Freitag, 9. Dezember 2016

Soon I'll be sixty years old

Die Winterausgabe der Verena wollte ich mir eigentlich diesmal nicht kaufen - ich habe in den letzten Wochen viel zu viel Strickhefte gekauft, ganz abgesehen von der immer länger werdenden Liste mit Sachen, die ich seit Jahren stricken möchte. Schließlich ist das Heft aber doch in den Einkaufskorb gewandert, und zwar deshalb, weil ein Stulpenmodell mit dem phantastischen "Foxpaws"-Muster drin ist. Das wollte ich schon lange ausprobieren und werde es demnächst auch tun. Als erstes habe ich aber ein anderes Modell gestrickt, nämlich #25 Marte:


Design: Anna Maria Busch

Das Modell ist aus Sockenwolle, wird quer von Spitze zu Spitze gestrickt und ist an der breitesten Stelle 180 Maschen breit. Obendrein hat es einen Musterrapport von 24 Maschen, und mit ein paar klitzekleinen Änderungen, die man kaum sieht, habe ich auch keine Spannfäden über mehr als höchstens sechs Maschen.
Mit anderen Worten, die Anleitung passt perfekt zur Strickmaschine.



In der Tiefe meiner Sockenwollkiste fand ich ein paar Knäuel Schoppel Zauberball, die eigentlich für ein anderes Projekt gedacht waren, aber das ist inzwischen sowieso gestrichen, also nahm ich das Garn und dazu einen Strang handgefärbte Sockenwolle in Himbeerrot. Letzterer hat nicht ganz gereicht. Am unteren Ende habe ich auf ein Knäuel Feuerrot zurückgreifen müssen - man sieht es, ich finde es aber nicht störend.

Ein paar Kleinigkeiten habe ich geändert. Die Anleitung sieht vor, dass man nur in jeder zweiten Reihe zunimmt, und zwar abwechselnd eine Masche und zwei Maschen. Ich habe stattdessen in allen Reihen zugenommen außer in jeder dritten, was die gleiche Schrägung ergibt. (Entsprechend werden dann nach Überschreiten der Spitze die Abnahmen durchgeführt.) Im Originalmodell werden außerdem die Blenden getrennt und stückweise gestrickt, ebenfalls im Einstrickmuster und doppelt liegend, und danach angenäht. Ich habe so etwas noch nie gemacht und wollte ohnehin lieber zweifarbige Bündchen, sog. "corrugated ribs", an meinem Tuch. Die habe ich von Hand direkt angestrickt - mit einer Nadel Nr.2, was eine furchtbar langwierige und langweilige Sache war. Aber da der Korpus des Tuchs gut über die Maschine flutschte, brauchte ich für das ganze Projekt nur vier Tage.



Das ist die letzte eigenmächtige Änderung. Die Anleitung sieht dicke Quasten vor, was nicht so mein Fall ist: Erstens sind sie mir meistens im Wege und tragen auf, und zweitens werden sie nach einiger Zeit unansehnlich. Entweder sie fransen aus oder wirken schmuddelig. Kurz und schlecht, ich mag keine. Statt dessen habe ich kleine Häkelknöpfe gemacht: Einfach eine Spirale häkeln, ein wenig besticken, eine zweite Spirale häkeln und, wenn beide Spiralen gleich groß sind, beides zusammenhäkeln. Ich habe noch einen flachen Plastikknopf eingeschoben, aber nötig ist das wahrscheinlich nicht.

Das Tuch ist so leuchtend bunt, dass es mir eigentlich in meinem Alter peinlich sein sollte, aber ich werde mit zunehmendem Alter immer bunter. Wenn das so weitergeht, sehe ich mit siebzig aus wie ein Kasper - falls ich überhaupt so alt werde. Meine jungen Töchter kleiden sich klassischer als ich. Die ältere mag es zwar farbig, bevorzugt aber Erd- und Laubtöne, und die jüngere mag Retromuster und trägt nur gedeckte Farben.


Man merkt, dass man alt wird, wenn man größtenteils genervt ist von dem, was aus dem Radio kommt. Aber "Soon I'll be sixty years old" mag ich. Auch unabhängig vom Thema, obwohl mich das Thema natürlich in Kürze oder eigentlich schon jetzt betrifft.

Dienstag, 29. November 2016

Die fiesen Tricks der Lochkarte ...

Ich erwähnte schon in einem früheren Eintrag, dass das Arbeiten mit der Lochkarte zwar einen netten Retro-Charme hat, aber auch tückisch ist, weil man nicht so richtig sehen kann, was die Strickmaschine als nächstes zu tun gedenkt. Grund: die vorgewählte Reihe, also die Reihe, die als nächstes gestrickt wird, ist nicht diejenige Reihe, die oben auf der Lochkarte zu sehen ist. Das ist ja auch irgendwie logisch. Die Maschine kann nicht mit einem Signal arbeiten, das oben aus der Maschine herausschaut, das sie also noch gar nicht verdaut hat.

Strickt die Maschine klar und erkennbar etwas Falsches, muss sich die Strickerin also in den Tiefen der Mechanik auf die Suche begeben, was da genau falsch abgelesen wurde. Das heißt: genau merken, welche Lochreihe oben aus der Maschine guckt, die Lochkarte herausdrehen und sieben Reihen weiter unten nachsehen - das ist die Reihe, die vorgewählt wurde. Ich habe zu diesem Zweck eine Schablone, die ich nur noch auf die Lochkarte legen muss. Noch besser ist es, wenn man vorab eine originalgroße Kopie der Lochkarte gemacht hat - dann muss man sie nicht mal herausdrehen, sondern legt die Schablone auf die Kopie.

