am Wochenende schon zusammennähen. Bin sehr gespannt!


Nachtrag: Umräumaktion

Was sich wohl so eine kleine Kommode denkt, wenn sie nach gut vierzig Jahren Dauerschlaf auf dem Speicher plötzlich ans Licht gezerrt, wieder aufgestellt, geputzt und befüllt wird?



Die habe ich im Haus meines Vaters vom Speicher gerettet, sonst wäre sie in den nächsten Wochen gnadenlos dem Sperrmüll anheimgefallen. Und dafür ist sie wirklich zu schade. Alles massives Holz und eine schöne Tiefe zum Vollpacken. Ich bewahre meine Stoffvorräte darin auf. Beim Um- und Aufräumen habe ich manches schöne Stoffstück wiedergefunden. Übrigens auch zwei Tafeln Schokolade, die ich vor ein oder zwei Jahren nach dem Eichhörnchenprinzip gebunkert und vergessen hatte. Ob die noch essbar sind?
Ach ja, und was mich da immer wieder neu anlacht, heißt: Tarascon-Schaf (vorne links), Rhönschaf pflanzengefärbt (auf der Kommode links), Milchschaf naturbraun (oben im Kasten rechts) und Bergschaf-Kardenband (oben im Kasten links). Und das ist noch nicht mal alles ... und obendrein ist das nächste Spinnfutter schon wieder unterwegs, glaube ich.

Donnerstag, 6. September 2007

Spinnübungen

Ich würde nun soo gerne den herrlichen bunten Kammzug von Emi verspinnen (siehe hier), der ziert nämlich, in einem Körbchen liegend, mein Wohnzimmer und lacht mich täglich aufs Neue an. Aber nix da. Erst muss ich lernen, einen besseren, gleichmäßigeren Faden zu spinnen.
Und so habe ich mich hinter das Bergschaf-Kardenband gemacht, das ich über Ebay gekauft habe, noch ehe die Delfina überhaupt bei mir einzog. Es spinnt sich phantastisch und der Faden wird schön weich. Seltsam, ich meine doch gelesen zu haben, Bergschafwolle sei rauh? Die einzelnen Fasern sind sehr lang, aber so glatt, dass sie sich viel genauer ausziehen lassen als die Rhönschafwolle, die ich vorher in der Mache hatte.
Liegt das nun daran, dass ich selbst besser geworden bin, oder ist es am Ende kein Bergschaf? Es wurde mir jedenfalls so verkauft.
Das soll ein hübsches Strickstück für meine Tochter geben, die die Farbstellung, die an Rhabarber erinnert, sehr mag. Auf dem Foto erkennt man das nicht gut, aber die Wolle enthält auch eine Menge Grüntöne.



Und so sieht das Faserpaket aus. Es sind etwas über 200 Gramm. Ich wollte, ich wüsste den Namen der Verkäuferin noch; die Fasern sind wirklich schön und gut zu spinnen - na gut, an Emis BFL-Kammzug reicht es natürlich nicht ran; aber deshalb hebe ich den ja auch für später auf.



Das gleiche Kardenband vom Bergschaf hatte ich gleich nach Erwerb der Delfina schon mal unter den Fingern und habe einen wüsten Faden in sämtlichen Stadien der Schwangerschaft fabriziert. Ich steigere mich also doch ... Stricken ließ sich der schwangere Wurm zwar auch, aber was jetzt auf die Spule rollt, sieht doch viel besser aus.



Die Wolle für meine Regenbogenjacke vom Rhönschaf ist fertig gesponnen und gezwirnt. Das Garn darf sich nun eine Woche auf der Spule ausruhen, ehe ich es auf die Haspel nehme, und dann werde ich die Jacke schnell beenden, denn bei dem Wetter jetzt könnte ich sie gut brauchen! Da ich dieses Stück auf der Strickmaschine stricke, werden zwei, drei Tage reichen. Hoffentlich.

Samstag, 1. September 2007

Und so trage ich das Capelet.


Design: Jane Sowerby nach "Weldon's Pracital Knitter"

Man kann es einfach umhängen wie ein Cape und vorne zusammenstecken, wie auf dem Modellbild zu sehen. Oder man wickelt es einmal ganz herum wie eine Stola, was mir noch besser gefällt.

