Gut abgehangen

Altlasten, Sorgenkinder, Wollkistenhüter ... alles wenig freundliche Bezeichnungen für Garne, die schon Ewigkeiten herumliegen. Ich nenne sie mal "gut abgehangene Wolle", denn es ist ja nicht so, dass ich diese Wolle nicht mag. Sonst würde ich sie verkaufen oder verschenken.

Eine extrem abgehangene Wolle (wenn auch nicht die älteste, die ich besitze, davon ein andermal) ist dieses gefachte Garn, ein sog. "Designergarn", die ich von einer Strickforenfreundin gekauft habe. Ich glaube, damals gab es Ravelry noch gar nicht. Jedenfalls habe ich diese Wolle erst vor ein paar Tagen aus der Versenkung hervorgeholt und in meinen Stash bei Ravelry aufgenommen.



Ich wollte irgendwann mal eine Jacke davon machen und habe, da ich fürchtete, dass das Garn nicht reicht, erst mal einen Ärmel gestrickt. Als überdimensionale Maschenprobe sozusagen. Dann habe ich Wolle in einer ähnlichen Farbe zur Ergänzung dazugekauft, was völliger Schwachsinn war, da sie zwar farblich, aber nicht in der Nadelstärke dazupasst. Es war sowieso eine Schnapsidee, dieses sehr besondere Garn irgendwie "ergänzen" zu wollen. Ich werde jetzt etwas daraus stricken, und zwar eine ärmellose Weste mit tiefem Ausschnitt. Dafür reicht es.

Bei der Aufnahme (Nerds nennen das "Einpflegen") in den Ravelry-Stash habe ich die Wolle mit der Feinwaage quantifiziert: Es sind reichlich 500 Gramm mit der Lauflänge 150 Meter / 100 Gramm. Ich stricke mit Nadelstärke 5; 17 Maschen sind 10 cm breit in glatt rechts - das weiß ich noch von dem Ärmel, den ich wieder aufgeribbelt habe. In den nächsten Tagen starte ich mit der Weste.


Noch ein Garn, das auf gutem Weg war, in Winterschlaf zu verfallen: die schöne Knäuelwolle aus Chinchero. In diesem Eintrag habe ich bereits berichtet, dass die Wolle zum Weben bestimmt war und vermutlich zu diesem Zweck total überdrallt wurde. Zum Stricken war sie in dieser Form ungeeignet; das Garn fühlte sich an wie Paketschnur und bildete ungezügelte Kringel. Ich habe also die Wolle komplett rückwärts durchs Spinnrad geschickt. Auf den ersten Blick sah das aus, als brächte es nichts. Der abgehaspelte Strang sah so aus:



Nach einem ausgiebigen Entspannungsbad und Ausklopfen auf dem Balkon ist die Wolle jedoch schön glatt getrocknet. Natürlich ist sie jetzt sehr ungleichmäßig gezwirnt, aber das macht nichts, das Strickbild ist einwandfrei. Ich stricke auch aus diesem Garn eine Weste, die ich über langen Blusen und Tuniken tragen möchte. Für ein Teil mit Ärmeln reicht die Wolle nicht, aber für eine Weste geht es gut aus.
In den 80er Jahren habe ich mal einen Pullover (in der damals modischen überweiten Kastenform) in Schwarz und Rot gestrickt, in einem Hebemaschenmuster aus einem Nicole-Heft. Das Muster hatte nur zwei Rapporte pro Leibteil und schrägelte musterbedingt erheblich, was aber im Tragen nichts ausmachte, es sah sogar recht witzig aus. Dieses Muster lege ich nun neu auf. Hier der Anstrick. Inzwischen ist das Teil ca. 25 cm hoch und hat auch ein Bündchen im zweifarbigen Rippenmuster.