Genug theoretisch gelabert, hier der Fehler:



Es ist nicht gerade dramatisch, aber wer genau hinsieht, erkennt in der mit dem roten Pfeil markierten Reihe, dass sich da in die schwarzen Felder die eine oder andere helle Masche verirrt hat. Ich habe so eingefädelt, dass die auf der Karte gelochten Felder eine schwarze Masche darstellen, die ungelochten eine weiße. Mit anderen Worten, es muss ein schlecht gelochtes Feld auf der Karte sein, so dass die Maschine weiß strickt, obwohl sie schwarz stricken sollte.

Nun, ich habe das pöse pöse Loch dingfest gemacht. Es ist rot markiert:



Ich kann absolut nicht erkennen, warum die Maschine an dieser Stelle KEIN Loch sieht, obwohl da klar und deutlich eines ist. Sicher ist jedenfalls, an dieser Stelle strickt die Maschine mit weißem Faden, also so, als sei da kein Loch. Ich habe zähneknirschend jedes Mal an dieser Stelle von Hand die nicht vorgewählte Nadel an den gehörigen Platz geschoben. Leider habe ich nicht immer daran gedacht. Der fertige Loop ist fehlerhaft. Aber man sieht es kaum, und dieser Loop wird jedenfalls in der Familie bleiben.



Das bin zwar ich (deutlich erkennbar der Friseurin bedürftig, Termin ist in drei Tagen), aber der Loop ist für meine jüngere Tochter, die nichts Buntes trägt, dafür sehr gerne Retromuster. Das Hahnentrittmuster ist sogar eines ihrer liebsten. Ich habe den Loop am Sonntagnachmittag gestrickt und abends vor dem Fernseher zusammengenäht. Den kleinen Fehler wird meine Tochter sicher verzeihen.


Und das ist der zehnte und letzte Loop für den Markt:



"Der letzte Mohikaner", gestrickt wieder nach einem Muster von Iris Bishop mit der Bezeichnung "Aboriginal Influence". Und heute abend habe ich alle Loops verpackt und für den Versand bereitgestellt. Ich bin sehr gespannt, ob welche gekauft werden. Der für meine Tochter, mit dem Pepitamuster, würde mir selbst auch gefallen - aber wenn ich ihn neu auflege, werde ich auf alle Fälle das pöse pöse Loch vorher gründlich nachstanzen.


PS noch zum Pepita-Loop, falls jemand jetzt hergeht und die Musterunterbrechung, den weißen Streifen, beanstandet: Ein exakt mustergemäßes Zusammennähen der Enden ist unmöglich, das geht rein mathematisch nicht auf. Ich stricke deshalb lieber gleich eine deutlich erkennbare Unterbrechung. Daher auch die Knöpfe.

Sonntag, 27. November 2016

Das Loop-Rezept

Die Strickarbeiten für den Kunsthandwerkermarkt sind abgeschlossen, Gott sei Dank. Ich habe zehn Loops gestrickt. Fotografiert habe ich erst neun, da der zehnte noch zum Trocknen im Keller liegt. Das dauert immer sehr lange, weil da sehr viel Wolle aufeinanderliegt: Zwei Schichten Gestrick mit Spannfäden - also praktisch vier Schichten Wolle aufeinander. Hier "der Blubb":



Ich bin sehr gespannt, ob die Teile verkauft werden. Für den Fall, dass die Kundschaft sich drum reißt und ich noch mehr stricken muss, notiere ich hier für alle Fälle noch einmal genau das Rezept für diese maschinengestrickten Loops.

Das Material ist Sockenwolle. Etwa 200 Gramm sollte man haben, Farbverteilung richtet sich nach dem gewählten Muster, das bei mir mit 24er Lochkarte gestrickt wird.
168 Maschen (7 Rapporte) in Arbeitsstellung. Offener Anschlag mit Kontrastgarn über den großen Anschlagkamm. Gewichte einhängen, mehrere Reihen stricken, dann eine Trennreihe mit Baumwollfaden (mein Nylonfaden ist unauffindbar, ich nehme Filethäkelgarn).

Strickgarn (natürlich gespult und paraffiniert) einfädeln.
Reihenzähler auf Null.
Lochkarte einsetzen, Transport auf Stop.
Maschenweite 8.
Mindestens eine Reihe einfarbig stricken. Das erleichtert das spätere Zusammennähen der Enden. (Ein genau mustergemäßes Zusammennähen ist rein mathematisch nicht möglich, so dass es ohnehin vernünftiger ist, eine kleine Borte einzufügen oder die Unterbrechung anderweitig zu betonen.)
Die erste Maschenvorwahl für das Muster kann entweder schon vor dieser ersten unifarbenen Reihe oder später eingestellt werden. Dafür den Schlitten wie bekannt auf KC.
Ist die erste Reihe vorgewählt, den zweiten Faden einfädeln. Maschenweite auf 10, Lochkarte auf Transport, mittlere Mustertaste am Schlitten gedrückt, Drehschalter bleibt auf KC. Diese vier Einstellungen immer überprüfen, wenn die Arbeit unterbrochen wurde! Das muss hinein in den Kopf!! UN.PE.TINKT!!!! Neue Überprüfung ist auch angesagt, wenn musterbedingt zwischendurch unifarbene Reihen gestrickt werden. (Bei allen unifarbenen Reihen muss auch die Maschenweite umgestellt werden!)

Muster stricken wie man mag. Neue Fäden können ggf. mit einem kleinen Wickelanschlag an der Seite verwahrt werden. Wenn zwischendurch der Faden ausgeht, ruhig ein langes Ende an der Seite hängen lassen - kann man später zum Zusammennähen nutzen.