Nun noch mal die genauen Angaben dazu: Gestrickt aus 150 Gramm Uruwolle "Perla Roja" von Emi. Nadelstärke 4,5 für das Cape Center, 3,5 für die Randborte. Strickzeit dreieinhalb Wochen. Die Größe entspricht genau der Angabe in der Anleitung: Durchmesser 116 cm, wobei ich wieder darauf geachtet habe, nicht bis zum Maximum zu spannen - das würde ich bei wollenen Lacetüchern gar nicht mehr machen, allenfalls bei baumwollenen. Wenn die Wolle ihre natürliche Elastizität behält, lässt sich das Tuch besser tragen und rutscht nicht so leicht.
Die Anleitung stammt aus dem sehr empfehlenswerten Buch "Victorian Lace Today". Technisch ist das Capelet einfach zu stricken, viel einfacher als der "Frost Flowers And Leaves Shawl", den ich zuvor gestrickt habe. Ich konnte beim Stricken ungehemmt der Lesewut frönen. (Gelesen habe ich "Spieltrieb" von Juli Zeh und "Menschenkind" von Toni Morrison. Letzteres empfehle ich gern weiter, ersteres nur mit Zähneknirschen.)
Die Form des offenen Kreises ist übrigens sehr praktisch. Ich habe bisher kein kreisrundes Lace-Tuch gestrickt, weil ich nicht so recht weiß, wie man diese Form vernünftig tragen soll - obwohl die runde Form einiges für sich hat: Man könnte jedes beliebige Kunststrickmuster für Tischdecken verwenden! Ich habe da insbesondere ein kleines feines kreisrundes Tuch mit Blattmuster von Meister Eugen Beugler ins Auge gefasst, das ich nun ebenfalls als offenen Kreis nachstricken werde; oder jedenfalls ausprobieren. Hier liegt noch Uruwolle in der Farbe Huertas - laubgrün mit gelben Flecken -, die schon lange verstrickt werden möchte.
Aber zuerst mache ich mich nun mal hinter mein Selbstgesponnenes. Mittlerweile sind zwei Mustersätze gestrickt und ich versöhne mich langsam mit dem Material. Wenn es noch etwas gewachsen ist, zeige ich wieder ein Bild.

Freitag, 31. August 2007

Victorian Capelet liegt in den letzten Zügen!



Das Capelet aus "Victorian Lace Today" ist fertig gestrickt, die Randborte beendet, und wider Erwarten ist alles aufgegangen wie beschrieben. Ich hatte eigentlich erwartet, an den Ecken noch etwas "schummeln" zu müssen, ganz genau passt es ja eigentlich nie (bei mir jedenfalls). Aber dieses Mal hat alles gestimmt.
Das Aufnadeln war keine Kleinigkeit, denn das Capelet entspricht einem offenen Kreis mit etwas überlappenden Kanten. Das richtig übereinander zu bringen, war noch mal eine Geduldsprobe.
Das Muster ist übrigens sehr einfach zu stricken. Ich bin vergleichsweise schnell fertig geworden: Die Strickzeit betrug nur drei Wochen! Allerdings war die Fertigstellung der Randborte eine richtige Plackerei. Der Außenrand eines Kreises ist nun mal verdammt l-a-n-g. Wer will, kann's berechnen, der Durchmesser beträgt ca. 115 cm. Da war doch was mit Pi ...?

Ich bin gespannt, wie das Capelet getragen aussehen wird! Auf jeden Fall ist es, wie alles aus Uruwolle, herrlich warm und weich auf der Haut.

Genaueres zu Design und Verbrauch folgt am Wochenende!

Bilder Upload

Donnerstag, 30. August 2007

Tannhäuser, selfmade



Das ist der Anfang eines Spitzenschals aus meinem selbstgesponnenen Uru-Roving, Farbe Magnolia. Um die 85 Gramm habe ich versponnen, und der Faden ist, wie schon erwähnt, sehr fein geworden - über 800 Meter, auf 100 Gramm umgerechnet über 900 Meter.
Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Der Faden ist zu fein und zu fest. Ich muss unbedingt lernen, nicht ganz so dünn zu spinnen und gleichmäßiger auszuziehen.
Aber das Wichtigste habe ich erreicht: ein verstrickbares Singlegarn. Der Faden reißt nicht. Ich glaube, ich könnte ihn sogar auf der Maschine verstricken, aber das traue ich mich noch nicht. Das Muster ist ein Entwurf von Eugen Beugler, eine Abwandlung des Pfauenschweifmusters. Er nennt es "ostrich plume", Straußenfeder. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das der Name einer Aster.
Hm, warum fällt mir da sofort Gottfried Benns Kleine Aster ein? Ich könnte den Schal galgenhumorig "Gottfried" nennen, aber nun bleibt es bei "Tannhäuser"!
Ich will den Faden nicht schlechtmachen ... muss halt lernen und üben; immerhin ist es ein Faden, reißt nicht und drillert auch nicht.
Ruhe sanft, kleine Aster!