Man sieht noch nicht viel, aber das Prinzip ist zu erkennen: Es wird jeweils mit nur einer Farbe gestrickt; abwechselnd zwei Runden hellblau und vier Runden schwarz. In der ersten hellblauen Runde lässt man in bestimmten Abständen eine Masche fallen bis zur vorhergehenden letzten hellblauen Runde und zieht diese blaue Masche hoch, um sie mit den vier schwarzen Querfäden abzustricken. Der Witz dabei ist, dass das ganze Muster - also die jeweils fallengelassenen Masche - in jedem Mustersatz um eine Masche nach rechts versetzt wird. Das Muster schraubt sich also gewissermaßen um das Strickteil herum; daher der "Schrägeleffekt". Es beult auch ein wenig, aber nicht sehr, da ich schön locker stricke (muss man bei dieser Technik auch). Ich weiß noch nicht recht, wie ich den Ausschnitt machen soll. Auf jeden Fall soll es ein weiter Ausschnitt sein, weil ich mir gern eine türkisfarbene Bluse mit Stickerei vorne um die Knopfleiste herum nähen möchte (den Stoff habe ich schon). Die Stickerei sollte schon ein wenig zu sehen sein, auch wenn ich die Weste über der Bluse trage. Vielleicht mache ich einen tiefen, weiten Ausschnitt mit einem schlichten Rollrand.


Fertig: das Mexikotuch

Ich konnte Lanarta vor einer Weile mit ein paar Lochkarten für die Strickmaschine (die ich doppelt hatte) aushelfen; zum Dank dafür hat sie mir netterweise diese wunderschöne Anleitung geschenkt: Mayan Garden (Ravelry-Link). Das Tuch ist sehr kreativ gestaltet, mit einer außergewöhnlichen Fülle von verschiedenen Musterelementen, und sieht auf den Projektfotos bei Ravelry herrlich aus. Leider ist es - durch meine eigene Schuld - nicht so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe; vor allem ist es mit 150 mal 60 cm für meine Verhältnisse zu klein. Das hätte ich mir natürlich denken können, denn die Anleitung sieht Sockenwolle vor, und ich habe Wollmeise Lace genommen (von der ich nun noch ein dickes Knäuel über habe), aber was solls. Das Tuch ist dünn und fein, die eher kleine Größe prädestiniert es zum Sommertuch. Ich werde es erst mal liegen lassen und schauen, wie es sich in der wärmeren Jahreszeit bewährt. Über dem Mantel kommt es nicht zur Geltung, aber vielleicht über den nackten Schultern ...


Design: Kitman Figueroa

Ich habe mich geärgert, aber jetzt nicht mehr. Ist halt so. Große Tücher habe ich ja genug und aus dem Rest Lace mache ich dann halt ein Top oder was anderes.
Michaela (Gast) - 17. Jan, 09:51

Oh, ja, bei "gut abgehangen" kann ich mitreden

Im Vorrat befinden sich Garne aus den späten 80-ern und den frühen 90-ern, allerdings nur teilweise selbst beschafft. Konengarne, die mir praktisch nachgeworfen wurden, aber auch erst kürzlich eingewanderte Garne von einer Jemandin, die das Stricken aufgeben musste.
Da passiert es dann, dass Garne dabei sind, die einem weder von der Zusammensetzung noch von der Farbe zusagen. Das sind dann richtige Herausforderungen bei den Projekten.

Ich bewundere übrigens Leute, die ihre Garne brav bei Ravelry einstashen. Ich habe für mich den Nutz und Frommen noch nicht erkannt. Eine einfache Eingangs- und Überschussrechnung am Ende des Jahres reicht mir als Bilanz

schmollfisch - 17. Jan, 12:35

Ich habe eine Unmenge Wolle, die nicht im Stash steht: Discounter-Sockenwolle, Baumwolle in "Catania-Stärke", Konenwolle, geschenkte Mohairwolle mit reichlich Poly ... In den Stash nehme ich eigentlich nur die wirklich hochwertige Wolle auf (von ein paar Ausnahmen abgesehen). Wenn ich für einen Strang Wolle zwanzig Euro abgedrückt habe, möchte ich daran erinnert werden, dass der noch unverstrickt hier liegt, ehe ich den nächsten Strang Wolle zum gleichen Preis kaufe ;o)

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