Freitag, 16. Januar 2009

Erste Bilanz

Was Wollverine alles gefressen hat seit Weihnachten:

Als erstes 75 Gramm/450 Meter (!) Uru-Roving, ein Rest, der noch von meiner Swanlake-Stola da lag. Gezwirnt mit Maschinenstickgarn aus Viskose.



Als zweites einen Kammzug Fruit Salad, ebenfalls Uru-Roving, gezwirnt mit dünner schwarzer Merino von Schoeller. Hier im Vordergrund zu sehen (den anderen Strang hinten habe ich letztes Jahr auf dem Minstrel gesponnen).



Beide Wollen sind wunderbar weich geworden. Die gelbe will ich mit schwarzen Perlen zu einem Minischal verstricken - für die bunte habe ich auch schon ein Projekt, aber das verrate ich noch nicht.

Zur Zeit macht Wollverine ein Experiment: Braune Milchschafwolle in Rolags, die ich schon länger liegen habe, mit Recycling-Seidenabrissen in allen Farben zusammenkardiert.
Den Faden werde ich noch zwirnen. Das Garn verspricht toll zu werden.



Wenn man bedenkt, dass Wollverine erst an Weihnachten mit der Arbeit begonnen hat und ich Anfang Januar noch eine Woche in Prag war, dies also die Ausbeute von nur 14 Tagen ist (und ich sitze nicht täglich am Spinnrad!), dann kann ich nur sagen: Prima Bilanz! Wollverine darf sich einen rauf setzen!
Ich habe viel Freude an diesem Rad. Ist die Spule noch leer, muss ich vorsichtig treten und die kleine Übersetzung auflegen, denn gerade bei leerer Spule ist Wollverine sehr gefräßig und es kann ihm gar nicht schnell genug gehen. Sind aber erst mal ein paar Meter beisammen, komme ich in einen sehr angenehmen, entspannten Arbeitsrhythmus. Schon mehrmals habe ich mich an diesem Rad in halbe Trance gesponnen. Und plötzlich ist die Faserhand leer und Wollverine ruft: "Mehr, mehr!"
Man merkt, dass ich dieses Rad liebe, nicht wahr?
Für absolute Spinnanfänger würde ich es nicht empfehlen - das tut auch die Drechslerei Walther nicht; es ist als Spinnrad für Fortgeschrittene gelistet. Aber ein Spinncrack mit zwanzig Kilo Wollerfahrung muss man auch wieder nicht sein, um erfolgreich an diesem Rad zu drehen. Wie heißt es so schön im Strickforum: Ratet mal, woher ich das weiß. ;-)


Die Noro-Baustelle

Hier bin ich weniger begeistert ... Der Farbverlauf ist zwar schön, aber zu bunt für mich. Wahrscheinlich trete ich diese Weste, wenn sie fertig ist, an meine große Tochter ab.



Fürs Protokoll: Dieses Teil ist auf der Maschine gestrickt, und zwar mit Maschenweite 9. Ein Vergnügen war das nicht gerade. Obwohl die Wolle wenig Bausch hat, ist sie furchtbar hakelig. Beim Umspulen auf dem Wollwickler kommen ständig Knoten und Schlaufen mit und bei Stricken dann noch einmal. Ich habe die meiste Zeit im Stehen gestrickt, damit ich die Wolle schnell entwirren konnte.
200 Gramm müssten genau reichen für die Weste; das erste Knäuel ist beinahe komplett verstrickt. Theoretisch könnte man eigentlich noch Ärmel ansetzen, am besten aus feiner schwarzer Wolle. Erst mal fertigstricken, zusammennähen und entscheiden, für wen dieses bunte Teil denn nun ist.
Für diese Dame hier -



- wird's jedenfalls zu groß. Das ist mein derzeit noch laufender Strickauftrag: Flora braucht einen Pullover. Ich habe sie nur diese Woche zu Gast, spätestens Montag will ihre Besitzerin sie mitnehmen - und zwar hoffentlich mit Pullover. Ich habe einen Restknäuel bunte Brazilia, vielleicht nehme ich die. Irgendwie muss das Zeug ja mal weg - ich bin kein Brazilia-Fan.