Der Loop sollte am Schluss etwa 210 bis 220 Reihen lang sein, je nach Muster. Die letzte Reihe wieder unifarben in Maschenweite 8 stricken. Ein langes Fadenende hängen lassen. Kontrast ist am oberen Ende nicht unbedingt nötig, man kann gleich auf die Nadel übertragen, aber sehr dünn und lang sollte sie sein. Anschlagskamm entfernen, die erste Reihe nach der Trennreihe ebenfalls auf eine lange Nadel nehmen, Trennreihe und Kontrast entfernen.

Anfang und Ende von Hand mit Maschenstich aneinandernähen. Das ist furchtbar langwierig, aber entschieden die sauberste und ansehnlichste Methode. Dann den Schal längs falten und die beiden Kanten im Matratzenstich aneinandernähen. Applikationen, Knöpfe usw. sollten vor Abschluss der Naht angenäht bzw. eingeknotet werden, damit sie nur auf einer Seite sichtbar sind (denkbar wären auch Applikationen mit Gegenknopf, aber das stört möglicherweise nachher beim Tragen!).

Den Loop sorgfältig waschen, so falten, dass die Naht in der Unterkante liegt, und liegend trocknen. Während des Trocknens ein paarmal wenden, dann geht es schneller.

Dieser heißt "Rosengarten", und ich werde ihn zum Verkauf anbieten, obwohl ich, wie man sieht, einen genau passenden Mantel habe (den ich allerdings fast nie mehr trage):



Der "Norweger" mit aufgenähten Sternknöpfen - dabei habe ich die Lochkarten vom Weihnachtsnorweger wiederverwendet, außerdem eine bei Pinterest gefundene Vorlage:



Und schließlich "der Jägermeister", der mir nicht hundertprozentig gefällt, aber ich will die Dinger ja verkaufen und vielleicht hat jemand Freude an derart augenschmerzenden Kontrasten:



Natürlich bleibt es nicht aus, dass sich eigene Wünsche auftun bei so viel Strickerei für den Verkauf. Meine jüngere Tochter, die zwar nichts wirklich Buntes trägt, aber eine Schwäche für Retromuster hat, wünscht sich einen Loop in Schwarz-Weiß im "Hahnentritt"-Muster. Den habe ich heute gestrickt und werde ihn, zusammen mit dem zehnten Markt-Loop, demnächst zeigen. Auch für mich habe ich einen in Planung und Herr Schmollfisch wird auch einen bekommen.

Mittwoch, 9. November 2016

Stricken im Akkord

Ich war noch im Urlaub, als ich per Mail die Anfrage einer Forenfreundin bekam: sie hätte im Dezember einen Verkaufsstand bei einem Kunsthandwerkermarkt, und ob ich Lust hätte, zu ihrem eigenen Angebot ein paar schöne Stricksachen dazuzulegen? Mein erster Gedanke war - lieber nein. Erstens war die Zeit sehr kurz; ich konnte erst Anfang November mit dem Stricken beginnen und musste Ende November dann auch gleich alles verschicken. Und zweitens ist es bekanntlich so eine Sache mit dem Verkauf von Stricksachen. Beim Weihnachtsmarkt hier in Fulda entdecke ich regelmäßig handgestrickte Socken für 10 Euro - da sag ich lieber erst gar nichts dazu.

Nach etwas Überlegung habe ich dann aber doch zugesagt. Natürlich kommt in Anbetracht des engen Zeitraums - vorausgesetzt, ich will nicht nur zwei oder drei Teile hinlegen, sondern eine vernünftige Auswahl - nur Maschinengestricktes in Frage. Ich entschied mich für Rundschals in Schlauchform. Das bietet viele Vorteile: erstens ist die Passform egal, alle sind gleich groß. Zweitens kann man bei der Farb- und Musterwahl durchaus kreativ sein, denn da die meisten Leute ihre Wintergarderobe in frischem Steingrau, Aschgrau oder Mausgrau wählen, ist die Hemmschwelle für einen knallig bunten Schal jedenfalls niedriger, als wenn es um Jacken oder Pullover ginge.
Es wäre sehr reizvoll, zu jedem Loop eine passende Mütze zu stricken. Aber ich kann schon froh sein, wenn bis zum Termin eine Auswahl zusammenkommt. Für jeden Loop brauche ich gute drei Stunden: eine Stunde konzentriert an der Maschine und gute zwei Stunden auf dem Sofa zum Schließen der Nähte. Nicht gerechnet die Zeit für Planung, Lochkartenstanzen und Wollewickeln.
Als Material habe ich ausschließlich Sockenwolle gewählt. Die habe ich in großer Auswahl hier liegen (kann bei dieser Gelegenheit also gleich wieder mal den Stash kritisch mustern), sie ist zwanglos im Wolllädchen meines Vertrauens nachzukaufen, und etwaige Fragen der Kundschaft nach Wäsche und Pflege sind leicht zu beantworten. Hätte ich mehr Zeit, würde ich mich vielleicht nach einer schönen Farbauswahl in reiner Merino umsehen. Aber jetzt noch was bestellen kommt nicht in Frage, ich muss mit dem Vorhandenen zurechtkommen.

Mein Probestück, der Prototyp sozusagen, war dieser Loop:



Er wurde mit einer der Standard-Lochkarten für Brothermaschinen gearbeitet. Anschlag 168 Maschen, das sind 7 Rapporte. Der Anschlag ist unten offen, mit Kontrastgarn. Die Höhe beträgt bei allen Loops ca. 220 Maschen, je nach Muster. Dann habe ich sie ohne Abketten von der Maschine genommen, Anfang und Ende im Maschenstich geschlossen und den Schal der Länge nach zusammengenäht. Der fertige Loop ist rundherum 72 cm lang - bequeme Halsweite - und etwa 25 cm hoch. Am Hals läuft die Strickrichtung quer, was natürlich die Musterauswahl etwas einschränkt, aber die ist auch so groß genug. Ich habe eine Menge Vorlagen und bei Pinterest gibt es noch Hunderte von Lochkarten zum Abgucken.

