Uralte Vorlagen

Hatte ich nicht beschlossen, öfter zu bloggen? Leider wird daraus bislang nicht viel. Ich blogge nur länger. Dieses hier wird wieder ein langer Eintrag.

Ich war über Ostern zwei Wochen auf Gran Canaria. Es ist nicht die schönste der Kanareninseln, jedenfalls meiner Meinung nach (La Palma und vor allem La Gomera sind schöner), aber wir haben ein paar wunderbare Wanderungen machen können und vor allem ist das Meer dort, wo wir wohnten, in Maspalomas, richtig schön frisch und angenehm. Kleine Ferienanekdote: Nun gehöre ich (denke ich jedenfalls) nicht zu den Leuten, die in jedem Urlaubsort zwanghaft irgendwelchen Talmi kaufen müssen, aber wenn ich schöne Sachen ausliegen sehe, riskiere ich schon mal einen Blick. In diesem Fall waren es die Souvenirbuden im Landesinneren (Nähe Tejeda), die mein Interesse weckten; ich sah dort schon von weitem bunte Wollsachen hängen. Ich ging also hin, um mir näher anzusehen, was es dort gab. Das hätte ich besser bleiben lassen. Um es kurz zu machen, ich wurde sofort angesprochen, lehnte die quietschbunt gewebten Jacken ab (mit Verweis auf mein reifes Alter) und wurde in den Hintergrund der Bude bugsiert, wo ich eine Zopfmusterjacke aus reiner Wolle (!) mit sauber eingenähtem Reißverschluss (!) für 4 Euro (!!!) angeboten bekam. Ich habe keine andere Erwiderung gefunden als einen empörten Aufschrei. Was der Inhaber der Bude wohl so deutete, dass mir vier Euro zu teuer sei; er erklärte mir wortreich, dass das original grancanarische Muster seien und seine Familie hätte das Teil gestrickt. Mir fehlten einfach die Worte. Ich bin davongerannt. Später habe ich ergoogelt, dass die Stricksachen, die auf Gran Canaria angeboten werden, zum Großteil aus Marokko stammen.

Aber ich habe selbst gestrickt auf Gran Canaria. Ich habe mir eine Tunika aus Bambusgarn gestrickt. Die Vorlage stammt aus einem Stricktrends-Heft von 2006. Aus dieser Zeit besitze ich zwei Stricktrends-Sommerhefte, in denen eine solche Fülle schöner Vorlagen drin ist, dass ich danach praktisch kein Sommerheft mehr gebraucht hätte.

Diese Tunika vereint zwei Vorlagen. Das Muster stammt von einem Shirt, der Schnitt (und das Muster der Ärmel) von einer Seidentunika.



Das Bambusgarn ist recht schwer und hängt sich mächtig aus, daher der Zipfeleffekt an den Seiten (im Schnitt sind das einfach gerade Teile). Ich trage zur Zeit, wenn es warm ist, sehr gern diese knielangen Kleider mit Spaghettiträgern und habe davon zwei in diesem hellen Zimtton. Dazu passt die Tunika sehr gut.

Nachdem ich dieses Teil fertig gestrickt hatte, ging es sofort mit diesem weiter:



Inzwischen habe ich (vor allem aus mehreren Tauschaktionen) einen Vorrat an dem schönen Leinengarn von LitYarn angesammelt und war gespannt, wie sich dieses Garn strickt. Es hat Lacestärke und ich habe Nadeln Nr. 3,5 genommen, was ein sehr lockeres Gestrick ergibt. Das wärmt natürlich nicht und ist auch nicht blickdicht, es ergibt eher so eine Art Überwurf für heißes Wetter. Mein erstes Stück aus diesem Leinengarn ist also dieses Top; das Muster habe ich ebenfalls aus dem oben genannten Stricktrends-Heft entnommen. Dort sind eigentlich lange Ärmel vorgesehen, aber die habe ich weggelassen. Das Top hab 160 Gramm verbraucht, in der gleichen Farbe sind noch 260 Gramm übrig. Ich werde vielleicht noch ein passendes Bolerojäckchen dazu stricken. Das Garn ist natürlich völlig unelastisch, zwar farblich sehr schön und auch gut verstrickbar, aber als Kleidung wirklich eher Zierde als funktional. Für extreme Temperaturen halt (ich erinnere mich noch gut, wie mir in Katalonien der Schweiß an den Innenseiten der Oberschenkel runterlief, wenn ich im Rock ging).

