Donnerstag, 12. Januar 2017

Gut abgehangen

Altlasten, Sorgenkinder, Wollkistenhüter ... alles wenig freundliche Bezeichnungen für Garne, die schon Ewigkeiten herumliegen. Ich nenne sie mal "gut abgehangene Wolle", denn es ist ja nicht so, dass ich diese Wolle nicht mag. Sonst würde ich sie verkaufen oder verschenken.

Eine extrem abgehangene Wolle (wenn auch nicht die älteste, die ich besitze, davon ein andermal) ist dieses gefachte Garn, ein sog. "Designergarn", die ich von einer Strickforenfreundin gekauft habe. Ich glaube, damals gab es Ravelry noch gar nicht. Jedenfalls habe ich diese Wolle erst vor ein paar Tagen aus der Versenkung hervorgeholt und in meinen Stash bei Ravelry aufgenommen.



Ich wollte irgendwann mal eine Jacke davon machen und habe, da ich fürchtete, dass das Garn nicht reicht, erst mal einen Ärmel gestrickt. Als überdimensionale Maschenprobe sozusagen. Dann habe ich Wolle in einer ähnlichen Farbe zur Ergänzung dazugekauft, was völliger Schwachsinn war, da sie zwar farblich, aber nicht in der Nadelstärke dazupasst. Es war sowieso eine Schnapsidee, dieses sehr besondere Garn irgendwie "ergänzen" zu wollen. Ich werde jetzt etwas daraus stricken, und zwar eine ärmellose Weste mit tiefem Ausschnitt. Dafür reicht es.

Bei der Aufnahme (Nerds nennen das "Einpflegen") in den Ravelry-Stash habe ich die Wolle mit der Feinwaage quantifiziert: Es sind reichlich 500 Gramm mit der Lauflänge 150 Meter / 100 Gramm. Ich stricke mit Nadelstärke 5; 17 Maschen sind 10 cm breit in glatt rechts - das weiß ich noch von dem Ärmel, den ich wieder aufgeribbelt habe. In den nächsten Tagen starte ich mit der Weste.


Noch ein Garn, das auf gutem Weg war, in Winterschlaf zu verfallen: die schöne Knäuelwolle aus Chinchero. In diesem Eintrag habe ich bereits berichtet, dass die Wolle zum Weben bestimmt war und vermutlich zu diesem Zweck total überdrallt wurde. Zum Stricken war sie in dieser Form ungeeignet; das Garn fühlte sich an wie Paketschnur und bildete ungezügelte Kringel. Ich habe also die Wolle komplett rückwärts durchs Spinnrad geschickt. Auf den ersten Blick sah das aus, als brächte es nichts. Der abgehaspelte Strang sah so aus:



Nach einem ausgiebigen Entspannungsbad und Ausklopfen auf dem Balkon ist die Wolle jedoch schön glatt getrocknet. Natürlich ist sie jetzt sehr ungleichmäßig gezwirnt, aber das macht nichts, das Strickbild ist einwandfrei. Ich stricke auch aus diesem Garn eine Weste, die ich über langen Blusen und Tuniken tragen möchte. Für ein Teil mit Ärmeln reicht die Wolle nicht, aber für eine Weste geht es gut aus.
In den 80er Jahren habe ich mal einen Pullover (in der damals modischen überweiten Kastenform) in Schwarz und Rot gestrickt, in einem Hebemaschenmuster aus einem Nicole-Heft. Das Muster hatte nur zwei Rapporte pro Leibteil und schrägelte musterbedingt erheblich, was aber im Tragen nichts ausmachte, es sah sogar recht witzig aus. Dieses Muster lege ich nun neu auf. Hier der Anstrick. Inzwischen ist das Teil ca. 25 cm hoch und hat auch ein Bündchen im zweifarbigen Rippenmuster.



Man sieht noch nicht viel, aber das Prinzip ist zu erkennen: Es wird jeweils mit nur einer Farbe gestrickt; abwechselnd zwei Runden hellblau und vier Runden schwarz. In der ersten hellblauen Runde lässt man in bestimmten Abständen eine Masche fallen bis zur vorhergehenden letzten hellblauen Runde und zieht diese blaue Masche hoch, um sie mit den vier schwarzen Querfäden abzustricken. Der Witz dabei ist, dass das ganze Muster - also die jeweils fallengelassenen Masche - in jedem Mustersatz um eine Masche nach rechts versetzt wird. Das Muster schraubt sich also gewissermaßen um das Strickteil herum; daher der "Schrägeleffekt". Es beult auch ein wenig, aber nicht sehr, da ich schön locker stricke (muss man bei dieser Technik auch). Ich weiß noch nicht recht, wie ich den Ausschnitt machen soll. Auf jeden Fall soll es ein weiter Ausschnitt sein, weil ich mir gern eine türkisfarbene Bluse mit Stickerei vorne um die Knopfleiste herum nähen möchte (den Stoff habe ich schon). Die Stickerei sollte schon ein wenig zu sehen sein, auch wenn ich die Weste über der Bluse trage. Vielleicht mache ich einen tiefen, weiten Ausschnitt mit einem schlichten Rollrand.


Fertig: das Mexikotuch

Ich konnte Lanarta vor einer Weile mit ein paar Lochkarten für die Strickmaschine (die ich doppelt hatte) aushelfen; zum Dank dafür hat sie mir netterweise diese wunderschöne Anleitung geschenkt: Mayan Garden (Ravelry-Link). Das Tuch ist sehr kreativ gestaltet, mit einer außergewöhnlichen Fülle von verschiedenen Musterelementen, und sieht auf den Projektfotos bei Ravelry herrlich aus. Leider ist es - durch meine eigene Schuld - nicht so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe; vor allem ist es mit 150 mal 60 cm für meine Verhältnisse zu klein. Das hätte ich mir natürlich denken können, denn die Anleitung sieht Sockenwolle vor, und ich habe Wollmeise Lace genommen (von der ich nun noch ein dickes Knäuel über habe), aber was solls. Das Tuch ist dünn und fein, die eher kleine Größe prädestiniert es zum Sommertuch. Ich werde es erst mal liegen lassen und schauen, wie es sich in der wärmeren Jahreszeit bewährt. Über dem Mantel kommt es nicht zur Geltung, aber vielleicht über den nackten Schultern ...