Auf dem Fuße folgte "der Schrille" mit OpArt-Charme:



Habe Knöpfe aufgenäht, die sind aber nur im Innern des Loops festgeknotet und lassen sich auf Wunsch leicht abtrennen. Die Lochkarte habe ich vor Jahren gestanzt nach einer Vorlage aus dem Musterbuch Burda E 952 (Muster 31).

Eines der Muster von Iris Bishop, die ich besonders hoch schätze:



Der Herbstliche. Ich habe das Muster "Russian Influence" schon in meiner Gobelinweste verarbeitet, hatte die Lochkarte also noch. Blätter und Blümchen sind nach einer der schönen Blumen-Anleitungen von Lesley Stanfield (Ravelry-Link) gearbeitet - teils gestrickt und teils gehäkelt.
So ganz zufrieden bin ich nicht mit diesem Loop. Während der Arbeit an der Maschine fand ich ihn toll, weil ich nur die linke Seite sah. Von rechts erscheint er mir sehr rotlastig. Viellecht findet er trotzdem eine Liebhaberin.

Diesen behalte ich vielleicht selbst:



Die Farbstellung ist so genau "meins". Auch dieses Muster stammt von Iris Bishop und heißt "Indian influence".

Heute fertig geworden ist dieser Loop in Delfter Blau:



Iris Bishop, was sonst? "Mediterrenean influence" heißt das Muster, die Borte ist von "Indian influence" entlehnt. Hier noch mit offener Längsnaht fotografiert; inzwischen ist er fertig. Die Längsnaht kommt dann unten in der Bruchkante zu liegen und fällt nicht mehr so auf wie auf dem Bild.

Im Augenblick habe ich noch drei weitere Loops in der Warteschleife: einen mit Rosen (Lochkarte ist schon gestanzt), einen mit poppigen Margeritenblüten und einen mit Blättern. Die beiden ersten Muster habe ich bei Pinterest abgefischt, das Blättermuster wird wieder von Frau Bishop stammen. Zehn bis zwölf Loops insgesamt möchte ich fertigstellen - mit bisher fünf liege ich noch ganz gut in der Zeit. Und dann mache ich auf jeden Fall einen für mich! Mit Zebras - wieder nach Iris Bishop, ich bin zufällig auf das Muster gestoßen und möchte es unbedingt umsetzen.

Ich lerne sehr viel bei der Arbeit an diesen Stricksachen. Selbst wenn ich kein einziges Teil verkaufe, habe ich schon jetzt davon profitiert. Musterstricken klappt inzwischen locker mit links.

Mittwoch, 2. November 2016

Ohne Anleitung



Ich war zwei Wochen unterwegs - ein zweites Mal in Afrika, diesmal unter anderen in zwei der bekanntesten Naturparks, dem Krügerpark (Südafrika) und dem Chobe River Park (Botswana). Da ich von vornherein wusste, dass die Reise anstrengend wird - man wird in diesen Park-Lodges um fünf Uhr früh aus dem Schlaf gerissen, da die Morgensafari um sechs beginnt -, hatte ich nicht viel zum Stricken dabei, nur mein bewährtes flugzeuggeeignetes Täschchen mit Sockenwolle und Holznadelspiel. Im Flugzeug stricke ich zwar nicht, aber für die Wartezeiten am Gate brauche ich dringend eine kleine Strickarbeit. Meistens sind es Handschuhe.

Auch diesmal sollten es eigentlich Handschuhe werden, aber nach der Ankunft im Krügerpark habe ich mich für eine Mütze entschieden. Man glaubt nicht, wie eiskalt es an einem Oktobermorgen um sechs im Krügerpark sein kann - zumal wenn man oben auf dem Geländewagen sitzt! Nun hatte ich für eine Mütze keine Vorlage und auch keine rechte Ahnung, wieviele Maschen ich brauche, aber ich hatte eine dünne Baumwollmütze in Tam-Form dabei - die Form, die mir am besten steht - und konnte daran wenigstens die erforderliche Größe abnehmen. Als Mustervorbild nahm ich, da ich nichts anderes hatte, meine im letzten Jahr genähte Bluse mit Perlhühnern und Federn. Das ist übrigens ein in Südafrika oft gesehenes Stoffmuster.