Montag, 12. Januar 2009

Rote Liste

Eine immer seltener werdende Spezies ist der gut sortierte und fachmännisch geleitete Woll-Laden. Bei uns in Osthessen scheint er so gut wie ausgestorben zu sein; sieht man mal von ein paar mickrigen Wolleckchen ab, in deren Regalen sich graue Sockenwolle und grelle Riesenpolyknäuel langweilen.
Vor einer Woche in Mainz bin ich aber über eines der besser ausgestatteten Exemplare dieser bedrohten Art gestolpert und möchte meiner Freude hier Ausdruck geben: Es gab dort Dinge, die ich bisher nur im Internet gesehen habe, zum Beispiel Knitpicks (musste ich bisher immer bestellen) und Noro (kenne ich nur vom Bildschirm), sowie noch vieles andere, was ich aus Zeitmangel nicht genauer sichten konnte. Aber dieser Laden sieht mich bestimmt wieder.
Gefunden habe ich ihn ganz zufällig - beim Weg aus dem Parkhaus im Karstadt. Ich kenne mich in Mainz nicht so gut aus, sonst würde ich gern genauere Angaben machen. Immerhin habe ich inzwischen eine HP gefunden, wo alles Nötige nachzulesen ist, nämlich hier.
Leute, unterstützt die kreativen und reich bestückten Wollecken!
Ich habe zum Beispiel Noro gekauft, obwohl ich ja *hüstel hüstel*, nein, WEIL ich ja ÜBERHAUPT keine Wolle im Haus habe, das weiß jeder, ich erzähle es ja dauernd, ich habe ABSOLUT KEINE Wolle daheim, nicht ein Fitzelchen, ich brauchte UNBEDINGT Wolle!



Was ich damit mache, weiß ich noch gar nicht recht - wahrscheinlich werde ich mal wieder Schulz-Patches stricken; oder, wenn die Farbfelder groß genug sind, einfach eine Weste. Ich hab ja zwei genau gleiche Knäuel, kann also in zwei Teilen auf der Maschine stricken. Es ist Sockenwolle, aber der Farbverlauf ist mir zu schade, in den Schuhen zu verschwinden. Und aus dem Einzelknäuel in ebenso frischen, aber zu den beiden anderen nicht passenden Farben stricken wir halt ein Tuch. Bei Ravelry gibt es schöne zum Abgucken. Schließlich habe ich noch gar kein ... noch kein einziges ... Rest geschenkt.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Wollverine

Das ist kein falsch geschriebener X-Man, sondern mein Christkindle - ein Schnellspinnrad Ella aus der Tischlerei Thomas Walther, von der ich damals auch meine Trommelkarde gekauft habe. Dieses Rad hier ist wirklich was Besonderes: Es ist turboschnell und trotzdem dank der Bauweise mit zwei Schwungrädern sehr klein und kompakt. Damit komplettiert es meine Herde perfekt, denn ich möchte kein großes Rad mehr; wohl aber ein schnelles.



Die Ella wird auf der Homepage der Tischlerei Walther ausdrücklich als Rad für fortgeschrittene Spinner angeboten. Deshalb war ich ein bisschen ängstlich, ob ich ihr überhaupt gewachsen bin. Aber dazu bestand gar kein Anlass, wir haben uns sofort gut verstanden. Mein erster Spinnversuch mit einem Rest Uru-Roving ist schon recht gelungen! Der Faden ist superfein; trotz des Tempos, das dieses Rad vorlegt, zieht es nicht übermäßig fest am Faden, so dass ich immer genug Zeit zum gleichmäßigen Ausziehen habe. Fadenrisse hat es nur zwei-, dreimal gegeben, wenn ich so dünn ausgezogen habe, dass man den Faden kaum noch sah.



Das Rad hat zweifädigen Antrieb und Doppeltritt, und - was mir besonders gefällt - es hat Gumminoppen unter den Füßen, so dass ich es auch auf den Fliesenfußboden stellen kann, ohne dass es wegrutscht. Da wir nämlich vor dem Fernseher keinen Teppich haben, musste ich bisher immer einen Vorleger holen, wenn ich mit einem meiner beiden Bockrädchen spinnen und dabei glotzen wollte ...
Schöne und saubere Verarbeitung (mein Rad ist aus gewachster Buche), netter Kontakt (alle Mails wurden freundlich beantwortet) und pünktliche Lieferung muss ich nicht extra betonen, das kennen alle, die schon mal was bei Tom Walther bestellt haben. Und da Weihnachten ist, habe ich noch ein kleines Extra bekommen, nämlich einen Satz Filznadeln mit Wolle und Anleitung.



Ach ja, das zwischen den Tritten ist der Bär Wollverine. Den habe ich mir kurz vor Weihnachten noch gestrickt, und zwar aus einem Rest selbstgesponnener Wolle vom Schaf Joan. Er wird mein neues Rad bewachen, das nun auch "Wollverine" heißt, weil es die Wolle nur so in sich hineinschluckt - wie ein Wolf eben.