Design: Kitman Figueroa

Ich habe mich geärgert, aber jetzt nicht mehr. Ist halt so. Große Tücher habe ich ja genug und aus dem Rest Lace mache ich dann halt ein Top oder was anderes.

Montag, 2. Januar 2017

Tauschprojekte - Bilanz

Immer am Jahresende stricke ich Sachen für andere, meistens für irgendwelche Tauschgeschäfte. Ich weiß nicht, warum das so ist. Diesmal lag es jedenfalls nicht daran, dass ich mich auf Facebook erboten hätte, bunte Stulpen zu stricken - das hat mir nämlich im letzten Jahr mehr Aufträge beschert, als ich eigentlich bequem schaffen konnte (wenn ich mich auch über jeden einzelnen gefreut und alle getreulich erfüllt habe). Diesmal wollte ich es langsamer angehen lassen, zumal ich im November einen ganzen Stapel Loops für den Markt gestrickt habe, wie man hier und hier nachlesen kann.

Von den zehn Loops wurden sechs direkt verkauft (was ich für eine ganz gute Bilanz halte) und weitere zwei habe ich inzwischen gegen schöne Wolle vertauscht; zu haben sind noch der Pinke und der Schrille. Wenn sie jemand haben möchte, einfach bei mir melden. Ich würde sie verkaufen oder wie gesagt auch gegen Wolle tauschen.

Meine Safarimütze hat mir einen kleinen Strickauftrag eingebracht, eine Fairisle-Mütze nach einer Anleitung aus der Knitty. Das Muster heißt Ogiku. Ich bekam von der Auftraggeberin einen Karton Sockenwollreste, die farblich zu ihrer Wintergarderobe passen sollten. Die Anleitung sieht vor, dass sowohl die Haupt- als auch die Nebenfarbe alle paar Reihen gewechselt werden sollen, aber nie beide zur gleichen Zeit, so dass wenigstens an keiner Stelle gleich zwei neue Fäden anzusetzen sind. Trotzdem sind am Ende unglaublich viele Fäden zu vernähen. Man kann natürlich einen Teil davon auch einweben, aber wenn ich die Mütze noch einmal stricke, würde ich auf jeden Fall die Hälfte der Fäden an der gegenüber liegenden Mützenseite wechseln, also in der Rundenmitte. Leider habe ich bei dieser Mütze nicht durchgehend daran gedacht.

Der Effekt dieser reichen Farbskala ist aber herrlich und lohnt die Mühe absolut. Hier eine Draufsicht, über einen Teller gespannt.



Und hier der Puppenkopf mit der fertigen Mütze, die eine schöne Barettform hat (und deshalb auch mir stehen würde).


Design: Sarah Mombert

Ich habe schöne Wolle im Tausch bekommen und danke nochmals für den Auftrag. Die Mütze wird bestimmt noch ein zweites Mal gestrickt.


Projekte fürs Wanderpaket

Das Kreativ-Wanderpaket ist auf seiner Runde - der siebzehnten, wenn ich es richtig behalten habe - auch mal wieder bei mir vorbeigekommen. Meine Erwartungen waren etwas heruntergeschraubt. Den Auskünften meiner Vor-Empfängerinnen nach war nur wenig Genähtes drin, auch nur wenige Fasern oder handgefärbte Wolle; die liebe Martina, die immer so schönen Schmuck macht, hatte das Paket an sich vorbeiziehen lassen und Seife gab es auch nicht. Vielmehr hieß es, das Paket sei hauptsächlich mit Stricksachen voll - und die nehme ich meistens nicht; Stricken kann ich ja selbst.
Trotzdem habe ich diesmal etwas Gestricktes genommen, nämlich einen ganz wunderschönen, großen und breiten Schal in leuchtendem Weiß mit Aranzöpfen. Meine Tochter liebt klassische weiße Sachen und war begeistert, als ich ihr den Schal zu Weihnachten schenkte. Auch etwas handgesponnene Wolle habe ich entnommen - natürlich kann ich auch selbst spinnen, aber so dicke Wolle nur selten.

Aufgefüllt habe ich, wie immer, mit Handschuhen. Unter anderem mit einem Paar "Maurerstulpen" aus 6fach-Sockenwolle. Ich nenne sie so, weil das Muster an eine Backsteinwand erinnert.

Bei Ravelry wurde ich prompt gefragt, wie man das strickt, und habe eine kleine Anleitung erstellt, die ich hier hereinkopiere. Rein vorsorglich - ich bin keine geübte Anleitungsschreiberin und kann nicht für Fehlerfreiheit garantieren.


Design: meins


Mauererstulpen-Rezept

Grundmuster: Maschenzahl teilbar durch 6.
In Farbe 1 (hier hellgrau) eine Runde rechte Maschen und eine Runde linke Maschen stricken.
Dann * in Farbe 2 (hier rot) 4 Runden rechte Maschen stricken. Dabei jede 6. Masche nicht stricken, sondern die darunterliegende Masche in Farbe 1 abheben.
In Farbe 1 eine Runde rechte Maschen stricken, auch die bis dahin jeweils abgehobenen Maschen. Dann noch eine Runde linke Maschen in Farbe 1 stricken.
Ab * wiederholen.