Der Einfachheit halber startete ich oben in der Mitte mit 8 Maschen und nahm, so lange ich in der Grundfarbe Wollweiß strickte, sehr schnell zu, bis ich genug Maschen hatte, um die Arbeit in acht Segmente unterteilen zu können. Dann begann ich mit dem Einstrickmuster und versuchte, so gut es ging, die Federn nachzustricken. Das war nicht schwer; es ist egal, was man macht, man muss nur acht Mal dasselbe machen. Zunahmen gab es in jeder dritten Runde, und zwar jeweils zwei Maschen pro Segment, also insgesamt 16 in der Runde. Als ich mit den Federn fertig war, hatte die Mütze praktischerweise auch gerade die richtige Größe erreicht und ich hatte insgesamt 272 Maschen (34 pro Segment) auf 6 Nadeln verteilt. Ich benutzte immer noch die Holznadeln, eine Rundnadel hatte ich nicht dabei.
Wie viele Maschen musste ich nun abnehmen, damit die Mütze nachher glatt um den Kopf sitzt? Ich hatte nur eine ungefähre Ahnung. Für eine Baumwollmütze, die ich meiner Tochter kurz vorher gestrickt hatte, hatte ich mit 140 Maschen begonnen, allerdings in einem 1:1-Rippenmuster mit Nadeln Nr.2 und rechts verschränkten Maschen. Für meine eigene Mütze wünschte ich mit ein zweifarbiges Rippenbündchen, und durch 8 teilbar musste die Zahl der Bündchenmaschen sein, damit ich die Abnahmen wieder gut auf die 8 Segmente verteilen konnte. Ich entschloss mich, auf 136 Maschen abzunehmen und dann einen Rippenbund zu stricken. Vielleicht hätte ich den Bund etwas breiter machen sollen - zum Schluss war ich recht ungeduldig und wollte fertig werden. Die Arbeit an der Mütze dauerte ganze drei Tage, obwohl ich nur in den Mittagspausen stricken konnte; abends war ich zu müde.
Die Mütze passte zum Glück dann sehr gut. An dem Perückenkopf sitzt sie lose, weil er kleiner ist als mein eigener; bei mir liegt das Bündchen straff um den Kopf.
Wichtig war natürlich am Schluss eine Abkettmethode, die gute Elastizität garantiert. Ich wendete die Methode nach Cat Bordhi an, indem ich vor jeder Masche, die ich abstrickte, einen Umschlag machte und diesen dann zusammen mit der Masche abkettete.




Ich saß beim Stricken meist auf einer Außenterrasse ca. 20 Meter von einem künstlich angelegten Wasserloch entfernt und staunte nicht schlecht, als ich einmal von der Strickerei aufschaute und am Wasserloch einen Riesenelefanten stehen sah. Ich hatte ihn nicht kommen gehört. Die Lautlosigkeit, mit der sich Elefanten bewegen, hat mich immer wieder erstaunt.

Ein paar Tage später war ich in Botswana dem gleichen Tagesplan unterworfen und begann in der Mittagspause mit meiner zweiten Strickarbeit. Diesmal sollten es aber wirklich Handschuhe werden. Wieder hatte ich keine Vorlage dafür und dachte mir irgendwas aus. Ein wenig erinnert es an Leopardenflecken.
Die Maschenzahlen für Handschuhe habe ich immerhin im Kopf: Mit 60 Maschen starten, in der gewünschten Höhe eine Masche als Mittelmasche des Daumenspickels markieren, links und rechts dieser markierten Masche in jeder dritten Reihe 1 Masche zunehmen, bis 19 Maschen erreicht sind, dann diese 19 Maschen stillegen, zur Überbrückung der Lücke 5 Maschen zusätzlich anschlagen (die in den nächsten drei Reihen wieder abgenommen werden) und den Handschuh fertig stricken. Da ich vorher nie weiß, ob ich die Handschuhe behalten oder vertauschen werde, stricke ich sie fingerlos, dann passen sie den meisten Frauen. Sie sind zwar nicht im Urlaub fertig geworden, aber jetzt ist es eine Sache von wenigen Abenden.
In der Lodge in Botswana hat sich eine der Mitarbeiterinnen zu mir gesetzt und wollte, dass ich ihr das Stricken mit dem Nadelspiel zeige. Sie hatte so etwas nie vorher gesehen. Ich fragte, ob in Botswana gestrickt würde - ja, sagte sie, aber nicht mit so dünner Wolle, wie ich sie hätte; es gäbe nur dicke Wolle zu kaufen. Im Gegensatz zum Krügerpark war es in Botswana nie kühler als (geschätzt) 27 Grad; kann sein, dass ich mich täusche, da es wegen der Nähe zum Chobe River eher feuchtheiß war - ich konnte mir den Einsatz dicker Wolle in diesem Klima kaum vorstellen, aber wenn es tüchtig regnet, wird es vielleicht schon mal kalt.



Es hat mich in den Unterkünften in Südafrika oft ein wenig geärgert, dass überall, wo man hinkommt, der Chef ein Weißer ist und das Personal farbig. Diese Lodge in Botswana bot ein anderes Bild: restlos alles fest in der Hand schwarzer Frauen. Hurra! Nur die Fahrer und ein paar Gärtner waren männlich. Auch in der Küche residierte mit großem Selbstbewusstsein eine dunkelhäutige Dame. Phantastisch (mein kneifender Hosenbund bestätigt das).

Mein Lieblingsbild vom Chobe River: ein (laut Meinung des Guide) wenige Tage altes Elefantenbaby bei der Mutter. "Happy and free!", so der Guide.

Montag, 10. Oktober 2016

Nähprotokoll

Bei meiner neuesten Näharbeit habe ich zum ersten Mal meinen Zeitaufwand gemessen.

Ich habe mir ein weiteres langes Flatterhemd nach diesem Muster genäht. Den Schnitt hatte ich bereits und als ich anfing, auf die Uhr zu sehen, hatte ich die Leibteile auch schon auf dem Stoff angeordnet und ausgeschnitten. Aber danach habe ich genau aufgepasst. Das sind die einzelnen Etappen:

Eine Stunde: Stoff und Papierschnitt trennen, Markierungen anbringen (bei einem so großzügigen Schnitt brauche ich nur welche zum Ärmeleinsetzen und für die Taschen). Kanten versäubern. Schulternähte schließen.
Ärmelnähte schließen, Ärmel säumen. (Ist eine alberne Reihenfolge, ich weiß, aber ich dachte, das mach ich noch schnell, ehe ich wieder von der Maschine weg muss.)