Montag, 17. November 2008

Mein Abschied von Halli-Galli ...

... steht unmittelbar bevor. Übermorgen gehe ich in die Klinik und werde, wenn mein Gallenstein und ich in Frieden auseinanderkommen, schon in einer knappen Woche wieder zu Hause sein.
Unpetinkt vorher fertigstellen wollte ich noch die Mystery-Stola Winterhauch. Und es ist geglückt. Here we are! Die Stola ist über 2 Meter lang, 65 cm breit, gestrickt aus 400 Gramm Sockenwolle. Wie viele Perlen - Wachsperlen in Blau- und Lilatönen von Buttinette - in der Stola stecken, weiß ich nicht genau, aber es dürften am ersten Tausend nicht viel fehlen.
Das Foto bringt die Pracht leider überhaupt nicht richtig zur Geltung ... Besonders das Farbenspiel der Perlen ist herrlich!


Design: BriNa

Da kann man sich richtig reinwickeln. Einen herzlichen Dank an die Designerinnen Brigitte und Nadja, die die Anleitung kostenlos zum Download bereitstellten. Das Stricken hat großen Spaß gemacht; ich habe zum ersten Mal Perlen verstrickt (und bin froh, dass ich mich dazu entschlossen habe, sie sind in dieser Stola wichtig).



Von der Spinnfront gibt es leider keinen besonderen Erfolg. Oder könnte das hier was werden? Ich weiß noch nicht ...



Das ist Uru-Roving von Woolina, sehr fein gesponnen auf meinem Minstrel und dann auf der Delfina mit hell-cremefarbenem Alpaka verzwirnt. Auch das Alpaka ist selbstgesponnen. Es stammt von dem Vogelsberger Alpakafarmer, der unserer Spinngruppe mehrere Säcke voll geschenkt hat. Dieses hier ist vom Alpaka Resi.



Nun ja, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul und einem geschenkten Alpaka nicht allzu genau in die Wolle, sondern man übersieht all den Staub und Spreukram, der in den Fasern sitzt. Beim Kardieren staubt es, beim Spinnen staubt es ernorm und sogar beim Zwirnen fliegt der Staub umher. Die Faser ist aber ein Traum, so weich wie Watte, und im richtig laaaaaangen Auszug wunderbar zu spinnen. Den Dreck kriegen wir hoffentlich auch noch raus. Ich habe die Faser ja nicht gewaschen, weil sie so weich und flaumleicht ist, dass ich fürchtete, nachher nur noch Flusen zu haben.

Ich will einstweilen nur 100 Gramm Lila mit Resi zwirnen und dann erst mal die Lauflänge und das Gewicht prüfen. Da Alpaka so gut wie nichts wiegt, dürfte die Lauflänge enorm ausfallen. Wahrscheinlich werde ich das restliche Lila dann als Single spinnen und aus dem Ganzen einen schönen Pulli machen. Irgendwann. Erst mal ist Halli-Galli an der Reihe. Ich habe auch eine Handarbeit zum Mitnehmen in die Klinik bereitliegen, den Holly-Berries-Schal, der schon lange fertiggestellt werden möchte.


Nachtrag:

Ich melde mich bis auf weiteres ab.
Hier kommentiert zwar keiner, aber ich sehe, dass allerhand liebe Leutchen mitlesen, deshalb deaktiviere ich sicherheitshalber die Kommentare. Bis bald!
schmollfisch Anna

Samstag, 15. November 2008

Vorfreude ...

Hatte gestern Mailkontakt mit der Tischlerei Thomas Walther.
Tom baut mir etwas ganz Besonderes. Das ultimative letzte und allerletzte Spinnrad, das ich mir anschaffen werde, und die Krönung meiner Herde.
Ich werde es (das ist so abgesprochen) erst kurz vor Weihnachten bekommen. Aber Tom baut daran und hat mir Fotos versprochen, sobald was Vorzeigbares beisammen ist.
Ich freu mich so darauf.

Dienstag, 4. November 2008

Nach langer Pause ...

... mal wieder was zum Bloggen:
Endlich fertig geworden ist mein Verwandlungsponcho mit dem Muster "Practice Makes Perfect" aus dem Buch "Inspired Cable Knits" von Fiona Ellis. Das Muster besteht aus sich immer wieder verändernden Zopfsträngen, es sieht fast wie ein Sampler aus.