Anschlag für die Stulpen 54 Maschen in Farbe 2. 12 Runden 1re/1li Bündchen stricken, dann mit dem Grundmuster beginnen.
Beliebig viele Mustersätze stricken - bei mir sind es nur zwei (der Wollrest war klein), man kann auch mehr stricken.
Mit dem Daumen an beliebiger Stelle beginnen, und zwar in einer der 4 Reihen in Farbe 2 (hier rot). Vor und nach der 4. roten Masche des Mustersatzes 1 Masche aus dem Querdraht herausstricken. Am besten vor und nach der Zunahme einen Markierer einhängen.
Im Muster weiterstricken, in der dritten darauffolgenden Reihe hinter dem ersten Markierer und vor dem zweiten Markierer wieder eine Masche zunehmen und dann genauso weiter in jeder dritten Reihe, so dass jedes Mal 2 Maschen dazukommen. Die Maschen zwischen den Markierern nicht im Grundmuster stricken, sondern einfach 2 Reihen Farbe 1, 4 Reihen Farbe 2, immer glatt rechts.
Sobald 17 Maschen zwischen den Markierern liegen, diese auf zwei Sicherheitsnadeln stillegen, die Markierer entfernen und für die still gelegten Maschen 4 Maschen zusätzlich anschlagen (zur Überbrückung der Lücke), diese dann in den darauf folgenden zwei Reihen wieder abnehmen, so dass normal im Grundmuster weitergestrickt werden kann. Haben die Stulpen die gewünschte Höhe erreicht, wieder ein Bündchen anstricken und den Faden abschneiden.
Die stillgelegten Maschen auf zwei Nadeln nehmen, aus dem Anschlag in der “Lücke” 4 Maschen herausstricken und über diese 21 Maschen ein paar Runden glatt rechts stricken, dann locker abketten. Fäden vernähen. Fertig. Die zweite Stulpe wird ebenso gestrickt.

Falls das jemand nachstricken möchte und Fragen hat oder Fehler findet, bitte mich benachrichtigen!

Und nun hat die Tauscherei ein Ende und ich stricke wieder für mich bzw. die Familie. Vor allem habe ich wieder mit Spinnen begonnen. Das habe ich nämlich sträflich vernachlässigt in den letzten Monaten - keine Ahnung warum. Mir steht mein Faserstash bis zum Hals, da muss dringend was passieren ...

Montag, 12. Dezember 2016

Voll daneben

Ich wollte hier in Zukunft alle Arbeitsschritte festhalten, auch diejenigen, die voll in die falsche Richtung steuern. Deshalb hier wenigstens in aller Kürze das Protokoll eines Reinfalls. Aber insgesamt gesehen hatte ich wohl noch Glück, weil ich es wenigstens frühzeitig gemerkt habe.

Mit dem bunten Tuch (siehe vorherigen Eintrag) hat es ja bestens geklappt. Deshalb plante ich gleich ein zweites, und das Material dafür sollte meine Babyalpaca sein. Diese Wolle habe ich im letzten Jahr in LaPaz gekauft. Der Hersteller bietet normalerweise nur Konfektion aus Alpacawolle an; das Strickgarn konnte ich auf der HP nicht finden.



Die fünf runden Knäuel links sind die aus Bolivien. Es sind genau die fünf Knäuel, die im Laden lagen. In so einer Situation achtet man nicht auf zusammenpassende Farben. Ich habe einfach den Bestand gekauft. Die Wolle ist sagenhaft weich und angenehm im Griff. Eine Lauflängenangabe fehlt auf der Banderole, aber die Wolle hat jedenfalls Sockenwollstärke.

Ich wollte ursprünglich eine Jacke machen und kaufte deshalb im Herbst die hellen Drops-Knäuel rechts dazu - war ein Sonderangebot. Das Garn ist mit 180 m auf 50 gr etwas dicker. Die bunte Wolle, die oben liegt, ist ein altes Restknäuel, auch Alpaca. Ich habe es vor Jahren mal mit KoolAid gefärbt.

Mit diesem Vorrat - insgesamt über 600 Gramm - sollte sich was Nettes machen lassen. Ich hatte so halbwegs Pläne für eine Jacke gemacht, obwohl ich die wahrscheinlich kaum tragen werde, weil Alpaca so furchtbar warm ist, aber manchmal kann man's doch brauchen. (Und wann habe ich mich je gefragt, ob ich etwas Selbstgestricktes wirklich BRAUCHE oder nicht?) Neuerdings habe ich mir aber auch überlegt, ein Tuch daraus zu stricken. Die Drops würde ich dann weglassen und das Tuch als Erinnerung an LaPaz ansehen.

Lasse ich die Drops weg, habe ich von jeder Farbe genau gleich viel. Das erschwert die Wahl des Musters. Beim Wälzen der Mustervorlagen stieß ich auf ein sehr interessantes Muster in dem Buch "Norsk Strikkedesign". Es stammt von Betty Hermansen und stellt Kringel dar, die erstens in entgegengesetzte Richtungen laufen und zweitens unterschiedliche Farben haben. Der Rapport war 28 Maschen breit und ich war zuversichtlich, ihn mit etwas Gebastel auf 24 Maschen - die Lochkartenbreite - stauchen zu können. Also vertiefte ich mich in das Muster und versuchte, eine Vorlage für die Lochkarte zu erstellen.



Nach sehr viel Herumprobieren - ich übertreibe jetzt definitiv nicht, es waren mehrere Stunden - hatte ich das Prinzip begriffen: Es gibt nur zwei verschiedene Arten von Kringeln. Jeder Kringel ist die Spiegelung des darunter liegenden Kringels. Überdies wechselt die Farbgebung: Die Hintergrundfarbe jedes Kringels wird beim darüber liegenden Kringel zur Vordergrundfarbe und es kommt eine neue Farbe als Hintergrundfarbe dazu.