30 Minuten: Kragen, Kragensteg und Taschen zuschneiden. Auf ein Kragen- und ein Kragenstegteil Einlage bügeln.

Eine Stunde: Die Taschen (es sind Nahttaschen) einnähen, versäubern, Seitennähte schließen, absteppen etc., Taschenbeutel mit Reihfaden an die Vorderteile heften (wird später festgenäht).

45 Minuten: Auf die Vorderteilkanten Einlage bügeln. Kragen nähen und bügeln, Kragen an den Halsausschnitt nähen (Kragen mit Steg ist knifflig - ich hätte gedacht, dass es länger dauert!).

20 Minuten: Krageninnenteil von Hand an die Leibteile säumen.

15 Minuten: Saum einbügeln und steppen, Knopflochleiste einbügeln und steppen, Knöpfe probeweise anordnen, Knopflöcher markieren.

30 Minuten: 8 Knopflöcher nähen und öffnen. Ärmel einsetzen.

Eine Stunde: Anprobieren und feststellen, dass Ärmelriegel mit Knöpfen (zum Festknöpfen der hochgekrempelten Ärmel) nett aussehen würden, zumal ich von den gepunkteten Knöpfen noch ein paar habe. Ärmelriegel samt Knopflöchern nähen.
Stoffreste angucken und feststellen, dass zwei Brusttaschen mit Knöpfen ebenfalls nett aussehen würden, zumal ich von den gepunkteten Knöpfen immer noch welche habe.
Taschen zuschneiden, Knopflöcher, richtige Platzierung an der Schneiderpuppe probieren (bei mir ein weng abwärts verlegt; bei meiner kurzen "Taille" ist alles günstig, was optisch nach unten zieht), Taschen aufsetzen. Nahttaschen ebenfalls endlich an den Vorderteilen festnähen, Reihgarn rausziehen.

Zum guten Schluss sind nun zwölf Knöpfe anzunähen, davon zwei mit Gegenknopf (Brusttaschen) und zwei mit Ärmelriegel als Gegenstück. Das machte ich mit Muße vor dem Fernseher.

Von der Knopfannäherei abgesehen, komme ich auf überschlägig fünfeinhalb Stunden. Ich hätte mit mehr gerechnet. Vor allem ist mir aufgefallen, dass die Arbeiten, die ich für die aufwendigsten gehalten habe (Kragen und Knopflöcher) gar nicht so sehr langwierig sind. Mir schienen sie nur so, weil sie am meisten Konzentration verlangen. Gerade bei den Knopflöchern muss ich, obwohl ich sicher schon weit über tausend genäht habe, immer noch gut aufpassen, damit sie genau an die richtige Stelle kommen.

Ach ja, der Stoffverbrauch: Ich brauchte knapp zweimal die Länge; ein wenig konnte ich die Teile ineinander schieben. Der Stoff war ein Rest, wahrscheinlich ungefähr ein Meter siebzig. Der Schnitt ist aus der Fashion Style 3/2016 und sieht keine Brusttaschen, dafür aber noch aufgesetzte Taschen hinten vor - die habe ich weggelassen.



Wer der Meinung ist, dass das Teil völlig formlos runterhängt, hat zweifellos recht. Mir ist es auch bei weitem zu groß. Aber es gibt Situationen, wo ich genau so etwas brauche: wenn ich nämlich bei sehr heißem Wetter unterwegs bin (bin ich demnächst wieder) und unbedingt etwas zum Drübertragen dabei haben muss, wenn ich mich nicht im bloßen Trägerhemdchen und Shorts zeigen möchte. Locker und luftig muss es sein - deshalb die Größe. Ich habe mir zu diesem Zweck schon zwei abgelegte Leinenhemden vom Herrn Schmollfisch geklaut, aber die sind mir farblich zu langweilig. Damit das Ganze doch noch etwas Fasson bekommt (und weil ich immer noch Knöpfe hatte), habe ich zu guter Letzt hinten noch einen kleinen Tunneldurchzug eingearbeitet - auch diesen nicht in Taillenhöhe, sondern etwas nach unten verschoben.





Und nun zu was ganz anderem:

Exklusives Design

Ein besonderes Geschenk wurde mir in den letzten Wochen gemacht. (Ich habe natürlich dafür bezahlt, sehe es aber trotzdem als Geschenk an.)



Das ist die ziemlich armselige Zeichnung eines Halsbands, das ich gern gehabt hätte. Es stellt unser Sonnensystem dar. Links ist die Sonne zu sehen, dann folgt in korrekter Reihenfolge Merkur, Venus, Erde (mit winzigem Mond), Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto (obwohl Pluto neuerdings eigentlich nicht mehr dazugehört).

Die Farbvorstellungen, die ich mit den Planeten verbinde, konnte ich in der Zeichnung natürlich nicht genau wiedergeben. Aber trotzdem hat die Schmuckdesignerin meines Vertrauens, die liebe Martina, aus diesem vagen Entwurf eine wunderschöne Kette gemacht (wobei der Erdmond unter den Tisch gefallen ist - sonst wäre die Kette zu lang geworden). Und dazu noch die genau passenden Ohrringe.



Ist das nicht herrlich? Das Ensemble ist nichts für alle Tage, aber ich trage es immer, wenn ich mich besonders schmücken möchte. Ich mag alle Schmuckstücke, die Martina im Lauf der Zeit für mich gemacht hat, aber diese Kette ist die Krönung von allem.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Neues Konzept ...

Ich hatte mich halb und halb entschlossen, diesen Blog zu schließen. Mein anderer, der Schreibblog, ist ja schon seit Jahren zu und auch in diesem schreibe ich anscheinend immer seltener; ob überhaupt jemand darin liest, weiß ich auch nicht und kann es nicht mal mehr nachprüfen, weil mein Blogcounter deaktiviert wurde und ich wenig Lust verspüre, mir einen neuen zu suchen. Ich hatte sogar die Meldung "Geschlossen" schon online.