Zopfmuster: Fiona Ellis

Der Poncho hat auseinandergelegt die Form eines Handtuchs. Man kann ihn als Stola tragen oder auch die Schmalseite an eine Längsseite knöpfen. Das Material ist Space-Kammzug von Wollknoll, teils mit Lurex, teils mit Nähgarn gezwirnt, mit eingesponnenen kupferfarbenen Perlen.
Lang genug habe ich dafür gebraucht. Eigentlich wollte ich das Teil nämlich auf der Maschine stricken. Aber ich hatte damit kein Glück, immer gab es irgendwo Haken und Schlaufen, oder ich hatte falsch herum gezopft ... und schließlich wäre das Perlengarn auch gar nicht über die Maschine gelaufen. So griff ich am Ende doch zu den Knitpicks und nadelte mir das Teil von Hand.
Und dann gefielen mir die ausgewählten Knöpfe nicht, zu dick und zu schwer. Ich habe sie wieder abgetrennt und statt dessen eine satte Anzahl von diesen hier genommen, die auf dem Foto zu sehen sind: vom Online-Shop "Knopfparadies", den ich guten Gewissens empfehlen kann. Große Auswahl, anständige Preise, netter Kontakt und flotte Lieferung.



In aller Eile habe ich dann noch das hier beendet, das zum UFO zu mutieren drohte: Eine lange Weste nach dem Muster des Candleflame-Tuchs.



Darunter trägt man natürlich ein Shirt mit langen Ärmeln. Das Material ist Milchschafwolle von Astrids Schaf Joan, die ich von Grund auf verarbeitet habe. Gewaschen, mit Ostereierfarben gefärbt, kardiert, gesponnen, gezwirnt, gestrickt. Wie man sieht, ist die Färbung nicht ganz gleichmäßig und auch beim Spinnen habe ich für Unterhaltung gesorgt. Im unteren Teil des linken Vorderteils sind zum Beispiel eine Menge kleiner Wollböbbel eingesponnen, die ich nach dem Kardieren von der kleinen Trommel gezupft habe. Der Rücken ist gleichmäßiger in der Farbe.
Hier sieht man auch die Knöpfe: Pusteblumenknöpfe, auch die vom Knopfparadies.



Die Weste wurde gerade rechtzeitig fertig zum Lauterbacher Kunsthandwerkermarkt, wo unsere Spinngruppe einen Stand zum Schauspinnen bekommen hat. Weil ich es so furchtbar "im Rücken habe", nahm ich mein Minstrel mit, das ich sonst nicht gern umherkarre, aber es hat keinen Schaden genommen. Der Doppeltritt ist einfach rückenfreundlicher. Ich habe aber auch ein Ashford, ein Kromski-Reiserad und Sabines schöne alte Ziege gesponnen. Es war ein schöner Tag und wieder ist eine Spule beinahe voll. Dunkellila Uru-Roving von Emi, das ich mit Schwarz und Silber verarbeiten will.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Vorfreude

Es darf kalt werden: Ich stricke den Knitalong Winterhauch mit - endlich mal ein deutscher Knitalong. Siehe Button links. Und das ist der erste Teil:



Oder vielmehr ein Teilstück des ersten Teils, denn das erste Teil ist nach einer lockeren Messung mit dem Bandmaß 320 cm lang und bildet eine Rüsche auf der langen Knitpicks-Nadel. Da das Teilstück an beiden Enden rechte Winkel bildet, wird wohl ein Schal von 60 x 200 cm herauskommen. Eine satte Größe, da kann man nicht frieren.

Das Material ist diesmal Sockenwolle wie empfohlen. in Blütenweiß. Ich habe auch eine Musterprobe aus Lacegarn gestrickt, aber die gefiel mir nicht.
Und zum ersten Mal stricke ich mit Perlen. Über 1000 Wachsperlen liegen bereit, in fünf unterschiedlichen Blau- und Lilatönen. Das Aufziehen mit der 0,75 mm-Häkelnadel war zuerst etwas mühsam, aber mit der Zeit kommt die Übung.
Ein dickes Dankeschön an Brigitte und Nadja für das Design dieser Stola, die sehr schön wird, das sehe ich schon. Diesmal werde ich bestimmt bis zum Ende mitstricken.

Und noch ein Beitrag zum Motto "Mit der Zeit kommt die Übung". Dieser Schal hat nämlich den Namen "Practice Makes Perfect".



Das ist Space-Kammzug, rechts gezwirnt mit einem kupferfarbenen Lurexfaden, links gezwirnt mit dunkelrotem Nähgarn und eingesponnenen altgoldfarbenen Glasperlen.
Die Wolle hat ungefähr die Stärke von 4fach-Sockenwolle. Die Stränge habe ich ineinander übergehend hintereinander verstrickt. Allerdings behalte ich soviel Wolle übrig, dass ich noch nicht sicher bin, wie genau ich den Schal beende.




