Samstag, 4. Februar 2017

Sekundenschaf

Vor einiger Zeit - ich weiß nicht mehr, ob es im letzten oder vorletzten Jahr war - suchte ein bekannter Verlag unter dem Stichwort "Sekundenschaf" nach Momenten schafsmäßiger Dummheit. Ich kann mich erinnern, dass ich selbst einen Beitrag hingeschickt habe. Es ging um den Gebrauch eines Ebook-Readers. Der hat, wie jeder weiß, ein Display aus irgendwelchem Plexi, jedenfalls aus einem nicht saugfähigen Material. Wenn ich beim Lesen einen Tropfen Kaffee auf das Display kleckere, verfalle ich keineswegs in Panik. Ich weiß ja, dass kein bleibender Schaden entstehen wird, wie es bei einem "richtigen" Buch mit Papierseiten wäre. Ich lasse den Fleck einfach stehen. Auf der nächsten Seite sieht man ihn ohnehin nicht mehr.

Ja, das war ein klassisches Sekundenschaf. Es dauert wirklich nur eine Sekunde. Spätestens wenn ich auf der nächsten Seite angelangt bin und der Fleck ist immer noch da, ist die Sekunde vorbei.

(Ich halte Schafe übrigens keineswegs für dumm. Meiner Ansicht nach ist überhaupt kein Tier dumm, die stellen sich nur so.)

Ein Sekundenschaf, das mehrere Wochen dauerte, hatte ich kürzlich mit meinem Klöppelbrett.



Falls ich diese Arbeit je beende (Betonung auf "falls"), wird es ein Schal oder Loop, jedenfalls länger als das Brett. Damit ich erstmal feste drauflos klöppeln kann, habe ich den Klöppelbrief ganz oben festgesteckt. Was die Handhabung natürlich sehr erschwert. Ich klöppelte im Stehen über das Brett gebeugt, was schon nach fünf Minuten furchtbar ins Kreuz geht. Entsprechend langsam ging es voran. Letzten Sonntag habe ich das Brett auf den Boden gelegt und mich auf das untere Ende gesetzt. Auch nicht wirklch bequem. Ich klöppelte zehn Minuten. Dann war, Gott sei Dank, das wochenlange Sekundenschaf zu Ende und ich erinnerte mich, warum ich mir für einen Haufen Geld ein Schiebekissen gekauft habe.



So kann ich jetzt ganz bequem arbeiten, sogar im Sitzen am Tisch. Und wenn mir jetzt jemand hier drunterschreibt "da warst du aber ganz schön lange ganz schön blöd", kann ich nicht widersprechen. Eine Dame in meiner Klöppelgruppe sagte übrigens dazu: "Man muss halt immer erstmal leiden!"

Das Design für den Schal in Torchonklöppelei stammt übrigens aus diesem Buch:



Die Autorin benutzt zum Klöppeln nicht nur die klassischen Leinen- oder Seidengarne, sondern auch Wollfäden, sogar Effektgarne mit Fransen oder Noppen. Ich möchte zwar gerne Klöppeln lernen, aber keineswegs feine Fensterbilder oder Vorhangspitzen klöppeln, so toll ich diese Sachen finde. Ich möchte Schals und Loops, allenfalls mal ein Börtchen für ein Kleidungsstück. Deshalb klöpple ich im Moment auch mit Lacegarn, und zwar von der Wollmeise. (Wichtig ist eine gute Strapazierfähigkeit des Garns; Singlegarne wie Malabrigo oder dergleichen bröseln beim Klöppeln auseinander. Ein gut gezwirntes, glattes Garn wie Wollmeise ist wesentlich besser geeignet.)

Meine Weste mit den Testnadeln ist heute fertig geworden, es ist nur noch ein Knopf anzunähen. Ich liefere bald ein Foto nach, vorab aber noch ein Wort zu des Testnadeln, den "Prym ergonomics". Die Jackennadeln haben noch ein Feature, das ich im letzten Eintrag vergessen habe zu erwähnen, nämlich das eingekerbte Ende:



Man kann hier die Spitze der einen Nadel in das stumpfe Ende der anderen Nadel einklipsen, so dass sich alles gut zusammenrollen lässt und garantiert keine Maschen wegrutschen. Ich bin sehr zufrieden mit diesen Nadeln. Sie verbiegen auch nicht, wie ich festgestellt habe. Beim Stricken krümmen sie sich schon ein wenig, nehmen aber sofort wieder die alte Form an - jedenfalls meine. Das Nadelspiel habe ich inzwischen auch in Gebrauch.

Wohnsitze





annarinnschad [at] gmx [dot] de

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