Dass ich nun doch wieder öffne und sogar entschieden habe, dass ich öfter hier schreiben muss, sehr viel öfter sogar, liegt daran, dass ich mein Blog in Zukunft anders nutzen möchte. Ich habe hier ein schönes Ausstellungsfenster, aber es ist eigentlich überflüssig, weil ich mein Zeug bei Ravelry ausstelle. Die paar Sachen, die dort nicht hingehören, Genähtes und anderweitig Geselbertes, könnte ich genauso gut auf Facebook präsentieren, wenn ich unbedingt will. Was ich aber andererseits brauche, ist ein persönliches Fenster, eine Art Motivationsthread.

In den letzten Wochen habe ich mehrfach Wolle umgeschichtet, auf der Suche nach bestimmten Garnen und Resten, weil ich ich ein paar Sachen für das Wanderpaket machen wollte. Nicht nur Wollstränge und eine fast unübersehbare Menge Fasern liegen in Kisten und Körben, ich habe auch Unmengen von Stoff, Knöpfen, Borten und Färbemittel; ich habe Unmengen von Anleitungsbüchern und jedes erdenkliche Arbeitsgerät, das ich für meine Pläne brauche. Und ich habe auch die Zeit. Was ich anscheinend nicht habe, ist ein vernünftiger Plan, oder warum habe ich heute schon wieder Wolle gekauft? Tja!

Andere Frauen in meiner Situation - ich sehe das oft - fangen dann an zu verkaufen, zu "destashen" oder gegen anderes zu tauschen. Der Nutzen solcher Maßnahmen ist zweifelhaft, weil es meistens darauf hinausläuft, dass man nicht weniger Material hat, bloß anderes. Und der bloße Austausch der Materials ist ja keine Lösung, das gleicht dem berühmten Umschichten der Aktenberge in den Ämtern. Alles, was ich gebunkert habe, ist irgendwann mal ein neuer Schatz gewesen. Und für beinahe alles habe ich irgendeinen Plan, eine Vorstellung, was ich damit machen möchte - zumindest gilt das für die fertigen Garne; die Fasern lasse ich mal außen vor.

Ich werde also hier mein persönliches Notizbuch anlegen - offline mag ich es nicht schalten; ich habe ja keine Geheimnisse drin und die Verlinkungen zu Ravelry erleichtern auch ein wenig die Suche, wenn ich etwas nachschlagen muss. Wer vorbeikommt, ist natürlich nach wie vor herzlich willkommen und darf auch gern was dazu schreiben - ich glaube kaum, dass hier mehr Leute vorbeischauen als vielleicht zwei, drei pro Monat, aber aussperren mag ich auch nicht. Ich warne aber: die Beiträge werden in Zukunft wahrscheinlich sehr viel länger werden, weil ich für mich selbst die Arbeitsschritte festhalten möchte. Hier ist kein Ausstellungsfenster mehr, sondern ein Arbeitstagebuch. :o)


Die Kreiselweste

Ich beginne mit einem Projekt, das fertig ist. Und lange hat sich das hingezogen, über Monate! Ich habe unter meinen vielen Vorlagen für Strickspitzen eine, die ich seit Erscheinen des Heftes 1991 nachstricken möchte. In dem Anleitungsheft, einem Sonderheft "Neue Mode Kunststricken", ist kein Designer genannt, aber 2013 erschien die Vorlage erneut in der Anna als Entwurf des berühmten Herbert Niebling. Die Vorlage ist wunderschön, aber ich habe für große runde Tischdecken (um eine solche geht es) keine Verwendung. Irgendwann kam mir die Idee, das Muster als Kreiselweste oder -jacke umzusetzen.
Ich stand vor zwei Problemen. Erstens war mir nicht recht klar, wie groß das Modell wird, wenn ich mit normalen Strickgarn stricke (das Original ist aus Häkelgarn Nr. 60, wird mit Nadeln 2 mm gestrickt und hat einen Durchmesser von 75 cm). Zweitens musste ich irgendwo die Armlöcher anbringen, und zwar möglichst so, dass es nicht nur zum Strickmuster, sondern auch zu meiner Körperform irgendwie passt. Da die Vorlage im Gegensatz zu anderen Kunststrickmustern große rechtsgestrickte Partien enthält, hoffte ich, was die Armlöcher angeht, einfach mal das Beste.
Mir erschien es trotzdem angezeigt, ein billiges Garn zu nehmen (das Material hat tatsächlich unterm Strich ca. 2 Euro gekostet) und ohne allzu große Hoffnung anzufangen.



Die fertige Weste wiegt 240 Gramm und wurde mit Nadel 3 mm gestrickt, Durchmesser 120 cm. Das Einfügen der Armlöcher ist sehr einfach; ich bin durch einen Tipp im Spinnforum darauf gekommen. Mithilfe des Maßbands und einer gut passenden Jacke habe ich ermittelt, wie breit ich den Rücken von Armloch zu Armloch anlegen muss. (Es waren übrigens nur 42 cm - hätte ich bei meinem taillenlosen, alles andere als elfenhaften Rumpf im Leben nicht geglaubt!). Während des Strickens habe ich immer wieder das Strickstück ausgelegt und ausgemessen. Klar ist, dass die Armlöcher in der oberen Hälfte des Kreises sein müssen, sonst hat man nachher Unmengen Material als verwurschtelten "Schalkragen" auf Schultern und Nacken hängen. Da, wo meiner Meinung nach die Armlöcher ungefähr hin müssen, habe ich den Faden abgeschnitten, mit kontrastierendem Faden eine reichliche Anzahl Maschen abgestrickt und mit dem normalen Arbeitsfaden dann wieder angefangen. Den Arbeitsfaden lässt man ein Stückweit hängen. Nach Abschluss der Arbeit kann man, wieder mithilfe einer gut passenden Jacke, die Lage und Größe der Armlöcher genau festlegen. Das mit dem Kontrastfaden gestrickte Stück wird geöffnet, auf die Nadel genommen und gleich mit Maschenstich geschlossen, wo es zu weit ist - dazu dient der hängengelassene Arbeitsfaden. Aus den verbliebenen Maschen kann man dann ein Bündchen herausstricken oder, wenn man Lust, hat, Ärmel - ich hatte keine Lust mehr.