Mir erschien dieses Muster mit den gegenläufigen Kringeln sehr passend. Denn in LaPaz gibt es tatsächlich am Regierungsgebäude eine Uhr, die rückwärts läuft. Unser Guide in Bolivien, ein sehr netter Herr namens Rodriges, der in Deutschland Literatur und Politik studiert hatte (seine Mutter war wegen politischer Verfolgung von Bolivien nach Deutschland geflohen), meinte, man könne vermutlich ein Vermögen verdienen, wenn man solche Uhren als Souvenir anböte. Ich weiß nicht, warum er es nicht selbst versucht hat. (Und ich habe selten einen Menschen getroffen, der bewusst und selbstironisch einen derart breiten Spagat zwischen zwei Kulturen macht.)

Kurz und schlecht, ich kapierte irgendwann das Muster, beschloss, das Tuch "reloj curioso" (= komische Uhr) zu nennen und stanzte die Lochkarte. Ich machte mir einen schnellen Plan, welche Farbe wann Hintergrund- und wann Vordergrundfarbe sein sollte, und strickte drauflos. Vorher setzte ich sogar noch ein paar neue Nadeln ein, denn ich wollte das Tuch so groß wie möglich (200 Nadeln maximale Breite) stricken und mir fehlten ein paar Nadeln an den Rändern.

Ich hatte mit Feuereifer ein kleines Dreieck gestrickt, als mir irgendwann aufging, dass ich am linken Rand (der später die Oberkante des Tuchs wird) ein halbes Muster hatte. Mist, das hatte ich mir nicht richtig überlegt. Unten an der Spitze würde das nichts ausmachen, aber oben, über die volle Breite, wollte ich das nicht. Ein Glück, das mir das relativ früh eingefallen war und nicht erst in der Mitte der Arbeit. Ich nahm mein Dreieck von der Maschine, drehte es um und guckte es erst mal kritisch an.



Ich habe es hier aufgenadelt. Also, das geht gar nicht. Dieses Muster über ein ganzes großes Tuch - nein, es wäre schön gewesen, weil es so gut zu der irren Uhr in LaPaz gepasst hätte, aber es geht überhaupt nicht, unmöglich, rein gar nicht. Und so werde ich das Eckchen wieder ribbeln und nun wahrscheinlich doch eine Jacke stricken. Auch, wenn sie eigentlich viel zu warm ist und so gut wie nie gebraucht wird. Aber wann hätte ich mich je gefragt, ob ich etwas Selbstgestricktes brauche?

Freitag, 9. Dezember 2016

Soon I'll be sixty years old

Die Winterausgabe der Verena wollte ich mir eigentlich diesmal nicht kaufen - ich habe in den letzten Wochen viel zu viel Strickhefte gekauft, ganz abgesehen von der immer länger werdenden Liste mit Sachen, die ich seit Jahren stricken möchte. Schließlich ist das Heft aber doch in den Einkaufskorb gewandert, und zwar deshalb, weil ein Stulpenmodell mit dem phantastischen "Foxpaws"-Muster drin ist. Das wollte ich schon lange ausprobieren und werde es demnächst auch tun. Als erstes habe ich aber ein anderes Modell gestrickt, nämlich #25 Marte:


Design: Anna Maria Busch

Das Modell ist aus Sockenwolle, wird quer von Spitze zu Spitze gestrickt und ist an der breitesten Stelle 180 Maschen breit. Obendrein hat es einen Musterrapport von 24 Maschen, und mit ein paar klitzekleinen Änderungen, die man kaum sieht, habe ich auch keine Spannfäden über mehr als höchstens sechs Maschen.
Mit anderen Worten, die Anleitung passt perfekt zur Strickmaschine.



In der Tiefe meiner Sockenwollkiste fand ich ein paar Knäuel Schoppel Zauberball, die eigentlich für ein anderes Projekt gedacht waren, aber das ist inzwischen sowieso gestrichen, also nahm ich das Garn und dazu einen Strang handgefärbte Sockenwolle in Himbeerrot. Letzterer hat nicht ganz gereicht. Am unteren Ende habe ich auf ein Knäuel Feuerrot zurückgreifen müssen - man sieht es, ich finde es aber nicht störend.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich geändert. Die Anleitung sieht vor, dass man nur in jeder zweiten Reihe zunimmt, und zwar abwechselnd eine Masche und zwei Maschen. Ich habe stattdessen in allen Reihen zugenommen außer in jeder dritten, was die gleiche Schrägung ergibt. (Entsprechend werden dann nach Überschreiten der Spitze die Abnahmen durchgeführt.) Im Originalmodell werden außerdem die Blenden getrennt und stückweise gestrickt, ebenfalls im Einstrickmuster und doppelt liegend, und danach angenäht. Ich habe so etwas noch nie gemacht und wollte ohnehin lieber zweifarbige Bündchen, sog. "corrugated ribs", an meinem Tuch. Die habe ich von Hand direkt angestrickt - mit einer Nadel Nr.2, was eine furchtbar langwierige und langweilige Sache war. Aber da der Korpus des Tuchs gut über die Maschine flutschte, brauchte ich für das ganze Projekt nur vier Tage.



Das ist die letzte eigenmächtige Änderung. Die Anleitung sieht dicke Quasten vor, was nicht so mein Fall ist: Erstens sind sie mir meistens im Wege und tragen auf, und zweitens werden sie nach einiger Zeit unansehnlich. Entweder sie fransen aus oder wirken schmuddelig. Kurz und schlecht, ich mag keine. Statt dessen habe ich kleine Häkelknöpfe gemacht: Einfach eine Spirale häkeln, ein wenig besticken, eine zweite Spirale häkeln und, wenn beide Spiralen gleich groß sind, beides zusammenhäkeln. Ich habe noch einen flachen Plastikknopf eingeschoben, aber nötig ist das wahrscheinlich nicht.

Das Tuch ist so leuchtend bunt, dass es mir eigentlich in meinem Alter peinlich sein sollte, aber ich werde mit zunehmendem Alter immer bunter. Wenn das so weitergeht, sehe ich mit siebzig aus wie ein Kasper - falls ich überhaupt so alt werde. Meine jungen Töchter kleiden sich klassischer als ich. Die ältere mag es zwar farbig, bevorzugt aber Erd- und Laubtöne, und die jüngere mag Retromuster und trägt nur gedeckte Farben.