Wie kommt es eigentlich, dass ich von der Selbstgesponnenen so wenig verbrauche? Selbst wenn ich einen Pullover stricke, komme ich oft mit 300 Gramm Wolle aus - das wären sechs Knäuel gekaufter Wolle, das hätte mir früher nie gereicht. Und dünner geworden bin ich bestimmt nicht. Strickt man mit der "Homespun" irgendwie sparsamer?
Wie auch immer, es bleibt genug Space übrig, um noch was Neues daraus anzufangen.

Montag, 22. September 2008

Noch 'n Schäferfest

Beim Tag des Schafes in Landenhausen, in der Nähe von Lauterbach, habe ich etwas Schönes erlebt. Nachdem wir, Tochter und ich, eingehend die vielen schönen Schafrassen bewundert hatten - darunter auch Heidschnucken, die man hier nur selten sieht -, habe ich mich natürlich ganz dezent auf die Suche nach einem Wollstand gemacht ... ich habe ja gar keine Wolle zu Hause, ich habe üüüüüüberhaupt keine Wolle, nicht wahr, ich brauche uuuuuunbedingt Wolle, WOLLE, WOOOLLLEEEEE! Leider - hm - gab es so was nicht. Einen Filzstand habe ich gefunden. Der war sehr schön mit bunten Kammzügen und einem riesigen grauen Vlies dekoriert. Aber die Inhaberin wollte mir nichts verkaufen. Nur Märchenwolle zum Filzen, in Beutel abgepackt.

Tja, nicht dass mich Filzen überhaupt nicht interessiert, aber wenn ich damit beginne, dann werde ich erst mal meinen Stash an dicker Wolle im Wege des Strickfilzens wegarbeiten ... Wolle zum Filzen kaufen ist nicht mein Beuteschema ... aber als ich der Inhaberin erklärte, dass ich nur Spinnwolle suche, sagte sie: "Wenn Sie möchten, spinnen Sie doch einfach!" Und zeigte auf ihr Ashford, das neben dem Stand aufgebaut war. "Ich wollte eigentlich schauspinnen, aber ich komm ja nicht dazu!" (Sie war ständig von Kindern umringt, die filzen wollten.)

Ich bekam ein Stück von dem grauen Vlies - es war Romanov - und ich setzte mich ans Rad und legte los ... hach, war das herrlich. Die Romanov spann sich phantastisch. Sie ließ sich ausziehen wie Kaugummi. Ich spann so langen Auszug, wie bei meiner Armlänge nur möglich. Der Faden wurde wunderbar fein und fluffig.

Natürlich wurde ich immer wieder angesprochen und ausgefragt - das ist ja der Sinn des Schauspinnens, gell ... aber die Reaktionen waren durchgehend positiv. Interessant allerdings, dass die Fragen zur Spinnradphysik - warum das Rad zwei Drehmomente hat und wie die zustande kommen - ausschließlich von Männern kamen. Das deckt sich übrigens mit dem, was andere Spinnerinnen von ihren Marktterminen erzählen ...



Nach etwas über einer Stunde wollte ich meiner Tochter, die geduldig ausharrte, die Aktion nicht weiter zumuten. Aber die Romanov MUSSTE ich einfach haben! Und die Inhaberin des Standes ließ sich wahrhaftig doch noch überreden, mir eine große Tüte voll zu überlassen.

Im Spinnforum habe ich gelesen, Romanov sei kratzig. Das stimmt für meine Wolle überhaupt nicht. Vermutlich habe ich die reine Unterwolle erwischt. Die Farbe ist nicht so schön silbrig wie die Gotlandwolle, die ich in Hungen gekauft habe, eher rustikal-grau, sozusagen jankergrau. Mit einem Glanzfaden gezwirnt wird sich ein schöner Faden ergeben - und mit dem superlangen Auszug ruckzuck gesponnen.

Hier auf den Seiten der Osthessen-News gibt es wunderschöne Schafbilder von der Veranstaltung. Mir haben es besonders die kleinen, lockigen Skudden angetan. Ich kam beim Spinnen mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, das einige Skudden zu Hause hat - sackweise Wolle und keine Zeit, sie zu verarbeiten. Sie haben meine Adresse aufgeschrieben. Vielleicht gibt es bald auch mal Skuddenlocken zum Spinnen.

Wohnsitze





annarinnschad [at] gmx [dot] de

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