Donnerstag, 23. August 2007

Fleißig im Urlaub ...



Mein Urlaubs-Strickprojekt war das Capelet aus "Victorian Lace Today" auf Seite 112. Dort ist es in Weiß gestrickt. Mir ist es nicht gegeben, so lieblich auszusehen; ich habe Uruwolle in der Farbe Perla Roja genommen und, um der Maschenprobe gerecht zu werden, diesmal die Nadelstärke 4,5. Das "Cape Center" habe ich auch tatsächlich in Frankreich komplett gestrickt, aber dann hatte ich für die Randborte nicht die passende Nadel dabei, deshalb wurde das schicke Teilchen im Urlaub nicht fertig. Aber nun kann es sich nur noch um wenige Tage handeln. Ich bin mächtig gespannt auf den Sitz. Das Capelet müsste geblockt eine Kreisform ergeben. Wenn ich es mir probeweise um die Schulter drapiere, sieht es schon ganz vernünftig aus.



In Emis letztem Spinnpäckchen war u.a. dieser Abschnitt Uru-Roving in der Farbe Magnolia, um die 80 Gramm. Das sollte nun mein erstes einfädig verstrickbares Garn werden. Ich hatte mir so schön ausgerechnet, dass ich es vor dem Urlaub schnell spinnen könnte und dann nach dem Urlaub abhaspeln.
Tja, ganz so wie gedacht wurde es dann doch nicht, es hat eine astronomische Lauflänge von über 800 Metern, umgerechnet auf 100 Gramm über 900 Meter. Und gerissen ist es auch beim Abhaspeln - vier Mal! Trotzdem werde ich probieren, es einfädig zu stricken. Ich übe ja noch. Wenn es nicht klappt, habe ich jedenfalls wieder was zugelernt. Und wenn doch, dann werde ich einen schönen kleinen Schal machen - ohne Randborte, damit der Farbverlauf schön herauskommt, nach einer Vorlage von Eugene Beugler.
Ich nenne das Garn "Tannhäuser". Einen großen Teil habe ich nämlich gesponnen, während ich mir eine Aufzeichnung von den Opernfestspielen in Salzburg anschaute - na ja, ich bin keine große Wagner-Liebhaberin, aber es war doch schön.



Hier das versprochene Bild von der französischen Spinnwolle. Gekauft in einer Filaterie in Niaux für neun Euro fünfzig. Es ist etwas über ein Pfund. Mehr passte leider nicht in den Koffer, sonst hätte ich bestimmt ein Kilo genommen. Mit meinem armseligen Französisch war ich nahe dran, den Inhaber der Filaterie nach dem "nom de mouton" zu fragen. Was er dann wohl geantwortet hätte? Jeanette, Pascal, Ugolin, Clementine? Gott sei Dank fiel mir noch rechtzeitig das Wort "race" ein. Das Schaf nennt sich "mouton tarasconais". Tarascon ist ja in der Literatur bekannt durch sein Untier und den tapferen Tartarin.



Apropos Untier: Das ist ein Mitbringsel aus dem Wald Brocéliande in der Bretagne, wo der Ritter Lancelot aufwuchs und der sagenhafte Merlin begraben liegt. Ich habe Merlins Grab besucht. Es war mit Zettelchen vielfach geschmückt, auf denen zum Beispiel zu lesen stand: "Lieber Merlin! Bitte mach, dass ich 14.000 Euro im Lotto gewinne. Es geht um Leben und Tod. Danke!"
Hoffen wir, dass der Wunsch in Erfüllung ging. Ich habe mir für zwei Euro dieses Spinnmaskottchen gegönnt, das eine Portion Magie aus Brocéliande mitbringt und deshalb Célie heißt.

Und nun heißt es ranklotzen, denn 1. ist das Capelet fertigzustellen, 2. ist die Regenbogenjacke auch noch nicht fertig, 3. ist die grüne Jacke aus meiner allerersten selbstgesponnenen Wolle auch noch nicht fertig, 3. möchte ich das Tannhäusergarn verstricken, 4. liegt da das Untier aus Tarascon und 5. noch eine Menge anderer Spinnwolle. Und so weiter und so fort, ich könnte bis 50. weitermachen. Kennt man ja. Geht ja allen so, die spinnen und / oder stricken.

Dienstag, 21. August 2007

Der Schmollfisch war im Seidenmuseum

und hat nebenan ein paar Eindrücke geschildert und bebildert.

Hier:
Le musée de la soie à St Hippolyte du Fort

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