Man merkt, dass man alt wird, wenn man größtenteils genervt ist von dem, was aus dem Radio kommt. Aber "Soon I'll be sixty years old" mag ich. Auch unabhängig vom Thema, obwohl mich das Thema natürlich in Kürze oder eigentlich schon jetzt betrifft.

Dienstag, 29. November 2016

Die fiesen Tricks der Lochkarte ...

Ich erwähnte schon in einem früheren Eintrag, dass das Arbeiten mit der Lochkarte zwar einen netten Retro-Charme hat, aber auch tückisch ist, weil man nicht so richtig sehen kann, was die Strickmaschine als nächstes zu tun gedenkt. Grund: die vorgewählte Reihe, also die Reihe, die als nächstes gestrickt wird, ist nicht diejenige Reihe, die oben auf der Lochkarte zu sehen ist. Das ist ja auch irgendwie logisch. Die Maschine kann nicht mit einem Signal arbeiten, das oben aus der Maschine herausschaut, das sie also noch gar nicht verdaut hat.

Strickt die Maschine klar und erkennbar etwas Falsches, muss sich die Strickerin also in den Tiefen der Mechanik auf die Suche begeben, was da genau falsch abgelesen wurde. Das heißt: genau merken, welche Lochreihe oben aus der Maschine guckt, die Lochkarte herausdrehen und sieben Reihen weiter unten nachsehen - das ist die Reihe, die vorgewählt wurde. Ich habe zu diesem Zweck eine Schablone, die ich nur noch auf die Lochkarte legen muss. Noch besser ist es, wenn man vorab eine originalgroße Kopie der Lochkarte gemacht hat - dann muss man sie nicht mal herausdrehen, sondern legt die Schablone auf die Kopie.

Genug theoretisch gelabert, hier der Fehler:



Es ist nicht gerade dramatisch, aber wer genau hinsieht, erkennt in der mit dem roten Pfeil markierten Reihe, dass sich da in die schwarzen Felder die eine oder andere helle Masche verirrt hat. Ich habe so eingefädelt, dass die auf der Karte gelochten Felder eine schwarze Masche darstellen, die ungelochten eine weiße. Mit anderen Worten, es muss ein schlecht gelochtes Feld auf der Karte sein, so dass die Maschine weiß strickt, obwohl sie schwarz stricken sollte.

Nun, ich habe das pöse pöse Loch dingfest gemacht. Es ist rot markiert:



Ich kann absolut nicht erkennen, warum die Maschine an dieser Stelle KEIN Loch sieht, obwohl da klar und deutlich eines ist. Sicher ist jedenfalls, an dieser Stelle strickt die Maschine mit weißem Faden, also so, als sei da kein Loch. Ich habe zähneknirschend jedes Mal an dieser Stelle von Hand die nicht vorgewählte Nadel an den gehörigen Platz geschoben. Leider habe ich nicht immer daran gedacht. Der fertige Loop ist fehlerhaft. Aber man sieht es kaum, und dieser Loop wird jedenfalls in der Familie bleiben.



Das bin zwar ich (deutlich erkennbar der Friseurin bedürftig, Termin ist in drei Tagen), aber der Loop ist für meine jüngere Tochter, die nichts Buntes trägt, dafür sehr gerne Retromuster. Das Hahnentrittmuster ist sogar eines ihrer liebsten. Ich habe den Loop am Sonntagnachmittag gestrickt und abends vor dem Fernseher zusammengenäht. Den kleinen Fehler wird meine Tochter sicher verzeihen.


Und das ist der zehnte und letzte Loop für den Markt:



"Der letzte Mohikaner", gestrickt wieder nach einem Muster von Iris Bishop mit der Bezeichnung "Aboriginal Influence". Und heute abend habe ich alle Loops verpackt und für den Versand bereitgestellt. Ich bin sehr gespannt, ob welche gekauft werden. Der für meine Tochter, mit dem Pepitamuster, würde mir selbst auch gefallen - aber wenn ich ihn neu auflege, werde ich auf alle Fälle das pöse pöse Loch vorher gründlich nachstanzen.


PS noch zum Pepita-Loop, falls jemand jetzt hergeht und die Musterunterbrechung, den weißen Streifen, beanstandet: Ein exakt mustergemäßes Zusammennähen der Enden ist unmöglich, das geht rein mathematisch nicht auf. Ich stricke deshalb lieber gleich eine deutlich erkennbare Unterbrechung. Daher auch die Knöpfe.

Sonntag, 27. November 2016

Das Loop-Rezept

Die Strickarbeiten für den Kunsthandwerkermarkt sind abgeschlossen, Gott sei Dank. Ich habe zehn Loops gestrickt. Fotografiert habe ich erst neun, da der zehnte noch zum Trocknen im Keller liegt. Das dauert immer sehr lange, weil da sehr viel Wolle aufeinanderliegt: Zwei Schichten Gestrick mit Spannfäden - also praktisch vier Schichten Wolle aufeinander. Hier "der Blubb":



Ich bin sehr gespannt, ob die Teile verkauft werden. Für den Fall, dass die Kundschaft sich drum reißt und ich noch mehr stricken muss, notiere ich hier für alle Fälle noch einmal genau das Rezept für diese maschinengestrickten Loops.

Das Material ist Sockenwolle. Etwa 200 Gramm sollte man haben, Farbverteilung richtet sich nach dem gewählten Muster, das bei mir mit 24er Lochkarte gestrickt wird.
168 Maschen (7 Rapporte) in Arbeitsstellung. Offener Anschlag mit Kontrastgarn über den großen Anschlagkamm. Gewichte einhängen, mehrere Reihen stricken, dann eine Trennreihe mit Baumwollfaden (mein Nylonfaden ist unauffindbar, ich nehme Filethäkelgarn).