Meine letzte Sorge, dass mir das Teil nämlich einfach nicht steht, hat sich verflüchtigt. Es ist tragbar. Hier ein Selfie aus der Umkleidekabine.



Und so sieht es von hinten aus.



Nach zwei Wochen Hängen auf meiner Schneiderbüste "Brienne" ist das Teil hinten so lang geworden, dass es bis in die Kniekehlen hängt. Aber egal. Ich werde es tragen, wann immer ich Gelegenheit habe. Ich habe auch über eine weitere Kreiselweste oder -jacke nach diesem Prinzip nachgedacht, aber die meisten Vorlagen für Tischdecken oder kreisrunde Tücher sind für meinen Geschmach zu durchbrochen, um als Kleidungsstück dienen zu können. Vielleicht komme ich irgendwann darauf zurück.

So, dass war nun meine erste Notiz ohne Bemühen um Leserlichkeit und knackige Kürze. Als nächstes werde ich ein Nähprojekt dokumentieren, das in der nächsten Woche fertig werden soll, und eine Woll-Tausch-Story.

Sonntag, 24. April 2016

Meine afrikanischen Souvenirs

Im letzten Herbst habe ich mir aus Kapstadt drei Stoffstücke mitgebracht, die für die Gegend charakteristisch sind. Zwei davon habe ich hier schon mal gezeigt (etwas runterscrollen), man nennt diese Stücke "Chitenge" oder "Kitange". Die Afrikanerinnen säumen diese Stoffe nur und tragen sie als Sarong, Schärpe, Kopftuch oder Schürze, wie es sich halt ergibt. Diese Stoffe gab es in dem Laden, in dem ich sie gekauft habe, nur stückweise, nicht vom Ballen - warum auch immer. Das Material ist Baumwolle, die Stoffe sind steif wie Papier (auch nach dem ersten Waschen noch) und typischerweise geht die Färbung durch und durch, die Rückseite unterscheidet sich kaum von der Vorderseite.

Den ersten Kitange-Stoff, den blauen mit den Vögeln, habe ich schon verarbeitet, aber leider im Moment kein Foto der fertigen Näharbeit. Den zweiten habe ich gestern und heute "verschneidert".



Ich wollte dieses gewagte Design unbedingt bis zum letzten Zentimeter ausnutzen und habe deshalb einen sehr langen und bequem weiten Schnitt gewählt - und eigentlich war der Stoff dafür nicht ausreichend. Die Ärmel sind gestückelt, die Taschenbeutel und Halsausschnittbelege sind aus einem anderen Stoff (den sieht man ja nicht) und überall schauen die schwarz-weißen Webkanten heraus, aber letzteres finde ich eigentlich ganz witzig. Von dem Stoff sind nur Zentimeterfetzchen übrig.
Dass die Motive nicht richtig mittig sitzen, ließ sich übrigens nicht vermeiden - die Anordnung auf dem Stoff ist unregelmäßig, und irgendwo hätte es immer "verrutscht" ausgesehen. Der Stoff hat hier noch sehr viel Stand, aber von meiner anderen "Kitange"-Bluse weiß ich, dass er nach ein paar Wäschen weicher wird.

Wesentlich größer war dieses Stoffstück:



Es reichte für ein Oversized-Hemd mit Taschen und Kragen. Das Perlhuhn ist übrigens als Designelement in Südafrika sehr beliebt, man sieht es oft auf Stoffen oder Dekomalereien. Dieser Stoff ist angenehm glatt und fein im Griff. Übrigens habe ich auch den fertig abgeschnitten gekauft - in einem Souvenirladen. Ich habe noch keine Knöpfe, die sollen natürlich optimal passen und deshalb habe ich mir Ethnoknöpfe bestellt, die hoffentlich diese Woche eintreffen. Was da am Hals steckt, ist eine blattförmige Broschennadel.


Und nun noch was Gestricktes, meine Saragossa-Jacke aus selbstgesponnener Wolle.


Design: Rita Taylor

Die Vorlage ist aus einem Knitter-Heft, aber ich musste wegen abweichender Maschenprobe natürlich einiges ändern und die schönen Smokpartien kommen auch nicht richtig zu Geltung in dem ungleichmäßig gesponnenen Garn. Aber ich bin total glücklich damit. Die Kammzüge für diese Jacke bestanden aus BFL, Seide und Bambusfasern, außerdem habe ich noch einen Kammzug unbekannter Herkunft verarbeitet, der mal als Geschenk in einem Wichtelpaket war. Die Jacke ist übersät mit kleinen Abrissen von Recycling-Sariseide. Das Material wirkt sehr kreativ und lebendig. Ich sollte wirklich wieder öfter spinnen ... habe das sehr vernachlässigt in diesem Jahr, aber mit dem Beginn der Terrassensaison werden die Spinnräder wieder mit mir hinausdürfen.

Wohnsitze





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