Nun nur noch eine Kleinigkeit. Ich habe meinen Kleiderschrank aufgeräumt, jawohl. Ich habe acht Teile aussortiert. Von diesen acht Teilen habe ich danach sechs wieder einsortiert. Zunächst mal war ich sehr erstaunt, wie viele Sachen mir passen, obwohl ich sie seit mindestens fünf Jahren als "nicht mehr passend" an die Seite geschoben habe. Habe ich abgenommen, ohne es zu merken? Anscheinend ja - ich wiege mich nie. Wäre ja fein. Unter den Sachen, die ich seit fünf Jahren und länger nicht mehr getragen habe, war jedenfalls diese selbst genähte Hose:



Sie ist ziemlich weit, ähnlich wie eine Jeans geschnitten (allerdings ohne Hüftsattel, mit zwei Abnähern hinten) und aus einem schweren, samtartigen, aber elastischen Stoff. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich diese Hose genäht habe; jedenfalls habe ich zeitgleich noch eine andere Hose gearbeitet aus hell gemustertem Kordsamt, und diese letztere habe ich bei der Erstkommunion meiner jüngeren Tochter getragen. Das müsste 2001 oder 2002 gewesen sein. So alt ist diese Hose also ungefähr. Sie passt nach wie vor gut; zwischendurch hat sie mal nicht mehr gepasst, aber jetzt halt wieder (im Moment sitzt sie sogar ziemlich locker). Nur dieses wilde Muster, oje! Rot geht nicht dazu (es sei denn das genau gleiche Rot, aber das wäre klar zuviel Rot), Blau oder Lila überhaupt nicht und an Grün höchstens ein dunkles Oliv, was ich nie trage. Damals habe ich mir wohl vorgestellt, die Hose mit schwarzen Oberteilen zu kombinieren, aber die Anzahl meiner schwarzen Oberteile hält sich derzeit in engen Grenzen - ich habe eigentlich nur eine schwarze Tunika mit Stickerei, die Stickerei ist vorwiegend blau, das passt also schon mal nicht; und ansonsten Beerdigungsklamotten, die ich normal nie trage. Ich bin zu alt, um mich freiwillig schwarz zu kleiden. Die einzige Lösung, die Hose noch tragbar zu machen, war eine Überfärbung.



Schon klar, das ist noch mehr Schwarz als zuvor. Aber es passt jetzt zu Rot, Blau, Pink und allem anderen, was ich so im Schrank habe. Das Muster ist noch schwach erkennbar; insgesamt wirkt die Hose eher schwarzbraun als richtig schwarz, aber ich bin jedenfalls zufrieden mit dem Effekt. Die Farbe ist übrigens vom Simplicol, gefärbt habe ich der Waschmaschine und zwar unmittelbar bevor ich eine Ladung ohnehin schwarzer Klamotten zu waschen hatte (Herr Schmollfisch trägt nur schwarze Jeans) - das erspart die Reinigung der Maschine. Das Teil ist wieder tragbar. Ich kaufe nur noch sehr wenig Kleidung und halte nichts davon, gut erhaltene Sachen wegzuschmeißen.

Demnächst mehr. Ich brenne zur Zeit auf halber Flamme wegen einer zahnärztlichen Op, an die sich eine scheußliche Nebenhöhleninfektion angeschlossen hat; ich habe mich sogar gestern mit Fieber ins Bett legen müssen, was mir seit Jahren nicht passiert ist. Aber jetzt fühlt es sich an, als ginge es wieder bergauf.

Wohnsitze





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