Strickgarn (natürlich gespult und paraffiniert) einfädeln.
Reihenzähler auf Null.
Lochkarte einsetzen, Transport auf Stop.
Maschenweite 8.
Mindestens eine Reihe einfarbig stricken. Das erleichtert das spätere Zusammennähen der Enden. (Ein genau mustergemäßes Zusammennähen ist rein mathematisch nicht möglich, so dass es ohnehin vernünftiger ist, eine kleine Borte einzufügen oder die Unterbrechung anderweitig zu betonen.)
Die erste Maschenvorwahl für das Muster kann entweder schon vor dieser ersten unifarbenen Reihe oder später eingestellt werden. Dafür den Schlitten wie bekannt auf KC.
Ist die erste Reihe vorgewählt, den zweiten Faden einfädeln. Maschenweite auf 10, Lochkarte auf Transport, mittlere Mustertaste am Schlitten gedrückt, Drehschalter bleibt auf KC. Diese vier Einstellungen immer überprüfen, wenn die Arbeit unterbrochen wurde! Das muss hinein in den Kopf!! UN.PE.TINKT!!!! Neue Überprüfung ist auch angesagt, wenn musterbedingt zwischendurch unifarbene Reihen gestrickt werden. (Bei allen unifarbenen Reihen muss auch die Maschenweite umgestellt werden!)

Muster stricken wie man mag. Neue Fäden können ggf. mit einem kleinen Wickelanschlag an der Seite verwahrt werden. Wenn zwischendurch der Faden ausgeht, ruhig ein langes Ende an der Seite hängen lassen - kann man später zum Zusammennähen nutzen.

Der Loop sollte am Schluss etwa 210 bis 220 Reihen lang sein, je nach Muster. Die letzte Reihe wieder unifarben in Maschenweite 8 stricken. Ein langes Fadenende hängen lassen. Kontrast ist am oberen Ende nicht unbedingt nötig, man kann gleich auf die Nadel übertragen, aber sehr dünn und lang sollte sie sein. Anschlagskamm entfernen, die erste Reihe nach der Trennreihe ebenfalls auf eine lange Nadel nehmen, Trennreihe und Kontrast entfernen.

Anfang und Ende von Hand mit Maschenstich aneinandernähen. Das ist furchtbar langwierig, aber entschieden die sauberste und ansehnlichste Methode. Dann den Schal längs falten und die beiden Kanten im Matratzenstich aneinandernähen. Applikationen, Knöpfe usw. sollten vor Abschluss der Naht angenäht bzw. eingeknotet werden, damit sie nur auf einer Seite sichtbar sind (denkbar wären auch Applikationen mit Gegenknopf, aber das stört möglicherweise nachher beim Tragen!).

Den Loop sorgfältig waschen, so falten, dass die Naht in der Unterkante liegt, und liegend trocknen. Während des Trocknens ein paarmal wenden, dann geht es schneller.

Dieser heißt "Rosengarten", und ich werde ihn zum Verkauf anbieten, obwohl ich, wie man sieht, einen genau passenden Mantel habe (den ich allerdings fast nie mehr trage):



Der "Norweger" mit aufgenähten Sternknöpfen - dabei habe ich die Lochkarten vom Weihnachtsnorweger wiederverwendet, außerdem eine bei Pinterest gefundene Vorlage:



Und schließlich "der Jägermeister", der mir nicht hundertprozentig gefällt, aber ich will die Dinger ja verkaufen und vielleicht hat jemand Freude an derart augenschmerzenden Kontrasten:



Natürlich bleibt es nicht aus, dass sich eigene Wünsche auftun bei so viel Strickerei für den Verkauf. Meine jüngere Tochter, die zwar nichts wirklich Buntes trägt, aber eine Schwäche für Retromuster hat, wünscht sich einen Loop in Schwarz-Weiß im "Hahnentritt"-Muster. Den habe ich heute gestrickt und werde ihn, zusammen mit dem zehnten Markt-Loop, demnächst zeigen. Auch für mich habe ich einen in Planung und Herr Schmollfisch wird auch einen bekommen.

Mittwoch, 9. November 2016

Stricken im Akkord

Ich war noch im Urlaub, als ich per Mail die Anfrage einer Forenfreundin bekam: sie hätte im Dezember einen Verkaufsstand bei einem Kunsthandwerkermarkt, und ob ich Lust hätte, zu ihrem eigenen Angebot ein paar schöne Stricksachen dazuzulegen? Mein erster Gedanke war - lieber nein. Erstens war die Zeit sehr kurz; ich konnte erst Anfang November mit dem Stricken beginnen und musste Ende November dann auch gleich alles verschicken. Und zweitens ist es bekanntlich so eine Sache mit dem Verkauf von Stricksachen. Beim Weihnachtsmarkt hier in Fulda entdecke ich regelmäßig handgestrickte Socken für 10 Euro - da sag ich lieber erst gar nichts dazu.

Nach etwas Überlegung habe ich dann aber doch zugesagt. Natürlich kommt in Anbetracht des engen Zeitraums - vorausgesetzt, ich will nicht nur zwei oder drei Teile hinlegen, sondern eine vernünftige Auswahl - nur Maschinengestricktes in Frage. Ich entschied mich für Rundschals in Schlauchform. Das bietet viele Vorteile: erstens ist die Passform egal, alle sind gleich groß. Zweitens kann man bei der Farb- und Musterwahl durchaus kreativ sein, denn da die meisten Leute ihre Wintergarderobe in frischem Steingrau, Aschgrau oder Mausgrau wählen, ist die Hemmschwelle für einen knallig bunten Schal jedenfalls niedriger, als wenn es um Jacken oder Pullover ginge.
Es wäre sehr reizvoll, zu jedem Loop eine passende Mütze zu stricken. Aber ich kann schon froh sein, wenn bis zum Termin eine Auswahl zusammenkommt. Für jeden Loop brauche ich gute drei Stunden: eine Stunde konzentriert an der Maschine und gute zwei Stunden auf dem Sofa zum Schließen der Nähte. Nicht gerechnet die Zeit für Planung, Lochkartenstanzen und Wollewickeln.
Als Material habe ich ausschließlich Sockenwolle gewählt. Die habe ich in großer Auswahl hier liegen (kann bei dieser Gelegenheit also gleich wieder mal den Stash kritisch mustern), sie ist zwanglos im Wolllädchen meines Vertrauens nachzukaufen, und etwaige Fragen der Kundschaft nach Wäsche und Pflege sind leicht zu beantworten. Hätte ich mehr Zeit, würde ich mich vielleicht nach einer schönen Farbauswahl in reiner Merino umsehen. Aber jetzt noch was bestellen kommt nicht in Frage, ich muss mit dem Vorhandenen zurechtkommen.

Mein Probestück, der Prototyp sozusagen, war dieser Loop:



Er wurde mit einer der Standard-Lochkarten für Brothermaschinen gearbeitet. Anschlag 168 Maschen, das sind 7 Rapporte. Der Anschlag ist unten offen, mit Kontrastgarn. Die Höhe beträgt bei allen Loops ca. 220 Maschen, je nach Muster. Dann habe ich sie ohne Abketten von der Maschine genommen, Anfang und Ende im Maschenstich geschlossen und den Schal der Länge nach zusammengenäht. Der fertige Loop ist rundherum 72 cm lang - bequeme Halsweite - und etwa 25 cm hoch. Am Hals läuft die Strickrichtung quer, was natürlich die Musterauswahl etwas einschränkt, aber die ist auch so groß genug. Ich habe eine Menge Vorlagen und bei Pinterest gibt es noch Hunderte von Lochkarten zum Abgucken.

Auf dem Fuße folgte "der Schrille" mit OpArt-Charme:



Habe Knöpfe aufgenäht, die sind aber nur im Innern des Loops festgeknotet und lassen sich auf Wunsch leicht abtrennen. Die Lochkarte habe ich vor Jahren gestanzt nach einer Vorlage aus dem Musterbuch Burda E 952 (Muster 31).

Eines der Muster von Iris Bishop, die ich besonders hoch schätze:



Der Herbstliche. Ich habe das Muster "Russian Influence" schon in meiner Gobelinweste verarbeitet, hatte die Lochkarte also noch. Blätter und Blümchen sind nach einer der schönen Blumen-Anleitungen von Lesley Stanfield (Ravelry-Link) gearbeitet - teils gestrickt und teils gehäkelt.
So ganz zufrieden bin ich nicht mit diesem Loop. Während der Arbeit an der Maschine fand ich ihn toll, weil ich nur die linke Seite sah. Von rechts erscheint er mir sehr rotlastig. Viellecht findet er trotzdem eine Liebhaberin.

Diesen behalte ich vielleicht selbst:



Die Farbstellung ist so genau "meins". Auch dieses Muster stammt von Iris Bishop und heißt "Indian influence".

Heute fertig geworden ist dieser Loop in Delfter Blau:



Iris Bishop, was sonst? "Mediterrenean influence" heißt das Muster, die Borte ist von "Indian influence" entlehnt. Hier noch mit offener Längsnaht fotografiert; inzwischen ist er fertig. Die Längsnaht kommt dann unten in der Bruchkante zu liegen und fällt nicht mehr so auf wie auf dem Bild.

Im Augenblick habe ich noch drei weitere Loops in der Warteschleife: einen mit Rosen (Lochkarte ist schon gestanzt), einen mit poppigen Margeritenblüten und einen mit Blättern. Die beiden ersten Muster habe ich bei Pinterest abgefischt, das Blättermuster wird wieder von Frau Bishop stammen. Zehn bis zwölf Loops insgesamt möchte ich fertigstellen - mit bisher fünf liege ich noch ganz gut in der Zeit. Und dann mache ich auf jeden Fall einen für mich! Mit Zebras - wieder nach Iris Bishop, ich bin zufällig auf das Muster gestoßen und möchte es unbedingt umsetzen.

Ich lerne sehr viel bei der Arbeit an diesen Stricksachen. Selbst wenn ich kein einziges Teil verkaufe, habe ich schon jetzt davon profitiert. Musterstricken klappt inzwischen locker mit links.

Mittwoch, 2. November 2016

Ohne Anleitung



Ich war zwei Wochen unterwegs - ein zweites Mal in Afrika, diesmal unter anderen in zwei der bekanntesten Naturparks, dem Krügerpark (Südafrika) und dem Chobe River Park (Botswana). Da ich von vornherein wusste, dass die Reise anstrengend wird - man wird in diesen Park-Lodges um fünf Uhr früh aus dem Schlaf gerissen, da die Morgensafari um sechs beginnt -, hatte ich nicht viel zum Stricken dabei, nur mein bewährtes flugzeuggeeignetes Täschchen mit Sockenwolle und Holznadelspiel. Im Flugzeug stricke ich zwar nicht, aber für die Wartezeiten am Gate brauche ich dringend eine kleine Strickarbeit. Meistens sind es Handschuhe.

Auch diesmal sollten es eigentlich Handschuhe werden, aber nach der Ankunft im Krügerpark habe ich mich für eine Mütze entschieden. Man glaubt nicht, wie eiskalt es an einem Oktobermorgen um sechs im Krügerpark sein kann - zumal wenn man oben auf dem Geländewagen sitzt! Nun hatte ich für eine Mütze keine Vorlage und auch keine rechte Ahnung, wieviele Maschen ich brauche, aber ich hatte eine dünne Baumwollmütze in Tam-Form dabei - die Form, die mir am besten steht - und konnte daran wenigstens die erforderliche Größe abnehmen. Als Mustervorbild nahm ich, da ich nichts anderes hatte, meine im letzten Jahr genähte Bluse mit Perlhühnern und Federn. Das ist übrigens ein in Südafrika oft gesehenes Stoffmuster.



Der Einfachheit halber startete ich oben in der Mitte mit 8 Maschen und nahm, so lange ich in der Grundfarbe Wollweiß strickte, sehr schnell zu, bis ich genug Maschen hatte, um die Arbeit in acht Segmente unterteilen zu können. Dann begann ich mit dem Einstrickmuster und versuchte, so gut es ging, die Federn nachzustricken. Das war nicht schwer; es ist egal, was man macht, man muss nur acht Mal dasselbe machen. Zunahmen gab es in jeder dritten Runde, und zwar jeweils zwei Maschen pro Segment, also insgesamt 16 in der Runde. Als ich mit den Federn fertig war, hatte die Mütze praktischerweise auch gerade die richtige Größe erreicht und ich hatte insgesamt 272 Maschen (34 pro Segment) auf 6 Nadeln verteilt. Ich benutzte immer noch die Holznadeln, eine Rundnadel hatte ich nicht dabei.
Wie viele Maschen musste ich nun abnehmen, damit die Mütze nachher glatt um den Kopf sitzt? Ich hatte nur eine ungefähre Ahnung. Für eine Baumwollmütze, die ich meiner Tochter kurz vorher gestrickt hatte, hatte ich mit 140 Maschen begonnen, allerdings in einem 1:1-Rippenmuster mit Nadeln Nr.2 und rechts verschränkten Maschen. Für meine eigene Mütze wünschte ich mit ein zweifarbiges Rippenbündchen, und durch 8 teilbar musste die Zahl der Bündchenmaschen sein, damit ich die Abnahmen wieder gut auf die 8 Segmente verteilen konnte. Ich entschloss mich, auf 136 Maschen abzunehmen und dann einen Rippenbund zu stricken. Vielleicht hätte ich den Bund etwas breiter machen sollen - zum Schluss war ich recht ungeduldig und wollte fertig werden. Die Arbeit an der Mütze dauerte ganze drei Tage, obwohl ich nur in den Mittagspausen stricken konnte; abends war ich zu müde.
Die Mütze passte zum Glück dann sehr gut. An dem Perückenkopf sitzt sie lose, weil er kleiner ist als mein eigener; bei mir liegt das Bündchen straff um den Kopf.
Wichtig war natürlich am Schluss eine Abkettmethode, die gute Elastizität garantiert. Ich wendete die Methode nach Cat Bordhi an, indem ich vor jeder Masche, die ich abstrickte, einen Umschlag machte und diesen dann zusammen mit der Masche abkettete.




Ich saß beim Stricken meist auf einer Außenterrasse ca. 20 Meter von einem künstlich angelegten Wasserloch entfernt und staunte nicht schlecht, als ich einmal von der Strickerei aufschaute und am Wasserloch einen Riesenelefanten stehen sah. Ich hatte ihn nicht kommen gehört. Die Lautlosigkeit, mit der sich Elefanten bewegen, hat mich immer wieder erstaunt.

Ein paar Tage später war ich in Botswana dem gleichen Tagesplan unterworfen und begann in der Mittagspause mit meiner zweiten Strickarbeit. Diesmal sollten es aber wirklich Handschuhe werden. Wieder hatte ich keine Vorlage dafür und dachte mir irgendwas aus. Ein wenig erinnert es an Leopardenflecken.
Die Maschenzahlen für Handschuhe habe ich immerhin im Kopf: Mit 60 Maschen starten, in der gewünschten Höhe eine Masche als Mittelmasche des Daumenspickels markieren, links und rechts dieser markierten Masche in jeder dritten Reihe 1 Masche zunehmen, bis 19 Maschen erreicht sind, dann diese 19 Maschen stillegen, zur Überbrückung der Lücke 5 Maschen zusätzlich anschlagen (die in den nächsten drei Reihen wieder abgenommen werden) und den Handschuh fertig stricken. Da ich vorher nie weiß, ob ich die Handschuhe behalten oder vertauschen werde, stricke ich sie fingerlos, dann passen sie den meisten Frauen. Sie sind zwar nicht im Urlaub fertig geworden, aber jetzt ist es eine Sache von wenigen Abenden.
In der Lodge in Botswana hat sich eine der Mitarbeiterinnen zu mir gesetzt und wollte, dass ich ihr das Stricken mit dem Nadelspiel zeige. Sie hatte so etwas nie vorher gesehen. Ich fragte, ob in Botswana gestrickt würde - ja, sagte sie, aber nicht mit so dünner Wolle, wie ich sie hätte; es gäbe nur dicke Wolle zu kaufen. Im Gegensatz zum Krügerpark war es in Botswana nie kühler als (geschätzt) 27 Grad; kann sein, dass ich mich täusche, da es wegen der Nähe zum Chobe River eher feuchtheiß war - ich konnte mir den Einsatz dicker Wolle in diesem Klima kaum vorstellen, aber wenn es tüchtig regnet, wird es vielleicht schon mal kalt.



Es hat mich in den Unterkünften in Südafrika oft ein wenig geärgert, dass überall, wo man hinkommt, der Chef ein Weißer ist und das Personal farbig. Diese Lodge in Botswana bot ein anderes Bild: restlos alles fest in der Hand schwarzer Frauen. Hurra! Nur die Fahrer und ein paar Gärtner waren männlich. Auch in der Küche residierte mit großem Selbstbewusstsein eine dunkelhäutige Dame. Phantastisch (mein kneifender Hosenbund bestätigt das).

Mein Lieblingsbild vom Chobe River: ein (laut Meinung des Guide) wenige Tage altes Elefantenbaby bei der Mutter. "Happy and free!", so der Guide.

Wohnsitze





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